Land der Berge, Land der Täler, Land des Rassismus. Österreich und sein Nationalfeiertag.

27. Oktober 2007

Österreich ist ein schönes Land und vor allem ein lustiges. Alle Jahre wieder freue ich mich wie ein Schneekönig auf den Nationalfeiertag. Wenn im Kollektiv die Österreich-Fahne und die Patriotismuskeule geschwungen werden, kriege ich Lachkrämpfe – vor allem bei der Lektüre von Wolfgang Fellners Idee von Österreich im „Österreich“: da werden auf sechs Seiten die Schönheiten des Landes gepriesen und hoch gelobt, sodass man glauben könnte, es handelt sich hierbei um eine Werbeeinschaltung des österreichischen Tourismusbüros. Wir machen einen Streifzug über schneebedeckte Berge und fruchtbare Täler, kriegen möglicherweise feuchte Augen vor lauter „Mei scheeen!“ und lesen über eine aktuelle Gallup-Umfrage, die ermittelt hat, wie stolz die Österreicher auf ihr Land sind: „Wir sollten es gestehen: Wir alle (und nicht nur 76 Prozent der Österreicher – laut Umfrage) sind verliebt in unser Land!“ (Österreich, 26.10.2007, eine der 5000 Beilagen, S. 9) So jetzt reichts!!

 
Ja, ich mag Österreich. Ich esse gern Schweinsbraten und Martinigansl, ich mag den Wiener Dialekt und ich gehe gern wandern und Schi fahren in den wunderschönen Bergen. Und: es gibt genug Gründe, wieso ich auf dieses Land nicht stolz bin.
 
Hier ein kleiner Auszug meiner „Fuck You“-Liste:
Unlängst wollte ich mich gemütlich in der S-Bahn Station Ottakring auf eine Bank setzen, um auf meinen Zug zu warten. Ich bin aber lieber stehen geblieben, nachdem ich auf der Bank ein Riesen-Hakenkreuz entdeckt habe.
Ein Schlag in die Magengrube war folgendes Erlebnis unlängst in der U3: Drei schwer betrunkene Typen haben einen schwarzen Burschen beschimpft.. dieser hat dann wohlweißlich den Waggon verlassen, um gröberen Wickeln aus dem Weg zu gehen. Aber wie kommt der Mann eigentlich dazu? Frechheit!
 
Mehr Gründe finden sich sicher im ZARA-Report 2006 (Download). Mehr Infos auf www.zara.or.at

Kommentare

 

Liebe Karin! wo ich deinen Blog lese, kommen mir paar Erinnerungen hoch. Diese Geschichten kann dir so ziemlich jeder Ausländer erzählen. Die gehören zu der 0815-Story unseres Lebens. Als Kind - frisch migriert, der Sprache nicht all zu mächtig, versteht man aber das eine oder andere, S...Jugo, oder S...Türke. Davon kann ich auch berichten.

Letztens ging ich von der Uni nach Hause, und ein älterer österreichischer Herr fühlte sich durch spielende Kinder, einer etwas dunkleren Hautfarbe, gestört. Ich hörte von weiten, wie er Sch...-Tschuschn schimpfte. Nun? Was sind für ihn Tschuschn? Ich wollte ihm schon nachgehen und fragen, was dieser Begriff eigentlich bedeutet? Aber meine steigende Nervosität ließ nicht zu, dass ich mit der Person überhaupt ein Wort wechsle. Was solls! Was es heißt, war in dem Moment egal, weil ich wusste, wie er es meint. Einfach nur schlecht

Paar Tage zuvor, "kommts also öfters vor" - sind doch nur paar Tage verstrichen...stehe ich in einer vollen U6. Drei asiatische Frauen unterhalten sich friedlich auf ihrer Muttersprache. Daneben drei ziemlich angetrunkene österreichische junge Männer, mit starkem Wiener Dialekt, fühlten sich gelangweilt, und wollten sich einen "Spaß" aus einer fremden Herkunft machen. Der Eine schrie ganz laut richtung Frauen: "Eine Flühlingslolle bitte, und Leis dazu bitteeee! Hölst duuu? Ich, Flühlingslolle wollen bitteee?" So ging es ganze 3 Stationen weiter, bis die Frauen nicht ausgestiegen sind. Und während dessen, die ganze Zeit Gelächter unter den Männern. In mir stieg eine Aggression hoch, wo ich schon durch die U-Bahn schreien wollte: "Hoit di Goschn, du Penner!"

Nun ja! Gefüllte asiatische Restaurants finden wir vor, wo der österreichische Gaumen gern verwöhnt wird, weil die asiatische Küche uns ja allen so taugt. Wahrscheinlich diesem Idioten auch, wenn er schon weiß, wie er eine Frühlingsrolle bestellt. Dazu ist er sich nicht zu schade, von Asiaten bedient zu werden. Respekt? Das ist dann zu viel verlangt? Oder wie darf man das sonst verstehn?

