Kunst auf Ruinen

13. Juli 2015

Ein burgenländischer StreetartKünstler erobert mit seinem Reh die Ruinen von Mostar. Geld verdient er keines, dafür die Herzen der Bewohner.

Von: Nour Khelifi

Streetart, Bamsy
Foto: Bamsy

Ich musste mal spätnachts eine Schablone anfertigen und wollte mit Bambi unterschreiben, war aber zu unfähig dazu“, sagt der Streetart-Künstler und lacht. Deshalb entstand vor vier Jahren Bambsy daraus, „als Anlehnung an Banksy“. Während die Namensgebung ein Unfall war, verbirgt sich hinter dem Reh eine traurige Geschichte. „Ich selbst wurde damals als Jugendlicher von meiner Familie verstoßen, deswegen fühle ich mit Straßenkindern mit“, sagt Bambsy nachdenklich, der im Burgendland geboren wurde. Seine neueste Herausforderung ist die Verschönerung der vom Bürgerkrieg zerstörten bosnisch-herzegowinischen Stadt Mostar. Dort lebt und arbeitet der Künstler seit Mai dieses Jahres.

 

BEFREIUNG VON DER ALTLAST

Das Prinzip, seine Kunst zu vermarkten, liest sich simpel. „Zahl‘ so viel du willst“. Der Reinerlös von gezeichneten Leinwänden kommt karitativen Zwecken zugute. Mal für Straßenkinder in Österreich oder Slumbewohner in Indonesien. Oder eben in der herzegowinischen Hauptstadt.Mostar ist für ihn die perfekte Stadt, um durch Kunst die Menschen wieder zueinander zu bringen, „die Stadt verdient es, von dieser traurigen Altlast befreit zu werden“. Wie die meisten anderen Streetart-Künstler, hat auch Bambsy mit Existenzängsten zu kämpfen. Er verkauft zwar seine Kunstwerke an gut situierte Kunden, spendet aber sogleich den Reinerlös für karitative Zwecke. Dieses Dilemma bereitet ihm Kopfzerbrechen: „Verdientes Geld aus meiner Kunst zu spenden, klingt sehr nobel, hat mir aber die Existenz unter den Füßen weggezogen“, erzählt der Künstler.

Streetart, Bamsy
Foto: Bamsy

STREETART IN MOSTAR

Während Robin (Name geändert) „Bambsy“ auf den Kriegsruinen zum Leben erweckt, bekommt er oft Besuch von Menschen, die ihm interessiert über die Schulter schauen und ihn zum Essen einladen. Die Ablehnung, die in Wien gegenüber Streetart herrscht, kennt er ihn Mostar nicht. „Die Bewohner der Stadt sind daran interessiert, kreative Leute nach Mostar zu holen. Es gibt genug Wände und Möglichkeiten, hier Streetart zu produzieren, nur tut es einfach niemand“, sagte uns eine Künstlerin vor Ort. Erst vor einer Woche malte Robin in einem baufälligen Haus, gegen- über von einem Gefängnis. Probleme gab es deswegen keine.

Streetart, Bamsy
Foto: Bamsy

NO POLITICS

Robin möchte der Stadt ein Bambsy-Werk hinterlassen. Auch die Situation in Gaza ist ihm ein Anliegen: „Ich musste mir schon anhören, dass ich ein Antisemit bin. Lächerlich.“ Sein jetziger Wunsch? „Mostar zu meinem Lebensmittelpunkt machen. Für mich ist es ein Traum hier zu sein und die Stadt lechzt nach Street Art. Mostar wird in paar Jahren zum Streetart-Mekka werden“, prophezeit er. Einziges Manko: „45 Grad im Sommer.“ 

Streetart, Bamsy
Foto: Bamsy

 

 

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