SERCAVAN - 8. Kurdische Filmtage (4.12-9.12)

03. Dezember 2014

Der kurdische Film will mehr als nur unterhalten. Er ist auch als ein Sprachrohr für die Ängste, den Kampf gegen Unterdrückung, die geographische und innerliche Zerrissenheit eines Volkes zu verstehen.  Wir haben die 8. Kurdischen Filmtage SERCAVAN zum Anlass genommen, um mit Jean Kepez darüber zu sprechen.

 

Jean Kepez, Kurde aus der Türkei, lebt seit mehr als 20 Jahren in Österreich. Ist im Verband der kurdischen Vereine bei FEYKOM im Vorstand tätig und ist einer der ehrenamtlichen Helfer, die sich alle zwei Jahre für das Zustandekommen der Filmtage SERCAVAN einsetzen.

 

SERCAVAN abseits von Hollywood-Megaproduktionen

 

Heuer geht SERCAVAN ins Stadtkino und ins Literaturhaus Kino Spittelberg.  Abseits von Hollywood-Megaproduktionen will man dem kurdischen Film auch dieses Jahr die Leinwänder bieten, die er ansonsten nur schwer im Ausland bekommt. Die Initiatoren zeigten bereits 1999 Weitblick und haben sich schon damals das Ziel gesetzt, kleinen Filmemachern aus allen kurdischen Gebieten eine Plattform außerhalb ihrer Grenzen zu bieten. Das ist ihnen auch gelungen. Die kurdischen Filmtage in Wien haben sich im deutschsprachig europäischen Raum etabliert und erfreut sich auch großer Beliebtheit bei den Filmemachern selbst. Jean Kepez kann jedenfalls nicht über Filmknappheit klagen. Es kommen immer wieder neue Einreichungen. Auch an neuen Produktionen mangelt es den kurdischen Filmtagen nicht. Dieses Jahr findet das Festival bereits zum 8. Mal statt und auch diesmal sollen fast ausschließlich neue Produktionen ab 2012 gezeigt werden, vor allem aber Filme, die zum ersten Mal in Österreich zu sehen sind.

 

Exzellentes Werkzeug, um ein Stück Geschichte, Kultur weiter zu tragen.

 

Eine weitere Besonderheit ist die Zusammensetzung der Filme. Wie eingangs beschrieben, hat der kurdische Film mehr als vielleicht andere Filme, die große Bürde das kulturelle Gut des kurdischen Volkes in die nächsten Generationen zu tragen. „Er ist ein exzellentes Werkzeug um die kurdische Kultur, die Sprache und auch die Geschichte zu transportieren. Es existiert wenig Schriftliches, daher ist die musikalische und die mündliche Übertragung oft die einzige Möglichkeit der Übertragung gewesen“, erzählt uns Jean Kepez. Das wiederum erklärt auch die mehrheitlich bedrückend melancholische und den politischen Charakter  der Filme. „Die meisten Filmemacher“, so Jean Kepez, „haben damit begonnen die eigene Geschichte aufzuarbeiten. Die Realität ist nun mal hart und traurig gewesen, daran führt kein Weg vorbei. Aber inzwischen widmen sich auch kurdische Filmemacher immer mehr anderen Themen zu.“

 

Mit Witz die eigene Geschichte aufarbeiten

 

Nichtsdestotrotz werden die diesjährigen Filmtage für den einen oder anderen Lacher sorgen. Ich freue mich hier besonders auf „My sweet pepper Land“. Der irakisch-kurdische Regisseur Hiner Saleem erzählt die Geschichte des ehemaligen Unabhängigkeitskämpfers Baran.  Mit viel Witz wird mit die Schwere Bürde des jahrelangen Kampfes mit einer erfrischenden Leichtigkeit bearbeitet. Ich bin gespannt, ob der Film seinen guten Kritik standhalten kann und freue mich auf die Aufführung am 06.12.2014 im Filmhaus Kino Spittelberg.

 

Vielfältiges Programm mit viel Inhalt

Die Festival-Besucher können sich jedenfalls auf ein sehr vielseitiges Programm freuen. Der kurdische Film ist reich an Perspektiven und speist aus der geographischen und kulturellen Vielfalt des kurdischen Gebietes. Jeder der Filmemacher unterscheidet sich, in dem er die Sichtweisen seiner Region in seinen Filmen auch adaptiert. Laut Kepez ist genau diese Beschaffenheit auch „der große Schatz des kurdischen Filmes.“ Der kleinste Nenner ist, dass sie mit den Filmen ein Stück Kultur für die nächsten Generationen festzuhalten versuchen.

 

Infos zu den Filmtagen: http://www.sercavan.at

Trailer zu "My sweet pepper land": https://www.youtube.com/watch?v=0Vi1ZJCKCCo

Blogkategorie: 

Das könnte dich auch interessieren

Andrija Perkovic
von Andrija Perkovic Copyright Andrija...
.
MEINUNG  Aleksandra Tulej  „Jetzt...
Baby, Babykolumne, Stillen
Aus dem Bauch heraus Von Jelena Pantić-...

Anmelden & Mitreden