Tja, dass die restlichen U-Bahnfahrgäste nichts sagten ist dann auch schlimm genug. Mangelnde Zivilcourage sollte man betonen. Und so geht das immer weiter. Es wird nichts gesagt. Es ist eine Schande. Nur, wer weiß, worauf man gefasst sein muss. Wie soll man sowas auch klären? Man geht am liebsten Idiotie aus dem Weg, vor allem, wenn vielleicht die Fäuste von Betrunkenen ins Spiel kommen. Da braucht man schon mehr Unterstützung aus einer Ubahn, um gegen "so etwas" anzukommen.

 

Tja, genau solche Situationen häufen sich leider... Aber heee Leute, wo bleibt denn die Zivilcourage??? Da passiert so was - und das ist keine Seltenheit - entweder in der U-Bahn oder im Bus oder einfach auf der Straße und was machen unsere "lieben" Mitmenschen? Genau! - NICHTS! Aber wehe so etwas passiert einem Österreicher, da kann es schon mal passieren, dass die Polizei in 2 Minuten an Ort und Stelle ist!

 

Liebe Eser!!
Zivilcourage ist was Wunderbares und es wäre wünschenswert, wenn mehr Menschen etwas Mut hätten.
In diesem konkreten Fall hat sich keiner eingemischt (auch ich nicht) - und das absolut zurecht. Wenn ich mich mit drei betrunkenen Typen anlege, dann schau ich anders aus - da hilft dann auch kein Selbstverteidigungskurs mehr!
Ich habe diesen Fall aber an ZARA geschickt und die dokumentieren ihn zumindest.

 

Liebe Eser!!
Zivilcourage ist was Wunderbares und es wäre wünschenswert, wenn mehr Menschen etwas Mut hätten.
In diesem konkreten Fall hat sich keiner eingemischt (auch ich nicht) - und das absolut zurecht. Wenn ich mich mit drei betrunkenen Typen anlege, dann schau ich anders aus - da hilft dann auch kein Selbstverteidigungskurs mehr!
Ich habe diesen Fall aber an ZARA geschickt und die dokumentieren ihn zumindest.

 

Liebe Karin,
mit meinem Kommentar habe ich sicherlich nicht angesprochen, denn um ehrlich zu sein, hätte ich mich auch nicht eingemischt, denn das würde sicherlich nicht gut ausgehen. Aber Fakt ist, dass - egal in welcher Situationen die Leute sich befinden - es nur Schaulustige gibt, die so tun als ob sie nichts gehört oder gesehen hätten, aber Hauptsache wissen wollen, wer wem eine reinhaut! Ich habe schon öfters erlebt, wie ÖsterreicherInnen Ausländer anschreien oder beschimpfen und das meistens weil er oder sie zu "ausländisch" ausgesehen hat...

 

Ja, leider erleben wir tagtäglich ähnliche Situationen und lassen stillschweigend das Geschehen über uns ergehen. Mal wird im Supermarkt bei der Kassa die auf das Fließband gestellte Ware der Dame mit dem Kopftuch von 3 Jugendlichen runtergeschubst, weil sie ja so lustig unterwegs sind und was zum Lachen brauchen, und mal wird ein junger Schwarzafrikaner bei der Kreuzung nur weil er die Fahrbahn 2 Sekunden früher bevor die Ampel für den Fußgänger grün leuchtet, betretet, von einem älteren Herrn mit der Bemerkung „sowas kennst net, hobts z’aus net gö“ beleidigt. Ich habe zwar damals nichts zu dem älteren Passanten gesagt, hätte aber gern gewußt, ob der Herr auch so reagiert hätte wenn dieser Junge ein blonder Typ mit heller Hautfarbe gewesen wäre.

 

Die Problematik ist immer die gleiche.

Angelerntes Verhalten ist, meiner Meinung nach, schwer zu überwinden, und um es tun zu können bedarf es einer großen Portion Mut und Selbstständigkeit. Von dem geistigen Vermögen und einer guten Erziehung ganz abgesehen bei politischen und sozialen Geschichten. Leider verfügen viele nicht über solches, egal welche Staatsangehörigkeit.

Zur Zivilcourage kann ich nur sagen, dass so etwas fast nicht vorhanden ist. Man beschützt lieber seinen Kopf, senkt seine Augen auf den Boden aus Scham und hofft, dass es schnell vorbei sein wird... traurig aber wahr...

 

"egal welche Staatsangehörigkeit" ist sicherlich sehr wichtig, um nicht in eine zu einseitige Betrachtungsweise bei dieser Problematik, die jeglichen
zwischenmenschlichen Respekt vermissen lässt, zu verfallen.

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