"Weil ihr Juden seid!"

10. September 2020

Antisemitismus gehört für viele Jüdinnen und Juden zum Alltag. Das bekommen auch all jene zu spüren, die nicht mit Perücke, Kippa oder Schläfenlocken klar als jüdisch zu erkennen sind. Vier junge Juden erzählen von Vorurteilen über das Geld, Beleidigungen bis hin zu erotischen KZ-Rollenspielen im Bett.

Von: Nada El-Azar, Fotos: Zoe Opratko

Johannes* ist in einer Kleinstadt in Oberösterreich aufgewachsen. Wenn der 24-Jährige sich an seine Kindheit in einem jüdischen Haushalt erinnert, fällt ihm die Mutter ein, wie sie das Schweinefleisch aus dem Kühlschrank im Keller versteckte. Die Verwandten, die sie an Feiertagen wie Rosh ha-Shana – dem jüdischen Neujahrsfest – besuchten, sollten das nicht wissen. „Meine Familie ist gut assimiliert“, sagt Johannes, „und mein Vater aß manchmal sogar Schweinsbraten.“ Diskretion wurde zuhause großgeschrieben, das Wort „jüdisch“ kaum ausgesprochen und die Feiertage wurden zwar gefeiert, aber ohne großen Wirbel nach außen hin. „Natürlich hatten meine Eltern das Trauma ihrer Eltern geerbt und haben das auch an uns weitergegeben.“ Dieses Trauma äußerte sich vor allem durch Schweigen, erinnert sich Johannes. „Meine jüdische Identität ist durch Fremdbestimmung passiert. Denn der Antisemit bestimmt in erster Linie, wer Jude ist.“

„AUFKLÄRUNGSGESPRÄCH“ FÜR JÜDISCHE KINDER

Bei Johannes passierte diese Fremdbestimmung in der Volksschule. Sein Nachname offenbarte ihn – er trägt einen offensichtlich jüdisch-deutschen Namen. „Von Gleichaltrigen kamen Beleidigungen wie ‚Saujude‘. Später nahmen sie mir meine Schulhefte weg und malten rote Davidsterne hinein. Ich kannte das Symbol, aber verstand die Aktion nicht.“ Er radierte die Sterne aus und sagte zuhause lange Zeit nichts. Erst, als seine Mutter bei der Kontrolle der Hausübungen Spuren der ausradierten Sterne fand, stellte sie ihn aufgeregt zur Rede. „Einige Tage später folgte das Holocaustgespräch mit meinem Vater.“ Johannes vergleicht dies mit einer Art Aufklärungsgespräch für jüdische Kinder. „Wir saßen gemeinsam am Tisch und meine Eltern erklärten mir das Jüdischsein und den Holocaust. Ich war damals acht Jahre alt und dachte nur: Warum wir?“. Johannes‘ Vater bekam im örtlichen Wirtshaus oft Antisemitismus zu spüren, etwa durch Sprüche wie: „Zahl die nächste Runde, bei deinen Leuten fehlt das Geld eh nicht“. Als Jugendlicher verspürte er einen starken Zugehörigkeitswunsch und schloss sich daher der Landjugend an. Dort erlebte er häufig sehr unterschwelligen, Israel-bezogenen Antisemitismus. Es wurde darüber geschimpft, wie schlimm Juden in Israel mit Palästinensern umgegangen sind. Gleichzeitig waren viele auch islamophob. „Israel wurde dazu benutzt, antisemitisch zu sein – es ging aber niemals um das Wohl der Palästinenser“, so Johannes.

 

Johannes schwieg über die roten Davidsterne, bis seine Mutter Spuren der ausradierten Symbole in seinem Schulheft fand. (Foto: Zoe Opratko)
Johannes schwieg über die roten Davidsterne, bis seine Mutter Spuren der ausradierten Symbole in seinem Schulheft fand. (Foto: Zoe Opratko)

