Integrationskochen IV: Das ist dein Kaffee!

11. März 2011

Nachdem ich mich in den letzten Blogs eher mit der festen Nahrung der österreichischen Küche beschäftigt habe, finde ich, ihr seid jetzt reif für eine Unterrichtseinheit in Getränkekunde, die sich dem für viele lebenswichtigen Trank "Kaffee" widmet.

 

Das Caféhaus, mit seinen vom Rauch braun gefärbten Wänden, den Bergen an Zeitungen und grantigen Kellnern ist eines der traditionsreichen Markenzeichen Wiens. Es gibt nicht Schöneres, als stundenlang im Caféhaus rumzulungern, zu lesen, zu plaudern, sich über andere lustig zu machen und sich einen Café nach dem anderen in die Figur zu schütten. Für mich ist das Caféhaus eine Institution, die ich regelmäßig besuche, um mein Wohlbefinden zu steigern.  Für mich ist das Caféhaus ein Ort der Freiheit.

Eine Freiheit darf man sich aber unter gar keinen Umständen nehmen: Ein No-Go ist, "einen Kaffee" zu bestellen.

 

Warum?

Liebe Leute, das ist, als würde man in Belgien Bier bestellen, Schokolade wollen oder in Italien eine Pizza verlangen. DEN Kaffee gibt es in diesem Land nicht.

Aber alles was in Dingen rund um den Kaffee passiert, beginnt auf jeden Fall mit einem Mokka. Das ist so ziemlich dasselbe wie ein Espresso, wird auch "Schwarzer" genannt. Also ein Bohnenkaffee mit feinporiger Créme oder Milch.

Aus dem Mokka wird ein Kleiner Brauner, indem man Schlagobers dazukippt. Das Schlagobers wird extra serviert, damit der Gast selbst bestimmen kann, wie das Mischungsverhältnis sein soll. Ein Großer Brauner ist einfach die doppelte Menge

So schaut ein g'scheiter Kleiner Brauner aus: Mokka, Schlagobers im Kannerl und sowieso ein Muss: Ein Glas Wasser

 

Gold: die Milch/Schlag wird nicht dazuserviert, sondern schon vorher reingekippt und verrührt. Dadurch entsteht die goldene Farbe

Verlängerter: Mokka, der mit der doppelten Menge Wasser hergestellt wird. Achtung: das heißt nicht, dass man einfach doppelt so viel Wasser durchlaufen lässt – das würde die Bitterstoffe im Kaffee lösen, sondern man kippt heißes Wasser dazu.

Einspänner: ein doppelter Mokka mit viel Schlagobers in einem Einspännerglas serviert. Staubzucker ist extra.

Einspänner!

 

Kapuziner: doppelter Mokka mit ein paar Tropen Schlagobers, sodass er die Farbe einer Kapuzinerkutte bekommt

  

Melange: Bohnenkaffe mit aufgeschäumter/gequirlter Milch.

Ganz wichtig: Melange und Cappuccino sind eigentlich dasselbe, dennoch stehen meist beide auf der Karte. Wenn man fragt, was der Unterschied ist, bekommt man oft die skurrile Antwort: Der Cappuccino ist mit Schlag, die Melange mit Milchschaum. Sag' das mal einem Italiener!

 

Fiaker: Verlängerter Kaffee mit Rum und Schlagobers

Maria Theresia: doppelter Mokka im Stielglas mit einem Schuss Orangenlikör

Mazzagran: doppelter Mokke, der abgekühlt mit einem Eiswürfel serviert wird.

Sperbertürke: doppelt starker mit Würfelzucker aufgebrühter "Türkischer".

 

Die Expertise ließe sich ins Endlose ziehen und über die Art und Konsistenze des perfekten Milchschaums fange ich gar nicht erst zu sprechen an.

Am besten, ihr trinkt euch einfach quer durch die Bank durch!

 

Tipp: ab ins Café Alt Wien in der Bäckerstraße im 1. Abgeranzt ist das neue Gemütlich und rauchen darf man auch.

 

 

Kommentare

 

kultur. das erste, das ich in wien mitbekommen habe. die aus brüssel versauen sie damit, dass schon fast überall rauchverbot herrscht. stell dir vor, nicht einmal mehr im "café-central" ist rauchen erlaubt!
Ab und zu gönne ich mir diese wiener kaffeehaus-kultur (man will ja auch das echte gefühl der stadt spüren) mit einer melange! wenn besuch aus der heimat da ist, dann wird geraunzt, warum man coffee mit schlagobers bekommt (aber das hat mit der engstirnigkeit der italiener zu tun).

Cappuccino trinke ich beim itaka, ohne schlagobers natürlich!

 

++

anna, das sollten wir ausdrucken und an alle kaffeestuben der stadt verteilen. bin auch dafür, dass das alles beim integartionstest abgefragt wird!

