Sendungen über Schönheits-OPs und deren beschissene Wirkung

28. April 2015

 

Reality Shows liegen scheinbar im Trend, wo sich manch einer kaum sattsehen kann, was für schräge Typen auf dieser Welt herumlaufen. Als ob man sich ein Stück normaler vorkommen würde, wenn man Leuten zusieht, wie sie sich bloßstellen und das Peinlichste vom Peinlichsten bereit sind preiszugeben. Ein trauriges Kapitel dieses Trends sind für mich Sendungen über Schönheits-OPs, wo man auf einmal aus dem „hässlichen, fetten Entlein“ die Traumfrau zaubert. So blieb ich beim Durchzippen bei so einer Sendung stecken und musste schließlich danach eine ganze Weile darüber nachdenken, was für eine beschissene Wirkung das Ganze auf mich hatte.

Schönheits-OP's, Lippen, Beauty
Sandro Hyams / Camera Press / picturedesk.com

Schiefe Zähne und Tränen

Da waren also diese paar Frauen, einige davon mit schiefen Zähnen, Speckrollen, großer Nase und was sonst noch für Problemzonen der Onkel Doktor wegzaubern kann. In der Sendung werden all die Körperstellen gezeigt, die ein Grund für ihr mangelndes Selbstbewusstsein seien, für die sie sich schämen würden, weshalb sie sich eigentlich nicht nackt zeigen wollen. Und dann kommt so ein TV-Format und verspricht „pimp your body & soul“, aber dann bitte bis ins letzte Detail. Hängende Brüste in Großaufnahme, mit der Kamera auf die schiefen Zähne, danach eine weinende Frau, die ihr Glück kaum fassen kann. Am Ende der ganz große Auftritt mit der glücklichen Familie, die sie überwältigt in den Arm nimmt. Vor der Glotze all ihre Bekannten, Verwandten und unzählige TV-Zuschauer, die mehr von ihr sehen, als ihr lieb ist. Aber das ist der Preis.

In Bezug auf diese Frauen überkamen mich Gefühle von Mitleid, Bedauern, Ärger, aber auch Freude. Ja, ich weiß, wie sich Problemzonen anfühlen. Am liebsten würde man schließlich selbst ab und zu vor dem Strandspaziergang wie durch Zauberhand die Maße haben, die man auf dem Magazincover sieht. Es ist ein ständiger Kampf mit sich selbst, den Arsch zu heben, seinen Körper zu trimmen und „geil“ auszusehen. Tja, nicht jeder ist gesegnet mit der Disziplin, einer kleinen angeborenen Nase oder schönen Zähnen. Gefreut habe ich mich, dass sie mit Freudentränen über ihr neues Aussehen staunen können. Bemitleidet habe ich sie, weil sie es zu diesem Preis machen müssen und irgendwer von den Einschaltquoten profitiert, weil wir so sozialpornogeil sind. Aber sie haben es so gewollt.

Spatzi, Mausi, Bambi kriegen eh neue Titten

Geärgert habe ich mich über die Sendung selbst, weil es paar Frauen von vielen sind, die missbraucht werden, um Millionen anderen Frauen einen Traum zu verkaufen. Als ob man ohne einen perfekten Körper nicht so viel wert wäre. Dann grinst der Onkel Doktor dann auch noch in die Kamera und nennt den Preis für den Spaß. Immerhin 15.000 – 20.000 Euro. Da stellte ich mir glatt die Zuschauerin vor, die anfing darüber nachzudenken, wie viele Monatsgehälter draufgehen, ohne dass sie was isst oder die Miete zahlt. Die Realität schaut anders aus. Auch wenn diese TV-Fritzen mit ihren Schönheitsdocs die plastische Chirurgie bewerben. Spatzi, Mausi, Bambi kriegen eh neue Titten. Dann wird es noch welche geben, die sie dazu verleiten sich zu verschulden, weil sie von der Glotze auf ihre Speckrollen starren und sich denken, das Leben habe keinen Sinn mehr, ohne die Saugpumpe unter der Haut. Und dann bleiben noch zahlreiche armutsgefährdete Frauen zurück, denen sie das Gefühl vermitteln nicht schön genug für diese Welt zu sein, weil die Kohle dafür nie reichen wird.
Die Sendung ist wie das Zeigen eines neuen Porsches und man selbst fühlt sich wie das ewige Fahrrad, das dabei auch noch hässlich aussieht.
Was für eine Botschaft und ein TV-Format, das eher als Komplexschleudermaschine zu verstehen ist.

 

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