„Wer als Jude angegriffen wird, muss sich auch als Jude verteidigen. Da hilft es nicht, zu sagen, wie assimiliert man sei.“ In Österreich leben laut Schätzungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien etwa 15.000 Menschen jüdischen Glaubens. Die Wiener Leopoldstadt stellt ein wichtiges Zentrum jüdischen Lebens dar, mit zahlreichen Gebetshäusern verschiedener Glaubensrichtungen, koscheren Lebensmittelmärkten und -bäckereien und diversen Kulturvereinen. Die jüdische Community ist zwar klein, aber sehr heterogen. Doch was sich in den Interviews mit den Betroffenen in diesem Artikel herauskristallisiert: Sie sahen sich alle mit ähnlichen Vorurteilen konfrontiert. Sie alle mussten lernen, wem sie ihren Glauben offen sagen können, und wo es besser wäre, ihn zu verstecken. Dass manche sogar ihre Hebräischkenntnisse aus dem Lebenslauf streichen, ist keine Seltenheit. Teilweise liegt die Angst in den Familien tief. So warnte Johannes‘ Mutter ihn davor, mit einem Davidstern um den Hals hinauszugehen. Johannes lebt offen homosexuell. Für ihn gab es nie einen Widerspruch zwischen dem Jüdischsein und seiner sexuellen Orientierung. Beim Dating erlebte er, dass Personen einfach aufgestanden und gegangen seien, als er ihnen sagte, dass er Jude ist. „Es gibt auch Leute, die es – offen gesagt – einfach ur geil finden, dass ich Jude bin. Männer wollten unter anderem Rollenspiele machen, dass sie die KZ-Aufseher sind, und ich eben der Häftling. Das fand ich echt krass.“ Auf mehreren Dates wurde Johannes gefragt, ob seine Eltern eigentlich reich seien. Meistens versucht er das mit Humor zu nehmen und versucht darüber aufzuklären, dass es durchaus auch arme Juden gibt.

Als Kind der zweiten Generation von Holocaustüberlebenden lacht man nicht über Vorschläge von KZ-Rollenspielen. (Foto: Zoe Opratko)
Als Kind der zweiten Generation von Holocaustüberlebenden lacht man nicht über Vorschläge von KZ-Rollenspielen. (Foto: Zoe Opratko)

Anders als Johannes wuchs Sara* in einer orthodoxen Familie auf, inmitten der jüdischen Community im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Die 36-jährige Israelin kam mit vier Jahren mit ihren Eltern von Tel Aviv nach Österreich und ging in der Leopoldstadt in einen jüdischen Kindergarten. Danach besuchte sie eine öffentliche Volksschule und erschien dort stets im knielangen Rock und mit bedeckten Ellenbogen und Schlüsselbeinen, gemäß der jüdischen Kleiderordnung. Ihren Glauben thematisierte sie in der Schule nie, sie war allgemein ein schüchternes Kind. Ihre beste Freundin hatte albanische Wurzeln. „Wir hatten gemeinsam, dass wir beide den römischkatholischen Religionsunterricht nicht besuchten“, erinnert sie sich. Die beiden waren unzertrennlich und verbrachten auch außerhalb der Schule viel Zeit miteinander. Das änderte sich schlagartig, als die Mädchen sich eines Tages entschlossen, während des Religionsunterrichts doch einmal in der Klasse zu bleiben. „Es ging um Abraham und dessen Geschichte kannten die Freundin und ich ja genauso gut wie die anderen Kinder auch.“ Als die Religionslehrerin fragte, wie die Kinder ihren Gott nennen, sagten die meisten Kinder „Gott“, die Freundin sagte „Allah“ und Sara nannte einen der vielen Namen, der im Judentum für Gott steht. Es dauerte nicht lange, bis Saras Freundin in der Schule nicht mehr mit ihr sprach. „Der Vater meiner Freundin begann, meine Mutter und mich vor dem Schulgebäude anzuspucken. Er sagte, ich dürfe nicht mehr mit seiner Tochter befreundet sein“, erzählt Sara. „Meine Mutter konnte dagegen nichts unternehmen, sie sprach kaum Deutsch und ließ es über sich ergehen.“ Als Sara in der Schule das albanische Mädchen fragte, warum sie keinen Kontakt mehr haben dürfen, war die Antwort: „Weil ihr Juden seid“.

