„Weil wir anders als die Außenwelt sind“ - Ultraorthodoxes Judentum in Wien

14. September 2023

Vom wöchentlichen Schabbat über orthodoxes Matchmaking bis hin zur eigenen Infrastruktur und einer strengen Abschottung als Reaktion auf ein kollektives Trauma: Wie leben ultraorthodoxe Jüd:innen in Wien? Einblicke in eine der aktivsten und gleichzeitig verschlossensten Communitys der Stadt.

Von Aleksandra Tulej und Nada El-Azar-Chekh, Illustration: Aliaa Abou Khaddour

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Illustraion: Aliaa Abou Khaddour

Mit elf Jahren habe ich das erste Mal nicht-koschere Schokolade gegessen – damals hatte ich starke Schuldgefühle, erinnert sich Mirijam*, die heute Anfang zwanzig ist, an ihre Kindheit zurück. „Dabei schmeckt sie genau gleich, aber es war so tabuisiert, dass sich das in dem Moment angefühlt hat, als hätte ich etwas Schreckliches getan.“ Mirijam ist in einem ultraorthodoxen chassidischen jüdischen Haushalt in Wien aufgewachsen, als vorletztes von insgesamt acht Geschwistern. „Das ist noch gar nichts, mein Nachbar hat sogar 18 Geschwister!, fügt sie lachend hinzu. Mirijam spricht mit einem leicht jiddischen Akzent, trägt ein Spaghetti-Kleid und darunter ein T-Shirt, ihre braunen Haare sind zu einem schlichten Zopf gebunden. Bei unserem Treffen erzählt Mirijam viel und gerne über ihr Leben – unter der Bedingung, dass wir ihren Namen nicht nennen: In der Community kenne schließlich jeder jeden. 

Schätzungen der Israelitischen Kultusgemeinde zufolge sollen in ganz Österreich etwa 15.000 Menschen jüdischen Glaubens leben, manche sind praktizierender als ­andere, es gibt unterschiedliche Strömungen, „das eine Judentum, gibt es also nicht. Der Chassidismus ist eine Strömung des Judentums, die im 18. Jahrhundert in Osteuropa entstanden ist. Wir haben einen Eindruck der chassidischen Welt durch Netflix-Serien wie „Unorthodox“ oder „Shtisel“ gewonnen – wie akkurat sind diese Darstellungen? Und vor allem: wie sieht das Leben in dieser Gemeinschaft in Wien aus? Es ist eine geschlossene Community, in die es so gut wie keine Einblicke gibt: Man kennt die Winkel im Zweiten Bezirk, die jüdischen Supermärkte, die auffällig gekleideten Männer im schwarzen Mantel und Hut. Aber wie sieht der Alltag aus? Welche Strukturen herrschen innerhalb dieser Community? Aus Medien kennt man entweder nur oberflächliche Berichterstattung von außen oder reißerische Geschichten über Aussteiger:innen – Mirijam erzählt von innen: ehrlich, reflektiert und detailliert.

Keine Sexualkunde, kein Urknall, keine Evolutionstheorie

„Wir wussten von klein auf, dass wir anders als die Außenwelt und irgendwie einzigartig sind, das wurde uns immer wieder eingebläut.“ Den Begriff „Außenwelt“ wählt Mirijam ganz bewusst. Diese Außenwelt liegt nicht nur mitten in Wien, sie ist überall, wo nicht nach jüdischen Regeln gelebt wird. Auch wenn man in einer kleinen, orthodoxen Community aufwächst, bekommt man auch als Kind mit, wie das Leben „außerhalb“ aussieht. Wenn Mirijam bei ihrer Familie oder in der Schule Fragen gestellt hat, warum sie dies und jenes anders machen würden als „die Anderen, kam als Antwort: „Weil wir anders sind.“ Ihre Kindheit in Wien hat Mirijam sehr glücklich und unbeschwert in Erinnerung.

