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29. Januar 2019

 

Österreichs größte Anwaltskanzlei Wolf Theiss setzt auf austro-chinesische Top-JuristInnen. Chinesischen Investoren gefällt das.

von Simon Kravagna,Fotos: Marko Mestrovic


„Wir wollen chinesischen Investoren die CEE-Region näherbringen.“

Anfangs waren es nur leere Kilometer. Ein Treffen mit dem zweiten Bürgermeister einer chinesischen Provinzhauptstadt da, ein Essen mit einem der vielen China-Experten dort. „Es war frustrierend. Außer Spesen nichts gewesen“, erinnert sich Anwalt Christian Mikosch an seine ersten Versuche, mittels der üblichen Polit-Kanäle und Freundschafts-Organisationen relevante Kontakte aufzubauen. „Irgendwann haben wir aber bemerkt, dass wir am besten mit vergleichbaren Wirtschaftskanzleien in China können“, erzählt der Mergers & Aquisitions-Experte in Österreichs größter Anwaltskanzlei. Seitdem Mikosch gemeinsam mit Kollegin Jiayan Zhu durch viele Trips nach Shanghai, Peking und Hongkong ihr Netzwerk zu chinesischen Kollegen aufgebaut hat, ist der „ChinaDesk“ der Kanzlei gut beschäftigt.

Wir sprechen Mandarin
Marko Mestrovic

So war Wolf Theiss etwa bei der Übernahme des slowenischen Paradebetriebs Gorenje durch den chinesischen Haushaltsgerätehersteller Hisense als führende Anwaltskanzlei tätig. „Wir wollen chinesischen Investoren die CEE-Region (Central and Eastern Europe) näherbringen“, erzählt Mikosch. Damit das besser gelingt, arbeiten für den „China-Desk“ der Kanzlei vor allem hochqualifizierte Austro-Chinesen. Und die kommunizieren mit ihren Mandanten in China auch auf Kantonesisch oder Mandarin. Jiayan Zhu, Anwältin bei Wolf Theiss und ebenfalls auf Merger & Acquisition spezialisiert, ist mit zehn Jahren gemeinsam mit ihren Eltern nach Österreich gekommen: „Ich musste hier erst Deutsch lernen. Jetzt bewege ich mich gut zwischen den beiden Welten.“

Dabei geht es nicht nur um Sprache, sondern um kulturelles Gespür. „Für Chinesen ist es eine Schande, vor Gericht zu gehen“, erklärt Wolf Theiss-Anwältin und Expertin für Schiedsverfahren und alternative Streitbeilegung Venus Valentina Wong, deren Eltern aus Hongkong nach Österreich kamen. Chinesen lieben die Harmonie, weiß Wong. Streit sei der unrühmliche Beweis, die Dinge nicht im Griff zu haben. Generell hat der Beruf des Anwalts in China ein schlechtes Renommee. Viele chinesische Manager stehen westlichen Anwälten daher grundsätzlich skeptisch gegenüber. Auch wegen der in China unüblichen Art, anwaltliche Leistungen nach Stunden zu verrechnen. „Das geht gar nicht. Chinesen wollen Pauschalangebote, auch wenn im Vorhinein niemand weiß, wie viel Arbeit mit dem Auftrag verbunden ist“, erklärt Wong.

Es braucht also viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl, um zu einem Deal zu kommen. Gut wäre es auch, die berühmten feinen Unterschiede zu beachten, erzählt Wong. Bitte die Visitenkarte mit beiden Händen überreichen und nicht irgendwo in der Hosentasche verschwinden lassen. Das würde mangelnden Respekt zeigen. Und Respekt ist wichtig fürs Geschäft. Übrigens, mit Zaibaa Thingna hat Wolf Theiss auch eine in Indien zugelassene Anwältin mit an Bord. Die Absolventin der London School of Economics hat es zwar wegen der Liebe nach Wien verschlagen, aber wer weiß, sagt Mikosch: „Vielleicht kommt nach China der Indien-Boom. Dann sind wir auch dort vorne dabei.“ 

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