Shadow Citizens

21. Oktober 2020

Zelimir Zilnik Shadow Citizen

 

Die Kunsthalle Wien MuseumsQuartier zeigt in Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum und der Viennale eine Ausstellung über den serbischen Filmemacher Želimir Žilnik. 

Die Ausstellung ‚Shadow Citizens‘ gibt einen Einblick in das Werk des 1942
in Novi Sad geborenen Regisseurs Želimir Žilnik. Seit seinen Anfängen in der jugoslawischen Amateurfilmszene hat er über 50 Filme und Fernsehproduktionen gedreht. Zu großer internationaler Bekanntheit verhalf ihm sein Langfilmdebüt „Frühe Werke“, das 1969 auf der Berlinale mit dem Goldenen Bahren ausgezeichnet wurde. Der Film handelt von einer Gruppe junger Studenten, die beflügelt von den 68er- Student*innenprotesten in Belgrad aufs Land fährt, um die dort lebenden Arbeiter und Bauern wachzurütteln. Žilnik bildet auf eine nüchterne, aber auch komische Art die Lebensrealitäten im Jugoslawien der 60er-Jahre ab und wehrt sich dagegen, einen sozialistischen Helden zu zelebrieren. Anfang der 70er-Jahre gab es deshalb zunehmend Widerstand und sogar Verbote der Filme der sogenannten „Schwarzen Welle“ (Crni Val) – dem Genre, in dem Žilnik zu verorten ist. Die Bezeichnung „Schwarze Welle“ entstand aus einem Versuch der Tito-Regierung Filme, die die jugoslawische Gesellschaft kritisch reflektierten, zu diffamieren. 

 

NEUAUFLAGE MIT BESONDEREM SCHWERPUNKT


Žilnik prognostizierte in seinem Filmschaffen reale Entwicklungen wie den Zerfall Jugoslawiens, den Übergang vom Sozialismus zu einer neoliberalen Ordnung und den Verlust von Arbeitnehmer*innenrechten auf prophetische Weise. Kuratiert ist die Ausstellung von WHW (What, How &for Whom/ WHW: Direktorinnen der Kunsthalle Wien: Sabina Sabolović, Nataša Ilić, Ivet Ćurlin), die im vergangenen Jahr die Leitung der Kunsthalle übernommen haben. 

Bei der Ausstellung handelt es sich um die Neuauflage einer 2018 entwickelten Schau, die in der Galeria Nova in Zagreb gezeigt wurde. Erweitert wird das Programm durch einen von Ana Janevski kuratierten Forschungsstrang über den sogenannten Amateur-Kinoklub, wo Žilnik sein Handwerk erlernt hatte. 

 

UMFANGREICHE SCHAU DES ŒUVRES


Der Titel „Shadow Citizens“ soll Žilniks jahrzehntelange Bemühung widerspiegeln, den Blick auf unsichtbare, unterdrückte, und unterrepräsentierte Teile der Gesellschaft zu lenken. Das ausgedehnte Filmprogramm wird vor Ort sowohl in der Kunsthalle Wien MuseumsQuartier, als auch im Rahmen der Viennale (22. Oktober – 1. November), und im Programm des Österreichischen Filmmuseums (Jänner 2021) gezeigt. Vom Frühwerk bis hin zu den weniger bekannten Fernsehproduktionen aus den 80er Jahren und dem jüngsten Langfilm „The Most Beautiful Country in The World“ (2018) ist alles dabei. 

 

SHADOW CITIZENS ZU SEHEN AB 24. OKTOBER IN DER KUNSTHALLE WIEN MUSEUMSQUARTIER. 

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