Ice Bucket Challenge auf Bosnisch

29. August 2014

 

Kein Wort wollte ich über die Ice Bucket Challenge verlieren. Was soll’s! Gab es doch Planking, Harlem Shake und unzählige Hypes, die Massen anzogen und zur gegenseitigen Belustigung dienten. Darüber ein Wort zu verlieren, unwichtig. Neue Spielchen werden kommen und wenn die Welt gesättigt ist, verschwinden sie wieder. Aber hier geht es um ALS, eine so schreckliche Krankheit, dass es mir nicht egal ist, wie mit der Aktion umgegangen wird.

 

Gut gemeint

Unter den zahlreichen Videos, die mir untergekommen sind, brannte sich eines besonders in mein Hirn ein. Ein junger Amerikaner schüttete sich Eiswasser über den Kopf. Danach spricht er über ALS. Seine tote Großmutter hatte sie, seine Mutter hat sie und er hat sie. Er kann sich noch bewegen, seine Mutter ist bettlägerig, muss künstlich ernährt, vom Sohn gepflegt werden. Bei jedem weiteren Video von gesunden Menschen musste ich an ihn denken und fand nichts davon lustig. Das Gekreische, das „Oh mein Gott, ist das kalt!“, das HIHIHI und HAHAHA. Nö! Gelacht habe ich nicht! Dennoch fand ich es OK, in der Hoffnung, dass diese Leute sich nicht nur deshalb begießen, um dem Spendenscheck zu entkommen, sondern tatsächlich und trotz Eiskübel die eine oder andere Summe spenden. Aber nach so vielen Videos und makabren Auswüchsen der Challenge befürchte ich das Gegenteil.

 

Zahlreiche Promis und Normalos mit Eiswasser und hoffentlich Schecks lassen die Betroffenen hoffen, auch wenn es zumindest bedeutet, dass die Welt über die Existenz dieser Krankheit erfährt. Ich kannte sie auch nicht. Aber erfahren die Leute wirklich so viel davon? Oder ist es einfach nur mehr ein Spiel, wenn ALS nicht mal richtig buchstabiert (ASL etc.) wird oder außer der Nominierung der Freunde gar kein Wort darüber fällt?

 

Scheiße aus dem Kübel

Mein Dorf in Bosnien hat’s auch erwischt, Videos des einen oder anderen wurden auf meine Facebookwall gespült. Ein Nachbar stellte sich der Challenge, hielt einen Kübel in der Hand und begoss eine tote Maus, die er in seinem Schlafzimmer gekillt hat. Seine Nominierung beschwerte sich keine Mäuse im Haus zu haben und begoss stattdessen seinen Hund. Der war zumindest noch am Leben. Bei denen bin ich mir sicher, dass sie keinen Schimmer über ALS haben und schon gar nicht wussten, was zu googeln wäre. Es mutierte zu einem Spiel, wer die Eier für die kalte Dusche hat. Coolnessfaktor ist mit dabei, will doch schließlich keiner eine Wette verlieren. Und wer nominiert wurde? Oh yeah! Ich und nominiert? Mann, bin ich wichtig! Und wenn wir schon dabei sind, was aus so einer Aktion werden kann? Ein Bosnier aus Bihac hat an der Challenge etwas gefeilt. Er übergoss sich mit einem Eimer Scheiße und nominierte die bosnischen Politiker Bakir Izetbegovic, Milorad Dodik und seinen Bürgermeister. „Ach was! Ich nominiere alle bosnischen Politiker, weil ihr alle ein Haufen Scheiße seid!“ so seine Videoworte.

 

Fazit: Spaßfaktor statt nur Mitleid bei Spendenaktionen ist OK, wenn es tatsächlich etwas bringt. Aber dass wir erst durch einen gewissen Unterhaltungswert mobilisiert werden können, ist traurig. Gibt es doch so viele andere Krankheiten, krebskranke Kinder, die um Likes oder Spenden auf Facebook bitten und ihr „mangelnder“ Unterhaltungswert viel weniger Geldbörserl locker machen.
Let’s entertain us!

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