Summer School: Wir Kinder vom Hauptbahnhof Wien?

20. Juli 2022

von Anonym

Teenager sein und am Wochenende Drogen nehmen. Das war und wird meiner Meinung nach für immer als „cool“ angesehen werden. Aber ist das wirklich so cool?  Manche bleiben bei Alkohol, Nikotin und Cannabis, manche gehen weiter. Stadtpark, Karlsplatz und das Flex. Der Hotspot der Wiener „Emos“. Gekennzeichnet durch Eyeliner, Tattoos und abgefuckte Kleidung. Ich kenne teilweise 14-jährige Mädels, die einen Heroin Entzug hinter sich hatten und auch welche die an der Droge gestorben sind. „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ war also kein traumatisierender abschreckender Film, sondern wie jede versuchte Schutzmaßnahme für junge Menschen, möglichst von Drogen fernzubleiben, ein weiterer Schritt der Glorifizierung von edgy sein, und sich nach einem harten Tag zu betäuben. Ich hatte genau eine positive Erfahrung mit Erwachsenen, die versuchen über Drogen aufzuklären. Ein Mitglied von Verein Dialog, einem österreichischen suchtpräventionsverein, hat bei uns in der schule einen Workshop gehalten. Bei dem Workshop haben sie den Jugendlichen nicht vermittelt, das Drogen böse und schlecht sind, sondern haben die einzelnen Substanzen vorgestellt, haben aufgeklärt was man in Folge einer Überdosis macht und wie man Sucht erkennt. Unserer Gesellschaft fehlt das Mitgefühl und die Akzeptanz, das Drogenkonsum nicht einfach so ausgelöscht werden kann. Die meisten Jugendlichen die ich kenne welche Drogen konsumieren (ob mit oder ohne Suchtverhalten) haben psychische Probleme und sind teils nicht in adäquater Behandlung. Niemand von denen weiß, dass ein weiblicher Körper mit 60kg maximal 75mg MDMA zu sich nehmen sollte da sonst das Risiko der Überdosis zu groß ist, dass es vorkommt das in Extacy Tabletten Meth drinnen ist, das synthetische Cannabinoide welche auch manchmal in als „normales Ott“ verkauftem Cannabis enthalten sind, zum Herzstillstand oder Koma führen können und das Flubromazolam (ein neues Benzodiazepin) zu Amnesie führen kann. Es gibt in Wien glücklicherweise Optionen, Drogen vor oder nach Konsum relativ anonym auf ihre Inhaltsstoffe prüfen zu lassen. Leider weiß ich, dass das Angebot von vielen Jugendlichen nicht genutzt wird, da Angst besteht, dass nach Abgabe von der Substanz die Polizei alarmiert wird und da die meisten minderjährig sind dann ihre Eltern eingeschaltet werden. Der Altersdurchschnitt der Drogenszene in Wien wird immer und immer niedriger, auch eine Sache die mich sehr beunruhigt. Die jüngste Person die ich kenne, die ab und zu Speed konsumiert, ist 11. Ich schiebe diese Welle auch auf die Corona Pandemie, das ständige zuhause sein und nichts machen fühlt vielleicht irgendwann zu einem Kollaps. Ich wünsche allen Jugendlichen, das sie nicht picken bleiben und sich ausgiebig informieren bevor sie Drogen zu sich nehmen. Ich hoffe, dass meine Freunde auch irgendwann auf die Idee kommen, das ihr Lebensstil ihnen große Probleme verursacht.

Die Autorin ist 14, geht zur Schule und möchte anonym bleiben.

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