 

MUSLIMISCHER ANTISEMITISMUS VERSUS NAZI-HASS

Es ist unbestreitbar, dass es in der muslimischen Community sehr wohl ein großes Problem mit Antisemitismus gibt. Nicht zuletzt durch den Israel-Palästina-Konflikt, der in der muslimischen Diaspora tiefe Gräben gezogen hat. Erst kürzlich hat ein syrischer Staatsbürger eine Synagoge in Graz mit propalästinensischen Parolen beschmiert, ein Fenster eingeschlagen und soll versucht haben, den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde mit einem Holzprügel zu attackieren. Gleichzeitig wurden, laut Standard-Bericht, bei einer Polizeidienststelle in unmittelbarer Nähe unter anderem grausame antisemitische Inhalte auf den Smartphones einer Beamtin gefunden, die an einen Kollegen mit einem Schäferhund namens Adolf verschickt wurden. Rebecca* hat die Vorfälle in den Medien aufmerksam verfolgt. Die 35-Jährige kommt aus einer säkularen jüdischen Familie und möchte lieber anonym bleiben, da sie im öffentlichen Dienst tätig ist. „Jene Polizeiwache war für den Objektschutz der Synagoge zuständig. Ich habe die Pressekonferenz von Innenminister Nehammer gesehen und nach kurzer Zeit wieder abgeschaltet. Ich hatte das Gefühl, dass es nicht um den Kampf gegen Antisemitismus geht. Es wurde hauptsächlich über den syrischen Täter gesprochen, aber keine konkreten Vorschläge gemacht, wie denn Antisemitismus in der Polizei bekämpft werden kann. Es ging viel mehr um ein Täterbild, das man gerne hätte.“

Als Folge auf den Vorfall in Graz verordnet Integrationsministerin Susanne Raab Antisemitismus-Kurse gezielt für Flüchtlinge. In der dazugehörigen Presseaussendung war von importiertem Antisemitismus durch die Flüchtlingswelle 2015 die Rede. Mangelt es in Österreich an Selbstkritik, wenn es um Antisemitismus geht? „Ich begrüße diese Maßnahmen grundsätzlich, jedoch wundere ich mich trotzdem, dass solche Kurse nur auf Muslime abzielen sollen, wenn doch die Mehrheit aller antisemitischen Straftaten dem rechten Spektrum zuzuordnen sind“, so Rebecca. Im Antisemitismusbericht für 2019 konnten von 550 verzeichneten Vorfällen 268 als rechtsextrem motiviert zugeordnet werden, während 31 Meldungen mit islamischem Hintergrund dokumentiert wurden. 25 Vorfälle kamen von politisch linker Seite, die restlichen 226 Fälle waren ideologisch gar nicht zuordenbar. Rebecca ist überzeugt, dass die muslimische und die jüdische Community enger zusammenrücken müssen, um gemeinsam gegen rechten Hass aufzutreten. Über die letzten Jahre beobachtete sie eine zunehmende Rückkehr zum Traditionellen in der jüdischen Community, was sie auf die wachsende Ausgrenzung zurückführt. „Ich kenne offensichtlich orthodoxe Jüdinnen und Juden, auf die Übergriffe stattgefunden haben. Bei jenen, die auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar sind, taucht Antisemitismus oft erst dann auf, wenn der Hintergrund klar ist. Was heute an antisemitischen Parolen, auch in der Politik, so kursiert, wäre vor zehn oder zwanzig Jahren noch undenkbar gewesen.“ Die 24-jährige Ex-Stewardess Christina Kohl, Kandidatin der Liste HC Strache, wurde nach den antisemitischen Rufen „Rothschild muss weg! Soros muss weg!“ auf einer Demo scharf kritisiert.

Drei Mal wurden die Porträts der Holocaustüberlebenden mitten in der Wiener Innenstadt 2019 geschändet.(Lukas Huter / APA)
Drei Mal wurden die Porträts der Holocaustüberlebenden mitten in der Wiener Innenstadt 2019 geschändet.(Zoe Opratko)

Im Mai 2019 zeigte der italienische Fotograf Luigi Toscano in der Wiener Innenstadt die Ausstellung „Gegen das Vergessen“. Gleich dreimal wurden die großformatigen Porträts der Überlebenden des NS-Regimes mit einem Messer zerschnitten, teilweise wurden Hakenkreuze und antisemitische Parolen platziert. „Das sind Dinge, die der ganzen Gemeinde wehtun“, erinnert sich Rebecca. „Der Großvater einer guten Freundin von mir war ebenso porträtiert. Das sind Personen, die wir kennen – als ich die zerschnittenen Gesichter am Ring sah, hatte das gleich eine andere Schwere. Wie übel über jüdische Menschen geredet wird, oder eben diese ganzen Verschwörungstheorien in den sozialen Medien, ist im Vergleich weit weg. Der Angriff auf die Porträts war echt. Und mitten in der Innenstadt.“ Umso schöner fand sie es, dass unter anderem die Muslimische Jugend eine Mahnwache hielt und während des Ramadans auch das Fastenbrechen dort verrichtete.

