Türke on the road

09. Juni 2015

Er arbeitet, während er reist und reist, während er arbeitet. Der Türke Cagri Cankaya war drei Jahre lang mit seinem Projekt „Designer on the road“ in der ganzen Welt unterwegs – um zu arbeiten, zu reisen und sich selbst kennenzulernen. Seine Erfahrung teilt er gerne mit biber.

Von Lidiia Akryshora

Cagri Cankaya kommt aus Bursa, eine Stadt, die zwei Stunden von Istanbul entfernt ist. Bis zu seinem 27. Geburtstag war er ein normaler junger Mann aus einer normalen Familie mit einem normalen Leben. Sein Projekt „Designer on the road“ hat 2012 alles verändert. Es ist die Geschichte eines Mannes, der an sich selbst und seine Idee geglaubt und andere damit inspiriert hat.

„Als ich ein Kind war, wollte ich jede einzelne Straße entdecken. Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter mir immer von der Haustür aus zurief, dass ich dorthin oder dorthin nicht gehen sollte”, erzählt mir 31-Jähriger von seiner Abenteuerlust. Neben dem Reisen besitzt er allerdings noch eine weitere Leidenschaft, die sich auch früh äußerte und die er später zu seinem Beruf, dem Grafikdesign, machte. „Es gab damals in der Türkei keine moderne Fahrkarten, sondern einfache Tickets, die auf sehr billigem Papier gedrückt werden. Ich habe dieses Papier gefunden, denselben Entwurf gemacht und Ticket selbst gedruckt“. Nun konnte er überall in der Stadt herumreisen.

Designer on the road Tirana reisen travel
Foto: zur Verfügung gestellt von Cagri Cankaya

Innovation durch Unzufriedenheit

Cagri hat als Designer in Istanbul gearbeitet. Aber er war unglücklich damit, da es sehr wenig um Kreativität ging. Die Enttäuschung brachte ihn zur Idee, dass er in anderen Ländern arbeiten könnte, wo sein kreatives Wissen nützlich wäre, daneben hätte er auch die Möglichkeit zu reisen.  

Doch zunächst war Cagri unsicher. Ein Freund motivierte ihn schließlich: „Du musst alles stehen und liegen lassen und sofort anzufangen, diese Idee zu verwirklichen. Das ist die beste, was ich gehört habe“. Er schlug sogar vor, dass Cagri als erste Etappe in seiner Agency in Indien arbeiten sollte.

Die nächste Schritten sind einfacher gegangen: Arbeitskündigung, Vorbereitung auf das Projekt. Cagri hat eine eigene Web-Seite entworfen und ein Logo gemacht. Er besaß nur Geld für ein One-Way-Ticket. Den Rest würde er dort, verdienen, so der Plan.

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Foto: zur Verfügung gestellt von Cagri Cankaya

1408 Emails, 6 Antworten

Jeder Anfang ist schwer. Cagri hat 1408 Emails an Unternehmen in der ganzen Welt geschickt und 6 positiven Antworten bekommen. Wie es sich herausstellte, war es schwierig die Arbeitsgeber von der neuen Idee zu überzeugen. Die Idee: zwischen drei Wochen bis zu drei Monaten würde Cagri bei irgendeiner Firma irgendwo auf der Welt seine Dienste zur Verfügung stellen. Er würde keine Versicherung und andere bürokratische Aspekte brauchen. Lediglich Honorar erhalten. Dafür bietet er ein Video und Artikel über die Firma auf seinem Blog. Das Ganze nennt Cagri “Designer on the road”.

Aus den sechs positiven Antworten plante Cagri seine erste Route für ein Jahr: Indien, Thailand, Vietnam, Süd Korea, die Ukraine und China. Inzwischen hat sich das Blatt für Cagri gewendet. Im letzten Jahr haben ihm Firmen selbst Angebote gemacht, dass er bei ihnen arbeiten könne, da er schon berühmt war. Während seiner drei Jahre auf Reise, 2012-2014, hat er vier Kontinenten und 23 Länder besucht: Indien-Thailand-Vietnam-Süd Korea-die Ukraine-China-Indonesien-Malaysia-Sri-Lanka-Vereinigte Arabische Emiraten-Süd Afrika-Argentinien-Brasilien-Kolumbien-Costa Rica-Honduras-El Salvador-Guatemala-Rumänien-Kroatien-Deutschland-Bosnien-Albanien.

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Foto: zur Verfügung gestellt von Cagri Cankaya

Kein Karibik-Urlaub

Cagri hat während seines Projekts die Erfahrung gemacht, dass es nie stabil “on the road” ist, es gibt immer „tops“ und „downs“. „Aber ich wusste, dass die Leute mich nicht sterben lassen. Wenn du irgendwohin mit der dicken Geldbörse hinreist, wirst du als Tourist angesehen. Wenn du versuchst, mit den Leuten gerade zu kommunizieren, wirst du viele authentische Plätze sehen“. Aber man muss schon manche Dinge im Rucksack auf jeden Fall mithaben. Für Cagri sind es: Laptop, Kamera, Servietten, Nagelschneider, ein Paar Lieblingsshorts, T-Shirts und Hosen und unbedingt kleine türkische Souvenirs.

Drei Jahre Reisen ist keine ständiger Karibik-Strandurlaub. Cagri war zwei Mal im Krankenhaus, ein Mal wurden seine Schuhe gestohlen. In Vietnam hatte er eine Lebensmittelvergiftung. In Korea hatte er zwei Nächte am Bahnhof verbracht, weil es ein Missverständnis mit dem Arbeitsgeber gab.

Schließlich war jeden Tag eine Herausforderung. Er musste jedem, dem er traf, das Gleiche erzählen. Aber die Abenteuer und Erlebnisse lohnen sich. Er hat Skydiving in Südafrika probiert und war erste, der für ein Unternehmen ein Logo in der Luft designt hat. Rafting an dem gefährlichsten Fluss, in Costa Rica, dem Pacuare und das Gerätetauchen an Bali gehören auch zu seiner “done“ Liste. Dazu auch Gleitschirmfliegen in Medellin in Kolumbien, wo nach der Cagri’s Meinung die freundlichsten Leute der Welt leben. Er wünscht sich wieder immer nach Chiang Mai in Thailand und Kapstadt in Südafrika zu kommen.

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Foto: zur Verfügung gestellt von Cagri Cankaya

Selbstentdeckung

Mit dem Reisen wollte Cagri vielleicht zunächst weglaufen, aber dann hat er sich gefunden und selbst entdeckt: „Ich habe mich geöffnet. Jetzt kümmere ich mich nicht so viel um die materiellen Sachen. Ich war auch ein großer Perfektionist. Jetzt lebe ich mehr mein Leben“.

Nach dieser großen Reise plant der Designer nach Istanbul umzusiedeln, um wieder Geld zu sparen. Er überlegt ein Buch über alle Abenteuer zu schreiben und stellt fest: „Dann nächstes Jahr möchte ich wieder an große Route zurückkehren. Ich habe sie schon vermisst“. Und ergänzt schüchtern dazu: „Aber die nächste Route würde ich gern mit meiner zukünftigen Liebe teilen. Es wäre schon schön mit jemanden das Abenteuer auszuprobieren“.

http://www.designerontheroad.com/

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