"Jedes Kind soll eine Fremdsprache beherrschen."

26. Mai 2014

 

Stadtrat für Bildung, Jugend und Sport Christan Oxonitsch über das Theresianum für alle, verteuerte Bäderkarten und die Konkurrenz zwischen Jugendzentren und religiösen Vereinen. 

 

An vielen Orten in der Stadt haben sich junge Menschen zusammengetan, um Hilfe für die Opfer der Katastrophe zu leisten. Stefan Dosic, den ich in einem Jugendzentrum in Favoriten kennengelernt habe, war einer der freiwilligen Helfer und Organisatoren. Komisch, dabei heißt es doch immer, Leute aus Jugendzentren seien Problemkinder und bringen nichts auf die Reihe. Warum hat die Jugendarbeit in Österreich so eine negative Ausstrahlung?

Die Wiener Jugendarbeit funktioniert ausgezeichnet. Das zeigt die Reaktion von vielen Delegationen aus dem Ausland, die nach Wien kommen. Die Jugendarbeit ist hier sehr vielfältig, was die Aktivitäten von „Back on Stage“, „WienXtra“ oder „Back Bone“ zeigen. Dass die Jugendarbeit als Reparaturmaßnahme bei Problem-Jugendlichen gesehen wird, ist nichts Neues. Das war schon in meiner Jugendzeit so. Da dachte man, im Jugendzentrum gebe es einen Eingang, Partyraum hinten und das war’s.

 

Wie viel Geld nimmt die Stadt Wien für Jugendarbeit in die Hand?

Wir sind bei rund 38 Millionen, die die Stadt Wien und die Bezirke in den Bereich der Jugendarbeit investieren. Die Bezirke mit der Parkbetreuung, die Stadt Wien mit WienXtra. Insgesamt arbeiten rund 1000 Menschen im Jugendbereich.

 

Weil wir vorhin von Favoriten gesprochen haben. Es ist kein Zufall, dass die zwei nach Syrien geflüchteten Mädchen aus dem zehnten Bezirk kommen. Dort leben sehr viele Menschen auf einem Fleck. Ein Grund, warum sehr viele Jugendliche auch in Moscheen und zu verschiedenen Vereinen gehen. Was machen die Jugendzentren, um neben dieser Konkurrenz zu bestehen?

Wir treten mit den Einrichtungen in den Dialog. Auf der anderen Seite machen wir den Jugendlichen klar, wo Gefahren liegen. Die Jugendarbeit hat keinen sozial-romantischen Zugang, sondern grenzt sich von jenen ab, die radikale Tendenz zeigen.  Vieles beruht auf Vorurteilen, man darf aber nicht davor die Augen verschließen, dass es in einzelnen Einrichtungen Probleme gibt.

 

Ich habe die Hauptschule besucht. In meiner Klasse war nur eine Österreicherin, die Sprache habe ich erst später in der HAK erlernt. Hauptschulen werden in der Stadt noch immer als Abstellgleis genutzt. Wie lässt sich dieser Missstand aufheben?

Es ist ein überholtes Schulmodell. Die frühe Trennung von Kindern im Alter von zehn Jahren führt zu einer Selektion, die auch die Perspektive und Berufswahl beeinflusst. Einzige Lösung ist die Gesamtschule. Alles andere sind kosmetische Maßnahmen. Solange es die Gesamtschule nicht gibt, ist für mich der einzige vernünftige Ansatz, SchülerInnen aus den kooperativen Mittelschulen (KMS) zu fördern.

 

Ab Herbst gibt es die Gratis-Nachhilfe. Für wen ist sie gedacht?

Sie ist für jene gedacht, die Gefahr laufen nicht zu einem ordentlichen Schulabschluss zu kommen. Wir konzentrieren uns auf den Bereich der Kernkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen und einer Fremdsprache - mit der Zielsetzung, dass jedes Kind eine Fremdsprache beherrschen soll.

 

Es wird also nicht so sein, dass ein Lehrer zusätzlich kommt und eine Person unterrichtet?

Nein, es sind Förderklassen mit Gruppen zwischen acht und zwölf Kindern. Und die bekommen in den Bereichen Förderungen, in denen die Schule Probleme ortet.

 

Wer entscheidet darüber,  der Klassenvorstand?

Nein, der Fachlehrer. Es ist ein Angebot, damit man nicht gezwungen ist teure Privat-Nachhilfe zu nehmen.

 

Also Theresianum für alle?

Theresianum nicht. Aber ich könnte mich mit dem Begriff „AHS für alle“ anfreunden - in einer ganztägigen Form.

 

Wie erklären Sie Freibad-Liebhabern die preisliche Erhöhung?

Die einzelnen Karten sind teurer, aber die Monatskarten dafür günstiger. Wir haben da nach dem Prinzip der Wiener-Linien gearbeitet. Das verkürzt die Wartezeiten, wenn es Gedränge an der Kassa gibt. Die Jahreskarte ist sogar um 100 Euro billiger als vorher, und ist ein Bonus für unsere treuen StammkundInnen. Außerdem muss man dazusagen, dass die Stadt für den Betrieb der Bäder jährlich über 40 Millionen Euro beisteuert. Von Gewinnen sind wir hier also weit entfernt.

 

 

 

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