Vatikan, wir haben ein Problem

27. Februar 2013

Vatikan, wir haben ein Problem


Schauplatz: Irgendwo auf einer Almhüte in den Tiroler Bergen. Ein Freund von mir arbeitet dort während der Wintersaison als Kellner. Während er zwischen den Tischen auf der Gästeterrasse auf und ab schlendert, wird er durch ein Gespräch zweier Gäste zwangsbeglückt. Eine Frau und ein Mann unterhalten sich. „Du bist katholisch? Wäh, wie kann man nur katholisch sein?!“, fragt die Frau. „Ja, ich bin katholisch. Was ist daran wäh?“, will der Mann wissen.

„Na, die ganzen Missbrauchsfälle und pädophilen Priester“, argumentiert sie zurück. Mein katholischer Freund, der Kellner, fühlte sich gekränkt. Aber das ist eine andere Geschichte. Diese hier handelt von meiner Welt. Von so einer, wo ich als Katholikin schon Gefahr laufe, als „wäh“ bezeichnet zu werden. Vatikan, wir haben ein Problem. Neuer Papst, neues Kirchenglück Papst Benedikt ist zurückgetreten. Breaking News des Jahrhunderts, wenn nicht des Jahrtausends. Ein Papst, der nicht wartet, bis der Heilige Petrus ihm die Himmelspforte öffnet. Oder der Teufel das Höllentor. Je nachdem, wie viele Menschenleben der eine oder andere in seiner Papstgeschichte zu verantworten hatte. Eh schon wissen: Im Namen Gottes töten, vertreiben, verbrennen. Ist auch ein Wäh-Teil der katholischen Kirchengeschichte. Dennoch gibt es noch genug Katholiken auf der Welt, die der Kirche im Namen Gottes nicht den Rücken gekehrt haben. Es wird Zeit, den treuen Schäfchen etwas zurückzugeben. Zum Beispiel, dass wir uns nicht anhören müssen, wäh zu sein.

Für mich als Katholikin ist die Wahl des neuen Papstes ein kleiner Hoffnungsschimmer, in diese Richtung zu gehen. Ja, mein Gewissen wird während des Schreibens dieser Zeilen mit einem gewissen Schuldgefühl durchtränkt. Aber es ist wahr. Ich konnte
Ratzinger von Anfang an nicht leiden. „Nichts gegen Sie, Herr Ratzinger. Aber ich finde Sie einfach unsympathisch.“ Ich kann dagegen nichts machen. Johannes Paul II ist als „lieber“ Papst in meiner Erinnerung geblieben. Der hier hat so gar keinen guten Eindruck hinterlassen. Es ist Zeit für einen Neuen. Einen, der wirklich papabile ist, wie man so schön sagt. Und auch etwas bewirkt. Etwas Gutes. Meine papabile Wunschliste Kommt mir bitte nicht mehr mit irgendeinem Italiener.

Die haben lang genug den Papststuhl gewärmt. Nicht mal einen Europäer will ich. Wenn es eine Weltkirche ist, dann beweist mir jetzt die Weltkirche. Macht ein religiöses „Yes, we can!“ als Zeichen gegen Rassismus gegenüber anderen Hautfarben. Ein schwarzer Papst. Das wär doch was? Kardinal Peter Turkson aus Ghana vielleicht? Der gilt doch als liberal? Oder der Nigerianer Francis Arinze. Ist zwar bisschen alt, aber sind die das nicht alle? Und wenn kein Afrikaner, dann eben der Kanadier Marc Ouellet. Die Kanadier sind angeblich so nett, dass man sie wegen ihrer Nettigkeit sogar in amerikanischen Sitcoms auf den Arm nimmt. Und der Neue soll dann, wenn möglich, in Betracht ziehen, die Priester endlich heiraten zu lassen. Priester sind auch nur Menschen. Und Frauen sind Menschen. Auch was die Kirchenkanzel betrifft. Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert. Es wird Zeit, dass einer den verbockten, viel vertuschten Mist aufräumt. Vielleicht verschont ihr eure Schäfchen damit, von Atheisten (Leute, die einen Glauben, den sie nicht haben, glühend verteidigen) als „wäh“ betitelt zu werden.

Amen!

 

Von Ivana Martinovic

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Kommentare

 

cooler Beitrag, Ivana. Kirche ist eben nicht gleich Glaube.

 

Atheisten haben keinen Glauben in diesem Sinne. Aber wenn man eine Meinung bzw eine Ansicht vertritt, sollte man doch auch daran "glauben" oder?! 

 

Liebe Ivana,

danke für diesen wunderbaren Beitrag!Du sprichts mir aus dem Herzen.

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