„DAS SIND NICHT ‚MEINE LEUTE‘“

„Als diese furchtbare Explosion in Beirut geschehen ist, habe ich aus meinem Arbeitsumfeld zweimal gehört ‚Na, deine Leute können’s auch nicht lassen, alles in die Luft zu sprengen‘. Also selbst wenn Israel etwas damit zu tun gehabt hätte – Juden und Israelis sind nicht gleichzusetzen. Das sind nicht ‚meine Leute‘“, so Rebecca. Dass Menschen jüdischen Glaubens oft gut und gerne mit Israel in Verbindung gebracht werden, ist auch für die Musikerin Isabel Frey ein Problem. Für sie ist der sogenannte Philosemitismus, also die politische Allianz mit dem jüdischen Volk, oft die „andere Seite der Medaille des Antisemitismus.“ Auf den ersten Blick erscheine dieser harmlos. „Man wird auf eine absurde Weise orientalisiert oder exotisiert, wenn auch aus einer Unwissenheit heraus. Von einigen Leuten kommen Aussagen, dass sie die jüdische Kultur lieben, oder sie erzählen mir von ihrem Urlaub in Israel.“ In Wirklichkeit habe Isabel ein kompliziertes Verhältnis zu Israel. „Man sollte Antisemitismus immer verurteilen, egal von welcher Seite er kommt. Man sollte auch bedenken, dass mit Philosemitismus auch eine Islamophobie einhergeht. Das geht so weit, dass sogar rechtsextreme Parteien gegen Flüchtlinge argumentieren, weil sie diese als Antisemiten abstempeln. Das beobachtete ich in Holland, es passiert aber auch in Österreich. Es ist eine temporäre Allianz, die sich über Israel recht gut schließen lässt. Die israelische Regierung ist nämlich rechts und ethnonationalistisch“, so die 25-Jährige.

Isabel Frey trägt den Davidstern offen erkennbar für andere. So etwas trauen sich nicht alle Jüdinnen und Juden. (Foto: Zoe Opratko)
Isabel Frey trägt den Davidstern offen erkennbar für andere. So etwas trauen sich nicht alle Jüdinnen und Juden. (Foto: Zoe Opratko)

Isabels musikalisches Spezialgebiet sind jiddische Lieder der ArbeiterInnenbewegung. „Meine Familie waren ungarisch assimilierte Juden. Jiddisch war historisch eigentlich eine Sprache der Unterschicht und spielte überhaupt keine Rolle bei uns.“ Über ihren politischen Aktivismus in Amsterdam stieß Isabel auf die Geschichte der jiddischen ArbeiterInnenbewegung. Sie war fasziniert, denn ihrer Meinung nach ist die Geschichte eines linken Judentums bis heute ein wenig verlorengegangen. „Ich konnte über dieses musikalische Erbe meine jüdische Identität mit meiner politischen gut vereinbaren.“ Innerhalb der jüdischen Community findet Isabel als israelkritische Jüdin nach eigenen Angaben wenig Platz. „Ich bin dort die ‚selbsthassende‘ Jüdin.“

 

