Occupy Küniglberg. Der ORF-Protest aus meiner Sicht.

18. Januar 2012

Das Leben ist zurzeit kein schönes für den armen Niko Pelinka. Über Nacht ist der 25-Jährige zum roten Tuch einer ganzen Berufszunft und der "Generation-Praktikum" geworden. Während der Mediennachwuchs Österreichs zum "Berufs-Praktikanten" ausgebildet wird, und schon dankbar sein muss, wenn er als pro Sendeminute bezahlter freier Mitarbeiter die Darmwände seiner Vorgesetzten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk entlang kriechen darf, wird für den selbsternannten "Lobbyisten und Medienfunktionär" Pelinka-Junior ein neuer Posten geschaffen, der auch noch überaus fürstlich entlohnt wird.
Wie kann soetwas sein? Und vor allem- was in aller Welt ist ein "Büroleiter"? Hier ein Erklärungversuch.

Grundsatzproblem: Verhaberung

Österreich ist ein kleines Land. Das wissen wir schon, und diese Information ist wahrlich nichts neues. Und dennoch ist genau diese Information sehr wesentlich, wenn man begreifen will wie das Mediensystem hierzulande funkioniert und vor allem warum die lieben ORF-Journalisten langsam genug davon haben. Auf den 83.878,99 Quadratkilometern unserer beschaulichen Bundesrepublik scheint jeder jeden zu kennen. Vor allem im dreckigsten Geschäft der Welt- der lieben Politik. Jeder trinkt mit jedem ein Achterl Rot und jeder geht mit jedem gerne auf ein Selchschnitzerl´zum Heurigen. So läuft das. Schon immer. Warum sollte es also auf einmal anders sein? Das ein SPÖ-Funktionär zur rechten Hand des Rundfunk- Generaldirektors wird, sollte da wohl niemandem mehr berühren.  Und darin liegt ein gewisses Fünkchen Wahrheit: Es ist ein offenes Geheimnis das Posten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk schon immer über die sogenannte in Österreich erfundene und zur Perfektion betriebene "Freunderlwirtschaft" vergeben werden. Nicht selten hört man den folgenden Spruch "Wüst ana wern, muast es richtige Parteibiachl homn." Und das sagt längst nicht der Otto-Normal-Günther vor dem Fernsehapparat. Dieser "Tipp" kommt von sogenannten "Medien-und Meinungsmachern" im Land. Ja sogar in besagtem Betrieb selbst fällt diese launige Wiener Meldung hinter vorgehaltener Hand. Fazit: Den Leuten reicht genau dieser Umstand. Einerseits werden die Redaktionen  finanziell ausgehungert und den Journalisten Stunden und Verträge gekürzt, andererseits sitzen Politprotegés auf Top-Positionen und verdienen das dreifache Jahresgehalt eines freien Mitarbeiters. Nach Jahren der Verhaberung, gibts jetzt Protest.

Philosophie: "Es sollen nicht die Besten, sondern die Richtigen spielen."

Die ORF-Philiosophie scheint jener des ehemaligen Fußball-Nationalcheftrainers Peter Hickersberger zu gleichen. Dieser sagte einst vor der EM 2008 : "Nicht die Besten, sondern die Richtigen müssen spielen." Und genauso funktioniert das nun seit über 60 Jahren im ORF. Die Richtigen sind diejenigen die in das politische Konzept passen. Die Besten? Ja, die Besten schlittern ins Burn-Out oder wandern zum Privatfernsehen ab. Wer lässt sich schon ein paar Euros pro Beitragsminute bezahlen, wenn er ein fixes Anstellungsgehalt genießen kann? Da kriecht man lieber der Werbewirtschaft ins Popöchen als den breitgefutterten Politik-Affen. So sieht es aus. Aber diesen Umstand versucht man natürlich wie gewohnt auf dem verschlafenen Küniglberg zu kaschieren.


Büroleiter=Chefsekretarica?

Eine spannende Frage in Zusammenhang mit der alles beherrschenden Pelinka-Causa  ist die Frage danach, was denn ein "Büroleiter" überhaupt genau ist? Nimmt er dann alle wichtigen Anrufe entgegen, besorgt Monseniore Wrabetz seine Heidelbeermuffins und achtet darauf, dass er seiner Frau jeden Freitag Schwertlilien schickt ? Ist das sowas wie eine Chefsekretärin? Eine überaus gutbezahlte natürlich. Mir persönlich ist auch unklar wozu er denn sojemanden braucht, da er ja schon ein Tross an Sekretärinnen in seinem Vorraum hält. Aber bitte, es ist sicher sehr angebracht, in Zeiten in denen laufend Leute wegrationalisiert, junge neue Mitarbeiter nur mit lächerlichen "freien Verträgen" hingehalten werden, und Pensionierungsposten auch nicht mehr nachbesetzt werden, einen völlig neuen Posten  für einen Polit-Kasperl (der ja in dem Fall nur stellvertretend für so viele fehlbesetzte Polit-Kasperl in dem maroden ORF-Bunker steht) zu erfinden. Vielleicht gibts den ja bald im "Handbuch für über 100 Berufe", also bei Humboldt. Dann mach auch ich kleines Einwandererkind den Büroleiter 2.0 und hoffe auf die Gunst der SPÖ.

Zuerst kommt das Fressen, dann kommt die Moral

Der alte Spruch von Brecht, passt auch hier. Wie man sieht passen die Rahmenbedingungen für die ORF-Journalisten schon lange nicht mehr. Wie oben schon lang und breit erörtert. Insofern ist der Protest ein positives Zeichen, dass sich endlich etwas in den Menschen tut, dass man sich diese ekelhaften, vorprogrammierten politischen Abmachungen nicht mehr gefallen lassen will. Ob das ganze zur Bewegung wird- á la "Occupy Küniglberg"- bleibt abzuwarten.


 

Kommentare

 

deine Sicht gefällt mir :)

 

Super BIG LIKE ALEKS!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

danke, jungs. was raus muss, muss raus! :)

 

wie gil scott herom sagte "the revolution will not be televised" (zumindestens im orf)

 

Nico Pelinka wird nun doch nicht chefsekrtärin der chefsekretärinnen aber wohlgemerkt nicht weil er sich für diesen posten nicht geeignet sieht.

 

habs auch grad gelesen. sehr intersannte wahrnehmung hat der typ. ja ja das leben eines 25-jährigen kann echt hart sein :)

 

armes nikolein, armer alex...wird wohl doch keine lovestory aus den beiden. Nun ja, irgendein anderer kommt und machts mindestens genauso gut :)

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