Monika Ivkic: Vom Bipa ins Biber

06. Juni 2008

Monika Ivkić ist der neue Shootingstar aus Ottakring (OTK). Bei Deutschland sucht den Superstar (DSDS) kam die Sängerin so weit wie noch keine Österreicherin. Die Bild-Zeitung hatte sie groß im Blatt, beim TV-Sender VIVA geht sie ein und aus. Nur heimische Medien interessieren sich gerade einmal ein bisschen für die frühere Bipa-Verkäuferin. Dafür hypen wir jetzt das talentierte Gastarbeiterkind aus Bosnien.

So weit wie sie ist noch keine Österreicherin gekommen. Aber kurz vor dem Finale ging Monika Ivkić die Luft aus. Sechs Mal triumphierte sie über ihre Gegner vor einem Millionenpublikum. Das waren weit mehr als jene 15 Minuten Ruhm, die Andy Warhol jedem in seinem Leben gönnt. Die Deutschen suchten einen Superstar und fanden die 18-jährige Monika aus Wien, ein Gastarbeiterkind aus Bosnien. Nur drei von dreißigtausend singenden Kandidaten kommen bei DSDS ins die letzte Runde. Moni wurde Vierte.

 

 



In der RTL-Lounge
Als Biber die Wienerin zum ersten Mal interviewt, ist sie noch gut im Rennen. Wir sind zu Gast bei DSDS in den Kölner Studios von RTL. Riesig sind die, ein paar Tausend Zuschauer passen da rein, und dreißig oder mehr Fernsehkameras. In der Presse-Lounge treffen wir die Kollegen von der Bild, von der Kölner Rundschau, von was-weiß-ich-wo, und warten auf die Show. Dass wir vom Biber aus Wien sind, scheint die Kollegen mächtig zu beeindrucken. Denn sie versuchen, was jeder Deutsche tunlichst unterlassen soll: Ihren „Weana Schmee“ auszupacken. Zum Glück beginnt die Show, bevor mir die wohlwollenden Gesten ausgehen.

Monika und der fesche Collins
Diesmal schafft es Monika, sie wird nicht rausgeschmissen, offenbar gefiel ihre Performance den deutschen Zuschauern. Für die Kandidaten ist der Abend noch nicht vorbei. Geduldig müssen sie den Medien lauschen und auf jede noch so blöde Frage antworten. Wie das jetzt sei mit Monika und dem feschen Collins, wo der doch Frau und Kind hat. „Alles Blödsinn, wir verstehen uns einfach nur gut", sagt Monika.
Dass die Zeitungen und Magazine ihr trotzdem eine Affäre andichten werden, ist wohl der Preis für diese Öffentlichkeit, denkt sich Monika. Die Wahrheit, dass es da einen gibt, der sie interessiert, aber wie in jeder Beziehung muss sich erst was entwickeln, diese Wahrheit interessiert nicht, sie gibt nichts her für die Schlagzeilen.
Was soll’s, denkt sich Monika, im Showbusiness sind alle Storys hilfreich, auch die schlechten. Und überhaupt: Welche 18-Jährige kann sonst noch von sich behaupten, Cover-Geschichte der Bild (oder vom Biber) zu sein.

Zwei Wiener Mädels
Doch wer in Deutschland den Sprung zum Shootingstar schafft, muss offenbar darum kämpfen, in Österreich überhaupt wahrgenommen zu werden. Das Biber-Gespräch in Köln mit Monika Ivkić ist nicht das erste eines österreichischen Mediums dort. Es ist das einzige. Kein einziges Austro-Medium hat es sonst für wert befunden, jemanden zu DSDS zu schicken. Selbst Monika packt es nicht: „Biber ist extra wegen mir nach Köln gekommen?“
Wir verstehen uns auf Anhieb, vielleicht ist’s die Sprache, vielleicht, weil ich wie Monika einfach nur ein Wiener Mädel bin. Das merken auch die deutschen Journalisten. Also tratschen Monika und ich eifrig in der RTL-Presse-Lounge und die Kollegen von Bild und Co. stehen genervt und eifersüchtig zugleich daneben, und müssen warten, bis sie endlich auch dran kommen.   

Superekelstar Bohlen
Nach dem Pressetermin – ich saß dabei die ganze Zeit neben Österreichs neuem Pop-Export – schleiche ich leise Richtung Ausgang, wo ein paar Ivkić-Fans warteten.
Und dann kommt Monika zu uns, im Schlepptau mit Emina Ivkić, ihrer Mutter.  
Emina kenne ich aus meinem Bürohaus in Wien, als, na ja, Hausmeisterin. Sie war es, die mich überhaupt auf die Idee brachte, doch was über ihre Tochter zu schreiben, die im fernen Köln bei dem Superekelstar Dieter Bohlen, grad’ ihre Karriere startet. Emina erzählte mir immer von ihrer Tochter, wenn ich sie wieder einmal bei uns den Gang aufwischte. Unter anderem darüber, dass Monika bei Starmania in der Casting-Show scheiterte – ohne deshalb aufzugeben.
Na und dann sehen wir uns plötzlich in Köln, sie wusste nicht, dass ich angereist war. Sie ist wie von den Socken, drückt mich herzlich und stellt mir die anderen Fans vor – alles Ivkics aus Wien. „Gemma was essen und was trinken?"


