„Kosovo und Serbien verdienen eine EU-Perspektive.“

16. Februar 2021

Der EU-Politiker und Herausgeber des Buches „Kosovo and the EU – state of play“ Lukas Mandl über den Wahlausgang im Kosovo, die Zukunft des jungen Staates und warum ausgerechnet Bundeskanzler Sebastian Kurz das Vorwort zum Buch schrieb.


biber: Herr Mandl, warum bringen Sie ein Buch heraus, das sich um den Kosovo dreht?
Lukas Mandl: Der Westbalkan ist nicht nur ein parlamentarischer Arbeitsschwerpunkt für mich. Auch persönlich faszinieren mich die Region und die Menschen. Der Kosovo war quasi meine erste Liebe am Westbalkan.

Die linke Bewegung hat die Wahl klar für sich entschieden. Was bedeutet das für den Annäherungsprozess Kosovos zur EU?

Ich danke Avdullah Hoti für seine seriöse Arbeit als Regierungschef. Ich gratuliere Albin Kurti und Vjosa Osmani zu ihrem großen Wahlerfolg. Ihnen kommt jetzt eine große Verantwortung zu. Ich erwarte tiefgreifende und schnelle Reformen, besonders im Bereich der Rechtsstaatlichkeit. Die sind für Investitionen, Arbeitsplätze und auch die EU-Annäherung entscheidend. Diese Erwartung ist der Anspruch, den jede kosovarische Regierung erfüllen muss. Da geht es nicht um Parteipolitik. Die Bürgerinnen und Bürger des Kosovo verdienen Reformen nach innen und auch ein starkes Kosovo-Image auf der Welt, inklusive eines Abschlusses des Kosovo-Serbien Dialogs mit Herz und Hirn. Hier ist auch Serbien sehr gefordert. Und die EU muss ihre Vermittlungsrolle ernst nehmen, die längst versprochene Visaliberalisierung umsetzen und alle weiteren Schritte zur Verwirklichung der europäischen Identität der Kosovarinnen und Kosovaren in einer Zukunft als EU-Bürgerinnen und -Bürger setzen.

Auf längere Sicht gesehen - Wird Kosovo wieder ein Teil Serbiens werden oder ein Teil der EU?
Der Kosovo wird ein Teil der EU. Und Serbien wird auch ein Teil der EU. Das wird noch ein weiter Weg, aber daran arbeiten in der EU und am Westbalkan tagtäglich viele Menschen guten Willens mit Herz und Hirn. Und die Bürgerinnen und Bürger sind Europäerinnen und Europäer. Sie verdienen die EU-Perspektive.

Warum ist für die europäische und österreichische Politik der Kosovo so wichtig? Immerhin schreiben PolitikerInnen wie Lunacek, Busek, Sobotka etc. Gastbeiträge in Ihrem Buch.

Im gesamten Westbalkan und speziell im Kosovo entscheidet sich, ob die EU fähig wird, ihrem eigenen Anspruch gerecht zu werden, den „European Way Of Life“ allen Europäerinnen und Europäern zu ermöglichen und damit auch weltweit einen Beitrag für Freiheit, Frieden und Entwicklung zu leisten. Österreich ist durch viele menschliche Beziehungen und viele politische Kontakte dem Westbalkan seit Jahrzehnten eng verbunden, und umgekehrt. Dazu gehört auch viel wirtschaftlicher Austausch, der auf allen Seiten Chancen und Arbeitsplätze schafft.

Verstehen Sie den Ärger vieler Austro-Serben, die sich über die Sympathien Österreichs für den Kosovo aufregen?

Mandl, Kosovo, Serbien, EU

Ich kenne die historischen Wurzeln solcher Emotionen. Und die gibt es auf beiden Seiten. Aber ich bin für positive Emotionen, dass wir einander als Menschen positiv begegnen. Ich bin für ein Überwinden der Schatten der Vergangenheit auf allen Seiten, und dafür, dass wir die Gegenwart nützen, um an einer guten Zukunft zu bauen. Übrigens erlebe ich für Serbien genauso viel Sympathie Österreichs wie für den Kosovo. Es geht nicht um ein Entweder-Oder, sondern um ein Sowohl-Als-Auch. Es geht um ein Miteinander. Dazu lade ich alle ein.

Bundeskanzler Kurz hat das Vorwort geschrieben. Ist das der Promi, der die Verkaufszahlen steigern soll oder hat Kurz tatsächlich eine fundierte Meinung zum Kosovo und seiner Geschichte mit Serbien?

Das Buch wird nicht verkauft, sondern kann kostenlos bestellt werden. Sebastian Kurz hat nicht nur eine fundierte Meinung, sondern ist unter allen EU-Regierungschefs wohl jener, der sich am meisten für die Entwicklung aller sechs Staaten des Westbalkan einsetzt. Er führt die parteienübergreifende österreichische Tradition der Zusammenarbeit mit dem Westbalkan zu neuen Höhen.

 
Wir verlosen 3 Exemplare des Buches "Kosovo and the EU - state of play". Schreibe uns eine E-Mail mit dem Betreff "Kosovo" an redaktion@dasbiber.at! Die Gewinner werden schriftlich verständigt. 

 

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