Ihre Schullaufbahn begann in der Beth-Jakov-Schule, einer orthodoxen jüdischen Mädchenschule in Wien – damals war die Schule in der Malzgasse, heute befindet sich das Schulgebäude in der großen Stadtgutgasse. Die Uniform: Ein hellblaues Hemd und ein dunkler Rock, der über das Knie ging. Die Unterrichtssprache ist Deutsch, Religion wird auf Jiddisch unterrichtet – in der Schule hat man Deutsch, Jiddisch und Englisch miteinander gesprochen. 

Sexualkunde, Urknalltheorie und Evolutionstheorie hat Mirijam nicht gelernt. Auch die Schulbücher waren auf Deutsch, allerdings wurden laut Mirijam in ihrer Schulzeit, also zu Beginn der Nullerjahre, Wörter und Ausdrücke, die als problematisch angesehen wurden, vorab mit einem Marker geschwärzt und erst dann an die Schülerinnen ausgeteilt. Dazu zählten laut Mirijam beispielsweise Wörter wie „Busen

„Wir schwärzen nichts aus Schulbüchern, allerdings achten wir darauf, welche Inhalte wir unseren Schülerinnen vermitteln, erzählt auf unsere Nachfrage Arieh Bauer, der Generalsekretär des Israelitischen Tempel- und Schulvereins Machsike Hadass, zu dem auch die Beth-Jakov-Schule gehört. Dazu zähle beispielsweise die Theorie rund um die Welterschaffung. Es gehe nicht darum, den Kindern absichtlich etwas vorzuenthalten, sondern darum, dass man die Schüler:innen nicht mit Inhalten und Bildern konfrontieren wolle, die sie nicht gewohnt seien. „Viele Familien ziehen extra wegen unserer Schule nach Wien, viele dieser Kinder schauen nicht fern, haben keine Smartphones, lesen keine Zeitung – das ist einfach ein anderer Lebensstil, erklärt Bauer. Das Schulgeld beträgt 400 € im Monat „So viel zahlt aber fast niemand, wir haben oft kinderreiche Familien bei uns, da gibt es Rabatte – oder man unterstützt finanziell schlechter gestellte Familien.“ 

Mirijam hat ihre Volksschulzeit sehr gut in Erinnerung. „Es herrschte ein sehr starkes Gemeinschaftsgefühl, ich habe mich immer sehr wohl gefühlt, kaum jemand wurde gemobbt oder ausgeschlossen.“ Das Gemeinschaftsgefühl hört nicht bei der Schule auf, sondern wird kollektiv gelebt, auch wenn es um finanzielle Absicherung geht: „Als ärmere jüdische Familie in Wien bist du nicht arm dran. Da gibt es immer Unterstützung von der Community, man ist immer gut aufgehoben. Das finde ich sehr schön.“ 

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Für den Schabbat wird das Essen bereits freitags zubereitet. ©Miguel Riopa/afp_picturedesk.com

Holocaust-Leugnung und anti­semitische Aggressionen in Wien

Man hilft einander, schaut aufeinander und bleibt gerne unter sich. Man passe auf „seine Leute“ auf. Grund dafür sind auch die Gefahren, denen sichtbar jüdische Menschen in Österreich ausgesetzt sind: Allein im Jahr 2021 hat die Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien 965 antisemitische Vorfälle verzeichnet. Darunter fallen u.a. Beschimpfungen, Angriffe, Bedrohungen, Verschwörungstheorien oder Holocaust-Leugnung. Im Jahr 2022 waren es 719 Vorfälle. In dem Antisemitismus-Bericht der Meldestelle werden Fälle genannt, in denen sichtbar jüdische Teenager auf offener Straße zusammengeschlagen wurden – oft von Gleichaltrigen. Angeführt sind aber auch Erwachsene, denen versucht wurde, die Kippa vom Kopf zu reißen, die Schimpftiraden über sich ergehen lassen mussten – die Liste der Vorfälle ist lang. Offen gelebter Antisemitismus ist in Österreich für viele jüdische Menschen trauriger Alltag.

Mirijam denkt kurz nach. „Die Gemeinschaft ist aber auch deswegen so stark, weil wir einen gemeinsamen ‚Feind' haben“ – sie formt Anführungszeichen mit ihren Fingern. 