 

dann musst du ins alt wien gehen. oder ins café kafka. die besten caféhäuser sind die superabgeranzten.

ja, ich werd das mal dem verein für wirtschaft und integration schicken. die sollen anleiern, dass das abgefragt wird! dass die wiener integrationsvereinbarung das noch immer nicht vorsieht, versteh ich eh nicht!

 

das "alt-wien" ist immer die erste adresse, vor allem wenn besuch aus der heimat da ist. die sind immer so begesitert von der wiener kaffehauskultur! alt wien, cafe central usw...dass sind orte, die jede in wien lebende person zumindest einmal im leben besucht haben sollte! das fördert das gefühl was es überhaupt heisst, in wien zu leben. das gehört dazu!

 

schließe mich dir an

 

in istanbul hab ich mal zwei tüürkische getrunken und shisha geraucht. danach man mich ins hotel schleppen müsen, weil meine knie wie butter waren. ich war voll high eh

iv.cucu.

 

in kombination wirkts wie ne droge

 

Melange und Cappuccino sind nicht dasselbe! Wikipedia sagt: "Die Melange oder auch Wiener Melange (von französisch mélanger 'mischen') ist eine Wiener Kaffeespezialität. Die Melange besteht aus einem Teil Espresso und einem Teil Milch, mit etwas Milchschaum garniert. Zur Herstellung wird ein leicht verlängerter Mokka in eine große Schale gelassen, anschließend wird mit heißer Milch bis ca. einen Zentimeter unter die Oberkante der Schale aufgefüllt, schließlich wird geschäumte Milch aufgegossen. Die Melange unterscheidet sich in vielen Punkten vom Cappuccino, so verwendet man zur Herstellung eines Cappuccino eine weit stärker geröstete Kaffeemischung sowie einen normallangen Mokka als Grundlage."

 

aber trotzdem wird das fast immer synonym verwendet. und das ist nur eine erklärungsart, ich habe sehr viele andere auch gelesen. also ich bin nicht hundertprozentig überzeugt *g*

 

Theorie und Praxis sind natürlich zwei verschiedene Dinge. :) Ich bin jetzt nicht so der Kaffee-Experte, aber ich habe den Eindruck, dass ein Cappuccino in Wien eine Melange mit Schokostreusel ist, und man kann statt Milchschaum auch Schlagobers drin haben. Aber wäre es ein und dasselbe, würde es nicht zweimal auf der Karte stehen (noch dazu mit unterschiedlichen Preisen).

 

is natürlich nicht dasselbe. aber anna ist keine echte wienerin, deshalb entschuldigen wir ihr diesen faux pas ;)

 

"Der Cappuccino ist mit Schlag, die Melange mit Milchschaum. Sag' das mal einem Italiener!"
Ich hab einen echten Italiener grfragt (Eissalon Fam. Bortlotti, Baumgasse im 3. - das beste Eis, das ich je gegessen hab). Er meinte: Cappuccino mit Milchschaum, Melange mit Schlag.

ich glaube ihm^^

 

und die ist eigentlich auch immer mit milchschaum. hmmmm. ein rätsel, diese kaffeesache!

 

immer einen Espresso/Mocca bestellen, das ist einfach nur Kaffee und aus. Ohne Klumpert dazu^^

(vor lauter Kaffeegerede mach ich mir jetzt einen, hab so gusta drauf)

 

cappuccino gibt es bei zanoni in der innenstadt. früher gab es in wien das "Nannini-Café"...boah da hats echt gut geschmeckt! aber bortolotti (hat zanoni das eis-machen gelehrt, nur so nebenbei) ist auch sehr gut. die brioches zum frühstück sind auch 100% italienischer art. kaufe ich mir oft vor der arbeit oder uni!

 

ob die Bortolottis im 3. etwas zu tun haben mit den Bortolottis, die auf der Hilfer verstreut sind?

weil offiziell heißen die im 3. "Eissalon Dolomiten", ich schätze wegen Rechtssituation

 

bortolotti-familie in wien gibt es nur eine. wahrscheinlich wollten sie dieses lokal im 3. nur anders benennen, weil "bortolotti" eigentlich nur auf der mariahlepstraße als name etabliert wurde! aber ich frage gleich nach, denn bei den iitaliener ist es so, "jeder weiß über jeden bescheid" ; )

 

mir darüber Bericht erstatten bitte! Danke :)

was ich über die im 3. weiß ist, dass sie eine Familie sind und jedes Jahr aufs neue zu uns kommen. Ich glaub aus Torino. Lauter Tanten und Cousins und Onkel, sehen sich alle irgendwie ähnlich :D

 

Cappuccino ist das gleiche wie Kapuziner von der Bedeutung der Namen her. Übrigens, es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen das gleiche und das selbe. (:

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