#INSTASTAR

24. September 2014


Fitnessguru, Ernährungsexperte oder Unterwäschen-Modell – auf Instagram werden Träume wahr. Warum Facebook trotz seines 10-jährigen Jubiläums vor allem bei Teenies out ist und was Instagram zum Place-to-be macht.
von Alexandra Stanic und Marko Mestrovic (Fotos)


Modell: Sonja Plöchl

„Auf Facebook wird man dauernd mit Nachrichten, Chats und Werbung bombardiert“, sagt der 25-jährige Damir Dizdarevic. „Auf Instagram kann man hingegen schnell und einfach Momente festhalten.“ Diese Meinung teilen viele Jugendliche und vor allem Teenager. „Facebook? Ach was, meine kleine Schwester ist nur auf Instagram“, erzählt ein anderer über das Social Media Life seiner 13-jährigen Schwester. Ob bei den kleinen Geschwistern, Schülern oder Studenten, Instagram ist an ihrem Smartphone geöffnet, nicht Facebook. „Instagram ist ein cooler Zeitvertreib, ich checke am liebsten Fotos von Stars wie Rihanna“, sagt etwa die 20-jährige Tamara Vizek.


Tatsächlich zählt der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor allem bei jungen Menschen Verluste. Eine amerikanische Marktforschungsstudie zeigt: Für 23 Prozent der befragten US-Teenager ist Facebook das wichtigste Social-Media-Netzwerk. Ein Jahr zuvor waren es noch 42 Prozent. Aber nicht nur in Amerika scheint Facebook an Popularität zu verlieren, auch europaweit schneidet die Plattform nicht gut ab - eine in acht EU-Ländern durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass Teenager das Netzwerk vermehrt uncooler finden. Stattdessen widmen sie sich anderen Plattformen wie Twitter, Whatsapp, Snapchat – aber vor allem Instagram. Der Social-Media-Experte Ross Simmnods von „Social Media Today“ prognostiziert Instagram sogar zur Online-Plattform des Jahres 2014.


Verständlich. Schließlich kann man auf Instagram schnell und einfach Fotos hochladen. Es hat zahlreiche Filter, die Pickel wegzaubern und ist im Gegensatz zu Facebook frei von ungewollten Textnachrichten und Werbung. Aber was macht Instagram wirklich aus, wo liegt der Zauber? Ist es vielleicht der Hype um die eigene Schönheit – der zum Teil auch in einen bedenklichen Magerwahn abdriftet? Auf Instagram gelingt die Selbstdarstellung einfach noch effektiver. Herzen vergeben, Hashtags markieren, Follower gewinnen. Oder ist es doch die Anonymität, die die Instagram-User zu genießen glauben? Bei Facebook gilt doch die Politik des echten Namens, bei Instagram ist der Fantasie freien Lauf gelassen. biber hat fünf Gründe zusammengetragen, warum Instagram den alten Hasen Facebook vom Podest wischt.

1. INTM – Instagrams Next Top Model
Du wolltest schon immer Model werden, bist kamerageil und hast zudem den Modelblick drauf? Auf Instagram kann jeder zum professionellen Model werden. Was man dazu braucht? Möglichst wenig Kleidung, einen Hobbyfotographen und ein paar Follower, die dir deine Modelkarriere abkaufen. Hier lautet die Devise: Je abgemagerter, desto besser. Außerdem: Von lasziven Ganzkörperfotos im Bikini oder ohne BH - dafür mit Nippelblitzer - ist alles dabei. Heidi Klum sucht ihre GNTM-Kandidatinnen für die nächste Staffel garantiert auf Instagram. #seriously #jetztlachtihrnoch
 
2. Mama und Papa haben Instagram (noch) nicht entdeckt
Wer kennt das Szenario nicht: Da gäbe es dieses eine Bomben-Foto von letzter Nacht. Die Arme sehen megaschlank aus, die Frisur sitzt perfekt und der Gesichtsausdruck deutet auf einen spaßigen Abend hin. Jeder normale social-media-vernarrte Mensch würde so ein gelungenes Foto auf Facebook veröffentlichen. Wäre da nicht das Bier in der einen, die Zigarette in der anderen Hand. Auch wenn man die Privatsphäre auf Facebook so anpassen kann, dass Mama und Papa das Foto nicht entdecken, wären da noch Großeltern, Geschwister, tratschende Nachbarn, die Tante aus England, des Bruders Arbeitskollegen, Mamas Cousine dritten Grades ... Viele verzichten deswegen einfach auf das FB-Risiko und greifen auf Instagram zurück. Auf dem Foto-Netzwerk herrscht ein gewisser Grad an Anonymität. Die Follower sind nicht ehemalige Schulkollegen und Verwandte, sondern meistens völlig Fremde.

 

3.Fashion for Life
Hierbei zählt nur eins: Möglichst viele Fotos in verschiedenen Outfits und Posen veröffentlichen und schon kann man sich selbst als Fashionblogger bezeichnen. Ob das Foto in einer Restaurant-Toilette, bei Mama zu Hause,mit Mama im Hintergrund oder im unaufgeräumten Kinderzimmer entsteht, ist dabei völlig egal. Mit viel Glück bekommt man noch einen unbezahlten Job als Garderobendame bei der Fashion Week in Wien oder Berlin und erhascht so das ein oder andere Foto mit einer Mode-Ikone. Als Fashionblogger ist es übrigens wichtig möglichst viele Hashtags zu verwenden. Also z.B.: #fashion #blogger #love #peace #fashionblog #beauty #me #myself #ootd #ootw #followme #follower4follower #f4f #s4s #instafashion #instame #instablog #instaphone #instadaily
 
4. Der Online-Personaltrainer
Schwer vorzustellen, dass das blonde Püppchen, das sich selbst als „Fitnesstrainerin“ bezeichnet, in ihrem Modemanagement-Studium auch nur irgendetwas über Fitness lernt. Eine entsprechende Ausbildung als Fitnesstrainer ist auf Instagram aber nicht nötig, es reicht der eigene Körper als lebender Beweis. Dabei weiß doch jeder, dass ein Waschbrettbauch bei einer von Natur aus dünnen Frau genauso wenig zählt wie große Brüste bei einem dicken Mann. Besonders beliebt sind hervorstehende Schlüsselbeinknochen, ein Loch zwischen den Oberschenkeln und knochige Hüften. Bei Männern ist der - wie könnte es anders sein - Hulk-Look total in. Bei manchen Fitness-Accounts wirkt es sogar so, als würden sie eigentlich gar keinen Sport machen, sondern nur in Hotpants und Sport-BH schlüpfen und ein paar Fotos knipsen. #whoknows #justsaying


5. Fruitporn
Rohkostdiäten, Detoxpläne, vegane Rezepte – der Trend um den mageren Lifestyle macht auch vor Instagram keinen Halt. Laut einer Infografik von „We are Social“, einem englischen Social-Media-Unternehmen, beträgt das durchschnittliche Alter der Instagram-Nutzer 16-24. Mit dieser Info wirken die ganzen „Ernährungstipps“ noch eine Spur schlimmer. Denn die Insta-Ernährungsprofis scheinen nicht an das Alter ihrer Follower zu denken. Und sie scheinen auch nicht an gesundheitliche Risiken zu denken, wenn eine 14-Jährige ihrer Tipps wegen nur noch Obst und ein paar Nüsse isst.

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