Der gemeinsame Feind

„Als chassidischer Jude läuft man mit dem Gedanken herum: Wir sind nicht die Außenwelt, sagt die Studentin. Die Außenwelt, damit meint sie die nicht-jüdische Mehrheitsgesellschaft. „Das sind die Täter:innen, in dem Sinne, dass sie uns in der Geschichte immer wieder als Zielscheibe gesehen haben. Wir sind quasi die Opfer. Ich würde auch argumentieren, dass der Chassidismus eine Reaktion auf das kollektive Trauma der jüdischen Geschichte ist.“ Es wird als Lösung empfunden, sich von der Außenwelt abzugrenzen und zu isolieren – als Antwort auf das kollektive Trauma, das Jüd:innen in der Weltgeschichte mit Verfolgung und insbesondere durch den Holocaust zugetragen wurde. „Vielleicht liegt der Grund für unsere Leidensgeschichte darin, dass wir nicht religiös genug waren. Abgrenzung ist der einzige Weg, um uns zu schützen. Ich weiß, diese Aussage zu treffen, ist hart, aber viele Chassiden glauben auch daran, dass Gott verlangt, dass wir ihm mehr dienen – denn nur so könnten wir dem Leiden entgehen, so Mirijam. Dieser Aspekt einer kollektiv getragenen Schuld wird in der Community sehr kontrovers gesehen. „Viele chassidische Juden glauben fest daran. Ich glaube nicht daran, aber ich glaube sehr wohl an Gott – an einen wohlwollenden Gott, sagt Mirijam.

Nach der Volksschule kam Mirijam an die Lauder-Chabad-Schule, deren Campus im Augarten liegt. „Dort ist es nicht mehr ganz so streng. Meiner Erfahrung nach versucht man, dort eine gute Balance zwischen religiösen und profanen Fächern zu finden und die beiden zu vereinbaren.“ So lernte sie dort auch über die Urknalltheorie und Evolution als Konzepte der Welterklärung. Heute bewegt sich Mirijam auch in Kreisen, in denen auch nicht-jüdische Menschen sind, beispielsweise an der Uni – sie hofft, dieses Jahr noch ihr Studium abzuschließen. 

Automatisierte Lichtschalter und automatische Kochplatten: der moderne Schabbat

Eine Tradition, an der Mirijam sehr gerne festhält, ist der Schabbat, auf den sie sich jede Woche freut: Schabbat begeht man jede Woche von Freitag bei Sonnenuntergang, bis zum nächsten Sonnenuntergang am Samstag. In dieser Zeit ist es orthodoxen Jüd:innen untersagt, zu arbeiten, Technologie zu nutzen, Hausarbeit wie Kochen und Putzen zu leisten oder auch nur einen Lichtschalter zu betätigen. 

Für Mirijam sind die wöchentlichen Vorbereitungen auf den Schabbat ein ganz natürlicher Prozess. „Wenn man damit aufwächst, ist es komplett automatisiert. Am Freitagabend schalte ich mein Handy aus, und auch mein Kopf schaltet um. Ich merke, wie mein Körper total ruhig wird, sobald wir die Kerzen am Freitagabend anzünden, um den Schabbat einzuleiten. Die Freitage sind bis zum Abend dafür sehr hektisch, lacht die 22-Jährige. 

Mirijam verrät uns einige Tricks, mit denen sich der Schabbat leichter begehen lässt: „Wir haben beispielsweise eine Schabbat-Kochplatte, die das vorgekochte Essen in den Töpfen 25 Stunden lang, also von Anfang bis Ende des Schabbats, warmhält.“ Auch kommen automatisierte Lichtschalter zum Einsatz – falls man sich zuhause nicht alleine am natürlichen Licht orientieren will. Mit Klatschen oder per Stimme das Licht zu bedienen, verstößt nämlich auch gegen die Regeln. „Die Quintessenz des Schabbats ist, dass man die Natur der Welt nicht verändert, also ich darf nichts in Gange bringen, sei es nur ein Lichtschalter. Früher durften die Bauern ihre Tiere nicht arbeiten lassen, die Tiere mussten auch ruhen. Es geht um eine geistige und körperliche Ruhe, erklärt Mirijam.

