RUSSENZONE!

01. Februar 2012

Im Wiener Berumdadreieck taucht die Sowjetunion wieder auf – im Club Balalaika, wo russische Ballerinas mit ukrainischen Bauarbeitern tanzen und „Boris von Wien“ die Lieder der versunkenen ­Heimat singt.

 


„SIE BETRETEN JETZT DAS GEBIET DER RUSSISCHEN Föderation. Bereiten Sie sich auf eine Zollkontrolle vor“, steht auf einem Schild neben der schweren Eisentür. Willkommen im Vereinsclub „Balalaika“, willkommen in der Wiener Russenzone. Wer nicht Russisch spricht und keinen Russen im Schlepptau hat, der tut sich schwer, die Zollkontrolle zu bestehen.

 

 

 

 

Im Séparée

Uns öffnet der Besitzer die Tür. Der Sänger und Nostalgiker mit dem Künstlername „Boris von Wien“ ist seit 1990 in Wien und hat das Vereinslokal zur „Förderung der russischen Musikkultur“ 2006 eröffnet. Er führt uns in den roten, schummrigen Clubraum, trällert einen alten russischen Hit und schüttelt Hände. Gibt es einen bekannten Russen in Wien, den er nicht kennt? Ihm fällt keiner ein. Die Wände sind zugehängt mit Spiegeln, bunten Lämpchen und Postern von russischen Pop-Ikonen. Die neuesten russischen Schlager dröhnen aus den Lautsprechern. Zwei blonde Frauen in High Heels shaken dazu, um sie herum tanzen Männer aus Aserbaidschan einen Volkstanz: sie stampfen mit dem Füßen auf und schlagen kraftvoll mit den Armen aus.

In einer gemütlichen Sitznische hat sich der „Ballett-Stammtisch“ eingenistet. Das Séparée ist immer für diese ehrenwerte Runde reserviert, heißt es auf einer Plakette. Marat Davletschin, ein Tänzer der Wiener Staatsoper, feiert seinen 31. Geburtstag. „Das Balalaika ist einzigartig in Wien, es ist unser zweites Zuhause“, sagt Mihail Sosnovski, ein Solist der Wiener Staatsoper und Freund des Tänzers.

 

Hackler und Ballerina

„Bei mir sitzen ukrainische Bauarbeiter mit russischen Universitätsprofessoren an einem Tisch und stoßen aufeinander an“, erzählt Boris. „Jeder Russischsprachige und jeder, der es gerne werden möchte, ist willkommen, selbst wenn er aus China ist - außer, es handelt sich um Hooligans und Nationalisten.“ Sein Ziel: Den Angehörigen der ehemaligen Sowjetunion – von Russen über Ukrainer bis Weißrussen - einen „Ausflug in die alte, nicht mehr existierende Heimat“ zu gewähren. Damit es mehr zu feiern gibt, steppt der russische Bär im Balalaika nicht nur an den russischen, sondern auch an den sowjetischen Feiertagen.

 

 

Vereinslokal „Balalaika“

1., Fischerstiege 1–7

Mitgliedschaftsvoraussetzungen:
Russisch sprechen oder lernen

 

 

Milena Borovska und Philipp Tomsich (Fotos)

 

 

 

Bereich: 

Kommentare

 

Auf jedenfall ein Unikat, der Boris. Hinschauen lohnt sich auch, natürlich nur wenn man reinkommt.

 

im Balalaika, zwar nur für eine Stunde, aber doch... schweren Herzens hat er uns reingelassen, der Boris, und dafür noch 15€ "Eintritt" verlangt. Russen hatten wir keinen im Schlepptau, dafür einen Esten, der russisch spricht :)

 

Ganz nett, ja - aber für Nicht-Russen wie mich zahlt sichs nicht ein zweites Mal dort aus. Und, für ein 5€ Zapfbier, auch nicht..

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