Integration von Roma-SchülerInnen

19. Februar 2009

 

 

Heute habe ich folgenden interessanten Artikel auf der uni-Seite entdeckt und wollte ihn mit euch teilen. Unverändert poste ich ihn nun.

 

 

Integration von Roma-SchülerInnen

 

Begabungen von Roma-SchülerInnen, ob auf sprachlicher oder kreativer Ebene, bleiben von Seiten des Lehrpersonals oft unbeachtet. Der Bildungswissenschafter Mikael Luciak untersucht in einem aktuellen EU-Projekt die Situation von Roma-SchülerInnen im Klassenzimmer.

 

Generell ist das Wissen der österreichischen Mehrheitsgesellschaft über zugewanderte Roma, über ihre Kultur und sprachliche Situation relativ gering. "Roma-SchülerInnen mit Migrationshintergrund sind oft vielsprachig. Doch die LehrerInnen sind sich meist nicht der sprachlichen Kompetenzen der SchülerInnen bewusst. Außerdem werden in Österreich Fremdsprachen wie Serbisch oder Rumänisch sowie auch Minderheitensprachen wie Romanes häufig als weniger wichtig angesehen", erklärt Dr. Mikael Luciak vom Institut für Bildungswissenschaft.
 
Eines der Hauptziele des zweijährigen EU-Projekts "Teacher In-Service Training for Roma Inclusion (INSETRom)", das vor rund einem Jahr startete, ist es, Vorurteile gegenüber Roma abzubauen. "Die Schule muss sich mehr öffnen, um Roma-SchülerInnen besser in den Schulalltag zu integrieren und die LehrerInnen sollten im Unterricht verstärkt deren Geschichte und Kultur aufgreifen", wünscht sich der Bildungswissenschafter, dessen Projekt im Rahmen des Comenius-Programms (Förderung der Zusammenarbeit von Schulen aller Schulstufen und Schulformen innerhalb der EU) läuft.

Angst vor Stigmatisierung

Um dieses Ziel erreichen zu können, müsse bei der LehrerInnenfortbildung angesetzt werden, sagt Mikael Luciak, "denn in der LehrerInnenausbildung kommt diese Thematik nach wie vor zu kurz, und das, obwohl in Österreich bereits seit Jahrhunderten verschiedene Roma-Gruppen leben. Die LehrerInnen haben oftmals Hemmungen, die Roma-Thematik anzusprechen. Zum einen, weil ihnen das Wissen und die Ausbildung dazu fehlen, zum anderen, weil es nach wie vor viele Roma-SchülerInnen gibt, die aus Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung nicht über ihre Volksgruppenangehörigkeit sprechen. Um dem gegenzusteuern, müssen wir ein Klima der Anerkennung schaffen." Aber wie kann die Geschichte und Kultur der Roma - die ja keine homogene Gruppe darstellen - im Schulunterricht am besten vermittelt werden?

Training für LehrerInnen

Um diese Frage beantworten zu können, hat die Projektgruppe um Luciak zunächst mittels qualitativer Interviews die Bedürfnisse der Roma-SchülerInnen, deren Eltern sowie der LehrerInnen erhoben. Dafür wurden drei Schulstandorte in Wien - eine Volksschule, eine kooperative Mittelschule sowie eine Sonderschule - ausgewählt. Im Anschluss wurde ein Training für LehrerInnen organisiert, damit diese die Erkenntnisse aus der Studie im Unterricht in die Praxis umsetzen können. Dabei waren auch ExpertInnen aus den Roma- Gemeinschaften eingebunden. "Am Ende des Schuljahres werden wir zusammen mit den LehrerInnen analysieren, inwieweit es gelungen ist, die Vorhaben in die schulische Praxis umzusetzen", so Mikael Luciak.



 

Misstrauen abbauen ...

"Dabei ist es wichtig, eine Vertrauensbasis zwischen Schule und Eltern der Roma-SchülerInnen herzustellen, da diese aufgrund der historischen und gegenwärtigen Erfahrungen dem Schulsystem oft skeptisch gegenüberstehen. Doch die Erfahrungen im Rahmen des Projekts haben gezeigt, dass die Eltern es durchaus begrüßen, wenn im Unterricht Roma-spezifische Themen aufgegriffen werden", erklärt Luciak.
 
Um Roma-SchülerInnen die Integration in den Schulalltag zu erleichtern, muss laut Mikael Luciak an dem unfairen Schulsystem gearbeitet werden, das Kinder aus sozial schwachen Familien benachteiligt. "So sind es weniger die sprachlichen Barrieren, die Roma-SchülerInnen beeinträchtigen, sondern viel mehr die schwierige soziale Situation, in der sich viele Roma-Familien mit Migrationshintergrund befinden, was in der Schule jedoch zu wenig Berücksichtigung findet."

... nicht nur in Österreich

Zwar ist die Situation der Roma-Volksgruppen in jedem europäischen Land anders, doch eine soziale Benachteiligung findet sich fast in der gesamten EU. Deshalb haben sich für dieses Comenius-Projekt die Länder Österreich, Zypern, Griechenland, Italien, Rumänien, Slowakei, England und die Niederlande kurzgeschlossen. Gemeinsam erarbeiten sie im Laufe des Projekts ein Curriculum für LehrerInnen. "Es soll LehrerInnen Anhaltspunkte geben, wie sie am besten Roma-spezifische Themen im Unterricht behandeln können", erklärt Mikael Luciak, "erst wenn die Kultur, Sprache und Geschichte der Roma in den Schulunterricht Eingang findet, können die gängigen Vorurteile leichter abgebaut werden." (ps)

Dr. Mikael Luciak vom Institut für Bildungswissenschaft ist der österreichische Projektleiter des EU-Projekts "Teacher In-Service Training for Roma Inclusion (INSETRom)", das von Dezember2007 bis Dezember 2009 in acht EU-Ländern läuft.

(aus: http://www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/news/integration-von-roma...)

Kommentare

 

etwas zur durchführung größer angelegter projekte etwas bringen und wünsche den initiatorinnen alles gute für ihre idee.
mir erscheint es schwierig, schülerinnen genau eines ethnischen hintergrundes herauszufiltern und danach zu befragen. roma unterscheiden sich, wie andere ethnische gruppen auch individuell stark, wohl auch abhängig von familiären, kulturellen und bildungsbedingten unterschieden wie in anderen ethnien auch. zudem gibt es auch andere zigeuner, die in österreich leben und schwere nachteile in der ergreifung von chancen durchlebt haben. klar, roma sind die größte und bekannteste gruppe...

meine befürchtung ist, dass hier eine bedürfnislage eines mathematischen durchschnitts, der nicht näher zugeordnet werden kann, kreiert wird.

ich wünschte, roma und andere benachteiligte angehörige anderer gruppen würden chancen erhalten, mit schon gegründter familie defizite aufholen zu können. denn: wie soll bildung als wert vermittelt werden wenn man selbst keine hat???

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