Im Notfall ist es im Übrigen immer möglich, entgegen den Regeln des Schabbats zum Beispiel ein Handy zu verwenden. „Das Leben ist die höchste Priorität, es steht über allem anderen, da werden alle anderen jüdischen Gesetze ungültig, sobald das Leben gefährdet ist – bei einem Herzinfarkt darf man also klarerweise die Rettung rufen.

Apropos Gesundheitsversorgung: „Wir gehen alle zu Dr. Tamir im Zweiten, lacht Mirijam. Man kenne sich untereinander, das betrifft auch die Berufe, die man ausübt: Es gibt Anwälte, Ärzte, Notare und reichlich Cafés und Supermärkte, die von der Community frequentiert werden. Man gehe lieber zu jenen, die man kenne. 

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"Ich merke, wie mein Körper total ruhig wird, sobald wir die Kerzen anzünden, um den Schabbat einzuleiten." ©Katja Heinemann/laif_picturedesk.com

Verkuppelt, verliebt, verlobt

Wie sieht es in Sachen Liebe und Dating aus? Kuppeln ist sehr weit verbreitet: Jewish Matchmaking nennt man „Schidduch. „Das ist meistens ein Paar, das zusammenarbeitet. Wenn man sich auf ein Date trifft und nicht mehr weitermachen will, dann teilen das die Matchmaker der Person mit. Sie sind professionell ausgebildet und wissen, wie man Ablehnung gut kommuniziert.

Wenn Interesse besteht, trifft man sich mit der Person. Man trifft sich zu zweit, aber im öffentlichen Raum, also entweder in einem Café oder in der Lobby eines Hotels. Die Dienste von Matchmakern in Anspruch zu nehmen, kostet selbstverständlich etwas – aber sowohl der Mann als auch die Frau haben jederzeit die Möglichkeit, abzusagen. „Ich kenne Frauen, die 50 erste Dates hatten, bis sie ihren Mann gefunden haben. Das ist möglich und nicht verpönt, man kann das so lange machen, bis man die richtige Person bekommt. Wenn es passt, verlobt man sich.“ Zwischen der Verlobung und der Hochzeit vergeht in der Regel nicht viel Zeit. Für verlobte Paare gibt es dann auch im Rahmen von vorehelichen Kursen Aufklärungsunterricht in Sachen Sex – der Unterricht erfolgt für die Frau und den Mann einzeln: „Männern wird da erklärt, dass sie ihre Frau sexuell befriedigen müssen und wie sie das schaffen könnten; und umgekehrt wird auch den Frauen dargelegt, dass sie sich um die Bedürfnisse der Männer zu kümmern hätten – und auch, dass man, während die Frau ihre Periode hat, in getrennten Betten schläft. Das gehört alles zur Religion.

Als Tochter aus einer chassidischen Familie war für Mirijam die Geschlechtertrennung ein wesentlicher Bestandteil ihrer Erziehung. „Freundschaften zwischen Männern und Frauen gibt es so nicht – stattdessen ist man mit ganzen Familien befreundet.

Es gibt bei traditionellen chassidischen Hochzeiten eine Trennwand zwischen Männern und Frauen, wie man es beispielsweise auch bei traditionell muslimischen Hochzeiten kennt. In der Realität ist das alles aber auch flexibler und flüssiger, berichtet die Studentin. Die Hochzeitsszene aus der Netflix-Produktion „Unorthodox“ empfindet Mirijam als eine der wenigen, wirklich authentischen Darstellungen in dieser Serie. „Das Einzige, was es in der jüdischen Infrastruktur noch nicht gibt, ist ein eigener Hochzeitssaal. Stattdessen werden ordinäre Säle angemietet, lacht Mirijam. 

Keine Doppelstandards

Wie steht es um die Frauen in der Community? Das ist eine brennende Frage, die Mirijam häufig gestellt wird. „Unabhängig davon, wie viele Einschränkungen es gibt, etwa bei Kleidung und Bescheidenheit, es gibt zumindest wenige Doppelstandards. Das bedeutet, auch Männer müssen bescheiden gekleidet sein, nicht nur die Frauen. Das gefällt mir. Wenn man sagt, Frauen dürfen keinen Sex vor der Ehe haben, dürfen das Männer auch nicht. Und sie halten sich auch daran. Ich habe nichts gegen Einschränkungen, solange sie keine Doppelmoral sind, erklärt Mirijam.

