Tanz, Atom, tanz!

17. Oktober 2017

Selbermacher: Klemens Senn und Philipp Wissgott sind bekennende Nerds. Ihre App „Waltzing Atoms“ soll das unbeliebte Fach „Chemie“ aufspicen und gleichzeitig budgetschonend für die Schulen sein. Darunter muss manchmal das Urlaubsgeld leiden.

Foto: Christoph Liebentritt
Foto: Christoph Liebentritt

von Amar Rajković und Christoph Liebentritt (Foto)

„Welt verändern“ und „Zuckerberg oder Elon Musk.“ – Wenn Philipp Wissgott zu den Beweggründen seiner Geschäftsidee gefragt wird, leuchten seine Augen auf und die Erzählung erreicht schnell eine globale Ebene. In dem Büro der von Wissgott und Klemens Senn gegründeten Firma „Waltzing Atoms“ deutet wenig auf die Welteroberung hin. Ob wir hier tatsächlich mehr über Chemie erfahren und die nächsten Zuckerbergs kennenlernen?

Fancy stuff

Die Geschäftsidee: Direkt auf ihren Smartphones lösen Schüler chemische Aufgaben. Die Lehrer können einzeln auf die Schüler eingehen und die Schulen haben keine Anschaffungskosten, weil Smartphones mittlerweile zur Standardausrüstung der Millennials gehören. Vor allem die 90% im Unterricht, die kein Interesse an Chemie haben, sollen abgeholt und begeistert werden. Kritische Stimmen gibt es vereinzelt, aber die hat es in den 90er Jahren vor der Einführung des Taschenrechners im Unterricht auch gegeben, wie Wissgott betont.

Kennengelernt haben sich die beiden bekennenden Nerds im Unternehmen, für das sie zuletzt gearbeitet haben. Dort hatten sie zwar ein fixes Gehalt, fünf Urlaubswochen und keine Existenzängste, so richtig herausgefordert haben sie sich nicht gefühlt. „Für mich kam die Zeit etwas Neues auszuprobieren, nachdem ich auf der Uni eine wissenschaftliche Karriere eingeschlagen hatte und in der Arbeit nicht gefordert wurde“, erinnert sich Wissgott, der kreative Part des Zweiergespanns. Klemens Senn, ein gebürtiger Tiroler, ist das Gegenstück. Pünktlich, penibel, als erster im Büro und als letzter wieder raus. Bei all den Unterschieden waren sie sich in einer Sache einig: „Der Reiz an einem Problem zu arbeiten, zu forschen und eine Lösung zu finden. Und das was wir mit der App verwirklicht haben, ist technologisch geil, fancy stuff und einzigartig in der Welt“, schwärmt die Kreativinstanz Wissgott.

Walzer statt Tango

Die Waltzing-Atoms-App kommt mittlerweile in über 350 Schulen – von Volksschule über NMS bis zur Handelsakademie - österreichweit zur Anwendung. Der Name bezieht sich auf die Atome, die im Falle der richtigen Lösung zu tanzen beginnen. Warum die kleinen Freunde nicht Samba oder Tango tanzen, liegt am Sitz der Firma, erklärt uns Senn. „Der Walzer gehört zu Wien, genauso wie unser Unternehmen.“ Sowohl Senn als auch Wissgott betonen mehrfach während unseres Gesprächs die Bedeutung des Standorts und die Heimeligkeit der Szene: „Hier ist es sehr gemütlich, die Menschen helfen einander, Konkurrenz nimmt man kaum wahr“, so Senn und „die Tatsache, dass die Menschen in der Stadt leben wollen und nicht weiterziehen, macht den Standort attraktiv“, schließt Wissgott das Loblied auf Wien und seine Start-Up-Szene ab.

Elon Musk und Sheldon Cooper

Bevor wir die App ausprobieren können, um uns selbst ein Bild zu machen, fragen wir die beiden Partner nach ihrer Außendarstellung als Nerds und ob sie ein Problem damit hätten. „Seit Big Bang Theory und dem autistischen Sheldon Cooper hat die Physik und Chemie einen Popularitätssprung gemacht“, erläutert Wissgott. Die Nerds sind keine Außenseiter mehr, mit denen niemand im Schulhof sprechen möchte, sondern genießen das Image von Popstars – Marc Zuckerberg, Elon Musk und der österreichische Start-Up-Prinz Florian Gschwandtner (Runtastic) lassen grüßen. Wissgott und Senn, die anfangs oft auf ihr Urlaubsgeld verzichteten, blicken mit Genugtuung zurück: „Unser Privatleben ist besser geworden, weil wir nicht mehr mit schlechter Laune nach Hause kommen“ und die Entscheidung selbständig zu werden, haben die beiden Berufsnerds nicht bereut, denn sie wussten: „Wenn nicht jetzt, dann nie.“

 

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Die Selbermacher-Serie ist eine redaktionelle Kooperation von das Biber mit der Wirtschaftskammer Wien. 

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