SELBSTHASS ALS BRANDMAL

Auch Johannes kämpft mit dem Stereotyp des „selbsthassenden“ Juden: „Ich habe das Gefühl, dass sich sowohl die Linke als auch die Rechte in Österreich nur dann um jüdische Menschen schert, wenn es ihren politischen Zielen entspricht. Muslimischer Antisemitismus wird dazu verwendet, um Hetze gegen Flüchtlinge zu machen. Oder wir benutzen ihn vor allem in der Linken, um die Israelpolitik zu rechtfertigen. Aber wenn Juden und Jüdinnen selbst ihre Stimme erheben, werden wir oft vertröstet“, so Johannes, „Die IKG meldet sich auch nur, wenn Feuer am Dach ist. Der Angriff in Graz war ein Angriff auf österreichische Juden und Jüdinnen, und zwar unter dem Deckmantel des Antizionismus. Da sitzen vielleicht 20 Leute in der Synagoge und wollen beten. Plötzlich werden sie zu einem Spielball für die Israelpolitik gemacht. Wenn jemand wie ich dies aber aufzeigt, bekommt man den Stempel des ‚selbsthassenden Juden‘ aufgedrückt. Am Ende soll es die Aufgabe von Juden und Jüdinnen sein, gegen Antisemitismus vorzugehen. Aber uns wird häufig der Raum dazu weggenommen, unsere Standpunkte zu äußern.“

*Namen von der Autorin geändert

 

„IN ÖSTERREICH FEHLT ES AN SELBSTKRITIK.“
Die jüdische österreichische HochschülerInnenschaft vertritt seit 1947 Jüdinnen und Juden im Alter von 18–35 Jahren. Benjamin Hess, 26, studiert Jus und ist seit 2018 Generaldirektor der JöH.
BIBER: Die Zahlen antisemitischer Übergriffe steigen von Jahr zu Jahr. Woran liegt das?
BENJAMIN HESS: Da spielen mehrere Faktoren zusammen. Wir sehen einen starken Anstieg von Antisemitismus im Internet, da es dort eine große Enthemmung gibt. Andererseits gibt es auch statistisch erwiesen einen bestimmten Bodensatz von Judenhass. Auf politischer Ebene gab es von rechter und rechtsextremer Seite nach Türkis-Blau ein Gefühl von „jetzt sind wir an der Macht“. Das war natürlich ein Treiber. Von rechter Seite wird muslimischer, bzw. eingewanderter Antisemitismus als Problem festgemacht. Das suggeriert, dass es auf der anderen Seite keinen Judenhass gibt, oder dieser „unproblematisch“ sei. Wenn man Antisemitismus bekämpfen will, muss man jede Form angreifen.
Welche konkreten Zwischenfälle können als Treiber für Antisemitismus fungieren?
Kürzlich fand in Wien eine Gedenkdemonstration für die Opfer des Terroranschlags von Hanau statt. Veranstalter war die neu gegründete „Migrantifa Wien“. Zur Kundgebung war auch eine Vertreterin der JöH als Rednerin eingeladen, um zu zeigen: Rechtsextreme Gewalt bedroht Migranten, Juden und andere Minderheiten gleichermaßen. Doch die antisemitische Israel-BoykottBewegung BDS versuchte, die Kundgebung zu missbrauchen. Vor der Demonstration beschuldigte BDS die JöH, rassistisch zu sein, und verglich sie gar mit den faschistischen „Grauen Wölfen“. Die zwei Liederbuchaffären sind ebenso gute Beispiele. Udo Landbauer ist wieder Chef der niederösterreichischen FPÖ, genauso gab es für Wolfgang Zanger keinen Rausschmiss aus der Partei. In der FPÖ herrscht die Maxime, dass alles geht, solange es keine strafrechtliche Verurteilung gibt. Es gibt nur in wenigen Fällen ernsthafte Konsequenzen.
Ist Österreich selbstkritisch genug, wenn es um Antisemitismus geht? In den Medien und in der Politik wird oft von einem importierten Problem durch Flüchtlinge gesprochen.
Es fehlt in Österreich an Selbstkritik. Oftmals wird nur dann Antisemitismus thematisiert, wenn es politisch opportun ist. Im Falle des Übergriffs in Graz muss man aber schon sagen, dass in diesem konkreten Fall der Täter einen Israel-bezogenen, islamistisch geprägten Antisemitismus hatte. Das muss man klar benennen. Das ändert aber nichts an den Problemen auf der anderen Seite herrschen, wie etwa an dieser Polizeistation. Bekanntlich wurde der Bezirkschef der Grünen Gries Tristan Ammerer wegen Nicht-Anmeldung einer Kundgebung angezeigt. Genau jene Polizeistation wollte auch uns gegenüber eine Mahnwache unterbinden. Mir wurde vor Ort mit einem, meiner Meinung nach, problematischen Unterton erklärt, dass „auch für uns“ die Gesetze zu gelten haben.

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