Im Ehevertrag sind für Frauen drei Dinge fixiert: finanzielle Absicherung, Versorgung mit Essen und Kleidung sowie ein Recht auf sexuelle Befriedigung. Dieser Vertrag wird unter Anwesenheit zweier Zeugen unterschrieben. „Die jüdische Identität wird über die Mutter weitervererbt. Also wenn ein jüdischer Mann eine nicht-jüdische Frau heiraten möchte, dann muss er in Kauf nehmen, dass die Kinder nach der Halacha, also dem jüdischen Gesetz, nicht als jüdisch gelten. Das ist in der orthodoxen Community verpönt, erklärt sie. 

In der chassidischen Community gilt Assimilation als Bedrohung, die bekämpft werden muss, so Mirijam. Sie selbst hatte während ihrer Zeit an der Mädchenschule keine nicht-jüdischen Freunde. Abschottung der Community ist zum gängigen Schutzmechanismus geworden. Es gibt jedoch unzählige Vereine und Organisationen, in denen sich die jüdische Jugend trifft. Daraus entstehen nicht selten auch Ehen untereinander.

Die jüdische Diaspora und Israel

Kürzlich war Mirijam in Israel unterwegs, wo seit Monaten große Teile der Bevölkerung gegen die ultrarechte Regierung demonstrieren. „Ich war auf einer Demo mit 200.000 Menschen. Ich begrüße die Justiz-Reform ganz und gar nicht, das ist schrecklich und ein Schritt zurück in der Demokratie von Israel, sagt Mirijam. Kritik an der Politik Israels und Antisemitismus sind für die junge Jüdin zwei verschiedene Sachen. „Ich persönlich kritisiere Israels Politik ständig, ich finde politische Kritik unglaublich wichtig. Ich wünsche mir eine ganz andere Regierung. Wenn ich sage, der israelische Präsident Netanyahu muss zurücktreten, dann ist das anders, als wenn ich sage, die Juden in Israel sind wie Nazis. Das wäre klar antisemitisch. Das wäre ein eindrückliches Beispiel für antizionistischen Antisemitismus, also wenn der Jude mit dem Israeli gleichgesetzt wird, das passiert leider die ganze Zeit. Ich habe die israelische Staatsbürgerschaft, die meisten Juden hier aber nicht, so Mirijam. Die Problematik in der Aussage, dass Juden in Israel wie Nazis seien, liege nicht nur in der Gleichsetzung von Juden und Israelis, sondern auch in der impliziten Vergleichung des Nahostkonflikts mit dem Holocaust – dies könnte als sekundärer Antisemitismus interpretiert werden, erklärt sie weiter.

Eines ihrer großen Anliegen an die Gesellschaft ist, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es bei Weitem nicht nur „ein“ Judentum gibt. „Das Judentum wird in Österreich sehr vielfältig und bunt gelebt. Man muss auch ganz klar zwischen dem Chassidismus und dem Judentum unterscheiden, also was für was gilt. Shidduch ist zum Beispiel etwas, was nur im orthodoxen Judentum praktiziert wird. Man muss uns mit unseren Differenzen wahrnehmen. Wenn man mit uns reden will, sollte man keine Scheu haben. Wir sind pluralistisch, wir sind da, und das schon seit vielen Jahrhunderten.

Zum Schluss brannte uns noch eine Frage auf der Zunge: Was hat es mit sichtbar jüdischen Menschen und Scootern auf sich? Mirijam lacht darauf laut. „Ich wäre tatsächlich heute auch mit dem Roller gekommen. Es ist so praktisch! Es ist ein Trend, irgendwer aus der Community hat das gestartet und seitdem haben alle einen Roller. Einen religiösen Grund hat das nicht. Wir lachen ständig darüber; wir sagen immer, man ist nur Jude, wenn man einen Roller hat.“ ●

* Name von der Redaktion geändert

Mehr Infos: 

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