In der Tanke von Köln
Köln ist eine schöne Stadt mit tollen Lokalen und einem lieblichen Nachtleben. Der Ivkić-Fanclub zog es aber vor, bei einer „Tanke“ (Tankstelle) einzukehren, bei Bockwurst und Kölsch. Monika war nicht nach fremden Menschen, nicht nach Glamour und Posing. Zugegeben, so ein Abend musste erst mal verkraftet werden. Die Tausenden Lichter, die tosende Musik, der tobende Saal, die Kameras, die jede noch so kleine Regung für die Millionen Zuseher einfing. Die wie immer miese, niederträchtige, gemeine und verletzende Kritik von Bohlen, der das für einen großen Spaß hält, für Showbusiness, für ein lukratives Geschäft. Unsere Abend-Location, dieses Tankstellencafé, wo wir bis drei Uhr früh beisammen saßen, und Monika ihre Eindrücke verarbeiten konnte, es hätte nicht passender sein können.

Von Gradacac nach Wien
Monika Ivkić, beinahe Pop-Superstar, kam am 6. Juni 1989 in Gradacac, in Bosnien, zur Welt. Sie erlebte, was die meisten nur von den Großeltern erzählt bekommen haben: Den Krieg. Familie Ivkić musste aus dem zerfallenden Jugoslawien fliehen, sie schafften es in den für so viele sicheren Hafen Wien. Sie wuchs hier auf, ging in der Hietzinger Maigasse zur HAK, hatte dort kaum Freunde, aber lebte immer das Wissen, einmal groß rauszukommen. Zwischendurch jobbt Monika bei der Drogeriekette Bipa. Nur wenige wissen, was ihr mit der großen Anna Netrebko oder Elina Garanca gemein ist: Als älteste von vier Kindern griff sie ihrer Mutter immer unter die Arme, sie kocht, putzt, wäscht. Und singt dabei fröhlich.  

Beim Hausmeister läuten
Als wir Monika in Wien für das Biber-Fotoshooting abholen, stehen wir vor ihrem Haus in der Ottakringer Straße, etwa auf Höhe der Brauerei. Der Name Ivkić steht da an keiner Glocke geschrieben. Star-Allüren, um nicht belästigt zu werden? Ich rufe an. „Wo soll ich läuten?" – „Na da, wo Hausbesorger steht", schallt es mir lachend entgegen. Sie öffnet die Tür im Erdgeschoß, kommt mir mit strahlendem Gesicht entgegen, busselt mich ab.
In dem Moment steigt Mutter Emina aus dem Aufzug, mit Besen und Putzeimer bewaffnet, und begrüßt mich ebenfalls herzlich, wenn auch ein wenig erschöpfter als ihre Tochter. Während ich in der Küche warte, mit Blick auf den Hof, wo die Mülleimer stehen, macht sich Monika hübsch.

Sie will singen, singen, singen
Keine Frage, dieses Girls sieht verdammt gut aus, hat Stil, sehr fotogen, spielt mit der Kamera, mit dem Fußball, hat viel „biber" (scharf). Wie Ceca, oder Mariah Carey. Oder Beyonce, ihr großes Vorbild, die muss man einfach gut finden. Wie beschließen, gemeinsam Beyonce in Wien zu sehen, sollte die mal vorbeikommen. Süß, ihre Sprechstimme hat bei Weitem nicht die Wucht ihrer Singstimme. Etwas schüchtern, zurückhaltend, wie von einer Achtzehnjährigen.
Monika weiß, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt. Sie will singen, singen, singen. Ohne irgendwelche Vorgaben von Bohlen oder sonst wem. Sie hat sogar schon ein Filmangebot, eine Hauptrolle, mehr darf sie nicht verraten. Superstargeheimnis und so. Für VIVA hat sie gerade erst auch beim Comet-Preis mitmoderiert. Und bei der EM-Eröffnung wird sie auch dabei sein. Aber eigentlich will sie singen. Seit drei Jahren, seitdem sie fünfzehn ist, verfolgt sie ihren Traum. DSDS, ach, das wäre auch nur eine von vielen Aufstiegshilfen, wenn die Leute einen vergessen, verglüht man schneller als eine Sternschnuppe. Deswegen will sie gleich in Deutschland Fuß fassen. Der Markt ist einfach zehn Mal größer, bei DSDS haben um ein vielfaches mehr Menschen „zugeguckt" als bei Starmania. Und wenn man mal dort drüben ein Star ist, erobert man die österreichischen Herzen im vorbeigehen, quasi.

Sex mit oder ohne Gefühl
Ja, verdammt, und dann war da die letzte Sendung von „Deutschland sucht den Superstar“. Also Monikas letzte Sendung, sie fliegt, ist undankbare Vierte. Ihr Song sei „Dildo-mäßig gewesen. Technisch gut, aber ohne Gefühl“, meinte Juror Dieter Bohlen.“
Und dabei kennt er sich sicher gut aus.

http://www.myspace.com/monikaivkic

 

 

von Suzan Aytekin-Alavi, Bernhard Gaul und Igor Minić (Fotos)

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Kommentare

 

echt tolle fotos!
und tolles t-shirt!
es lebe die neue ausgabe...

mad:hias

 

dankesehr, freut mich das meine fotos so gut ankommen.

peace

 

Hast ein hübsches Geläuf , auch schöööön lang, Holz vor da Hütte und kan Fetzn am Kopf, Ich bin echter geborener Austrianer und liebe alle die bei uns sind und auch es so lieben wie wir leben. Ich habe mich fast 30 Jahre in der Welt herumgetrieben und bin seit einem Jahr wieder zu "Hause" , also ein Tschusch im eigenem Land. Hab aber trotzdem mei Gaudi!
Bussi Enzo

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