Vom Lehrling zum Boss

14. Dezember 2019

Wer wäre nicht gern sein eigener Chef? Ostoja Matic hat sich diesen Traum erfüllt und mit „Lucky Car“ sein eigenes Unternehmen gegründet. In 11 Jahren verwandelte er seine Kfz-Werkstatt zu einem Großbetrieb. Der Geschäftsführer über die Lehre, den Erfolg und seinen Schlafbedarf.

Von Anna Jandrisevits, Fotos: Christoph Liebentritt

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Ostoja Matic ist Geschäftsführer von „Lucky Car.“

BIBER: Sie haben selbst als Lehrling angefangen. Wie ging es weiter?

OSTOJA MATIC: Ich absolvierte eine Lehre zum Installateur und begann nach der Lehrabschlussprüfung als Haustechniker im AKH. Obwohl es ein guter Beruf war, wollte ich mich unbedingt selbstständig machen. Ich begann, in der Kfz-Branche zu arbeiten und gründete ein paar Jahre später „Lucky Car“. 

Sind Sie froh, die Lehre gemacht zu haben?

Absolut! Es heißt nicht umsonst „Handwerk hat einen goldenen Boden". Ich weiß, wie wichtig ein guter Lehrplatz ist, weshalb es mir ein besonderes Anliegen ist, Lehrstellen zu schaffen.

In 11 Jahren haben Sie mit "Lucky Car" aus einer Werkstatt einen riesigen Betrieb gemacht. Wie haben Sie das geschafft?

Ja, das war nicht ganz einfach, aber ich war von Anfang an von „Lucky Car“ überzeugt. Ich habe gleich zu Beginn viel ins Marketing investiert, um die Marke bekannt zu machen. Ein Unternehmen aufzubauen bedarf hoher Disziplin und ein klar definiertes Ziel. Eines darf man aber nie: sich selbst, seinem Weg und seiner Idee untreu werden. 

Wie viele Lehrlinge bildet "Lucky Car" aus?

„Lucky Car“ hat 120 Lehrstellen geschaffen, derzeit sind rund 30 Lehrstellen besetzt. Wir haben eine sehr geringe Fluktuation, alle MitarbeiterInnen sind vom ersten Tag an Teil der Familie. Wir vertrauen und verlassen uns aufeinander. Nach erfolgreichem Lehrabschluss bietet „Lucky Car“ jedem Lehrling einen Job an. Wir bauen die Zukunft von „Lucky Car“ mit und auf unseren Lehrlingen auf. Das ist mir sehr wichtig, denn der Fachkräftemangel in Österreich würde die Realisierung unserer Expansion hindern. Daher wollen wir autark sein.

Wie sollte ein guter Chef sein?

Ein guter Chef muss zuhören können, Entscheidungen treffen, muss loyal zu seinem Team stehen und alle Anforderungen selbst vorleben. Klingt einfach, ist aber Tag für Tag eine Herausforderung. Allerdings eine schöne, denn das Team gibt all das eins zu eins zurück - und das bestätigt mich in meinem Handeln.

Welchen Rat würden Sie einem Nachwuchsunternehmer geben?

Vertrau dir und deinen Entscheidungen. Auch, wenn du in ein paar Jahren rückblickend vielleicht anders entscheiden würdest - damals war es für dich die richtige Entscheidung. Bleib dir selbst treu und lass dich durch niemanden von deinem Ziel abbringen. 

Kann jeder ein eigenes Unternehmen gründen?

Ganz ehrlich? Nein. Es gehört einiges mehr dazu, als den Entschluss zu fassen, „Chef“ zu werden. Es braucht Mut, Disziplin und Ehrgeiz. Und das Bewusstsein, auf vieles verzichten zu müssen. Es ist ein langer und steiniger Weg, für den nicht jeder gemacht ist. 

Woher nehmen Sie Ihren Ehrgeiz?​

Ich wollte meiner Familie, meinen Partnern und auch mir ein schönes Leben ermöglichen. Das ist der schönste Antrieb: Träume erleben und andere daran teilhaben lassen. Disziplin und Verantwortung kommen vor dem Ehrgeiz. Ist das erste Ziel erreicht, definiert man das nächste und so geht es weiter. 

Bleibt bei all der Arbeit noch Zeit für die Familie?

Ja - es muss Zeit bleiben! Diese Zeit ist mir wichtig und ich nehme sie mir auch. Der große Vorteil: meine Frau und meine beiden Söhne arbeiten gemeinsam mit mir bei „Lucky Car“ – eine schönere Bestätigung gibt es wohl kaum. Deswegen hat der Familiengedanke auch so einen hohen Stellenwert bei „Lucky Car“.

Wie viele Stunden schlafen Sie?

Ich schlafe sechs Stunden, mehr brauche ich nicht. Meine Arbeitstage sind sehr unterschiedlich, somit ist es wichtig, dass ich konzentriert ein Topic nach dem anderen abarbeite. Ich nehme den Alltag aber nicht mit ins Bett – und das ist gut so.

Geburtsjahr: 1971
Herkunft: Aus Banja Luka, Bosnien. Im Alter von 8 Jahren nach Österreich gekommen.
Familie: Verheiratet & Vater zweier erwachsener Söhne Gründung Lucky Car: 2008
Lehrstellen: 120
Standorte in Österreich: 38
Auszeichnung Lucky Car: “Bestes Franchisesystem Ostoja Matic ist Geschäftsführer von „Lucky Car.“ Österreichs” 2016

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