Tüten beim Döner-Stand

24. Oktober 2007

Ein kurzer Spaziergang in der Wiener Innenstadt, immer wieder dringen italienische, spanische, arabische, französische und englische Sprachfetzen durch. Alles voll von Touristen und internationalen Businessleuten. Nur am Döner-Stand im ersten Bezirk wird noch auf das wirkliche (österreichische) Deutsch Wert gelegt.

„Geben Sie mir doch noch eine Tüte zum Döner“, bittet der deutsche Kunde den Verkäufer.
Der versteht kein Wort: „Was?“
„Eine Tüte bitte, für mein Döner.“
Verständnislosigkeit. „Was wollen Sie?“, fragt der gebürtige Syrer noch einmal, mit leichtem Akzent, aber in perfektem Deutsch. Schließlich ist er ja lange genug in Österreich.

Verfahrene Situation. Die Warteschlange wird größer. Der Geschäftsinhaber ungeduldig, der Deutsche ist hilflos. Ich versuche zwischen den beiden zu vermitteln: „Der Herr möchte ein Sackerl haben.“

Erleichterung beim deutschen Kunden, Verwunderung beim Döner-Verkäufer: „Kann er nicht Deutsch mit mir sprechen?“

Simone

Kommentare

 

Ich arbeite seit 4 Wochen in Nordeutschland. *Täglich* werde ich nicht verstanden: Sackerl, Germ, Jänner, "geht sich nicht aus", "geht Ihnen was ab?", ..... Zwischen Hysterie, Unglauben und völliger Verständnislosigkeit sind die Reaktionen auf solche Ausdrücke.
Das blöde dran: Wir glauben immer, wir reden eh alle Deutsch. Aber unsere Varietäten unterscheiden sich in völlig alltäglichen Begriffen: Oft weiß ich nicht einmal, welcher Teil meines Satz hier unverständlich war. Deutsch ist halt wunderschön plurizentrisch.

 

das ist super! :)))
ja sollten sie unbedingt einführen, den döner kann man ohne "tüte" eh schwer essen :)))
fazit: was für einen ein sackerl ist, ist für den anderen eine tüte...;)
“Be the change you want to see in the world.”

 

Mein Cousin war auch nicht wenig verwundert wie ich damals seinen Nachbarn in Frankfurt mit "Grüß Gott" begrüßt habe :-))

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