Wie kann man nur für die "Krone" arbeiten?

29. Oktober 2018

Maida Dedagic ist ehemalige biber-Journalistin, die seit drei Jahren bei der  Krone" arbeitet. Noch heute wird sie in  „linken und progressiven" Kreisen gefragt, wie sie das nur tun konnte. Hier schreibt die Journalistin, warum ihr diese Scheinheiligkeit auf die Nerven geht. 

von Maida Dedagic

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Ich kann nicht mehr zählen, wie oft mir diese Frage gestellt wurde. „Du warst doch mal bei Biber. Wie kannst du jetzt nur für die Krone arbeiten? Du könntest etwas Sinnvolles machen. Fühlst du dich da nicht dreckig? Wie hälst du es da nur aus?" Ich habe nichts gegen die Fragerei. Aber die Scheinheiligkeit der Fragensteller fasziniert mich dann doch. Da stehen Menschen vor mir, die sich politisch zum linken, progressiven, toleranten Lager zuordnen. Sie kritisieren bei jeder Gelegenheit, dass die Medienlandschaft von Männern dominiert ist und fordern mehr Frauen und mehr Migranten in den Leitmedien.

Das Problem ist nur, sie meinen es offenbar überhaupt nicht so. Ich wäre ja jetzt da. Jung, weiblich, migrantisch,  „Krone"-Redakteurin. Ich schreibe für einen nicht ganz unerheblichen Teil der Österreicher. Ausgerechnet jene, die das tagtäglich fordern, finden das aber ganz schlimm. In ihren Köpfen ist die  „Krone" Mordor und sie selbst freilich Gandalf, der Weiße. Ich frage jetzt einmal zurück: Wie hält man es eigentlich mit der Scheinheiligkeit aus?

Die Krone" braucht meine Verteidigung gewiss nicht. Sie ist die meistgelesene Zeitung. Sie schreibt Geschichten, an denen keiner vorbeikommt. Hier haben einzelne Journalisten bessere Kontakte als ganze Redaktionen. Auch wenn man nicht selber jede Meinung vertritt, hat die Meinung ihren Platz. Wie das in den besten Familien halt so ist. Ich habe in meinen ersten drei Jahren Krone" schon sagenhaft viel lernen dürfen. Wie ich da arbeiten kann? Ganz wunderbar. Und sehr gerne. 

Die Wahrheit ist: Sachlich macht es überhaupt keinen Sinn, warum ich oder irgendjemand anderes nicht bei der  „Krone" arbeiten sollen dürfte. Aber um die Sache geht es heute den wenigsten. Hauptsache, man findet irgendwo einen Schnipsel, der die eigene Ideologie unterstützt. Und man findet schnell etwas, um gegen Rechte oder Linke zu schreien, um gegen Ausländer oder den Islam zu wettern oder über die Regierung und die FPÖ-Wähler zu schimpfen. Jede Ideologie ist schnell bedient, wenn man will. Nur Ideologie löst keine Probleme. Im Gegenteil. Man macht es sich zu einfach. Als ich vom Biber zur Krone" geholt wurde, sagte ich, dass ich wahrscheinlich kaum der größte Fan der Zeitung bin.  Machen Sie es doch besser!", kam als Antwort zurück. Vielleicht könnten alle mal wieder ihre Scheuklappen ablegen und dazu übergehen, es sich zumindest nicht zu einfach zu machen.

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Kommentare

 

Maida Dedagic schreibt, ihr geht die Scheinheiligkeit auf die Nerven. Linke wollten ja mehr Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund in der Medienlandschaft. Ja, das schon, aber wenn sie dabei eine Zeitung unterstützen, die sich durch Rollenklischees und Hetze auszeichnet, erfüllt das den Sinn hinter dem Wunsch nicht ganz. Da ist Kritik keineswegs scheinheilig.

Ihr Kommentar zeigt mit dem Finger zurück und wirft lediglich Gegenvorwürfe auf, als auf die Kritik zu antworten. Natürlich ist es ok, Scheinheiligkeit zu kritisieren, aber wenn "Ihr seid doch auch nicht perfekt." eine valide Antwort auf Kritik ist, dann dürfte Kritik nie geäußert werden.

Am Ende sind viele Fragen offen geblieben: Sie schreibt "Sachlich macht es überhaupt keinen Sinn, warum ich oder irgendjemand anderes nicht bei der „Krone" arbeiten sollen dürfte. " Ich würde gerne wissen, warum es sachlich Sinn macht, bei der Krone zu arbeiten.
"Als ich vom Biber zur 'Krone' geholt wurde, sagte ich, dass ich wahrscheinlich kaum der größte Fan der Zeitung bin. 'Machen Sie es doch besser!', kam als Antwort zurück." - Ich würde gerne wissen, wie sie es besser macht. Mich würde ehrlich interessieren, ob sich die Krone von innern verändern lässt, wie sehr sich das was sie schreibt vom Durchschnitt unterscheidet/unterscheiden darf. Ich weiß es nicht, denn ich investiere mein Geld lieber in andere Zeitungen als der Krone, dafür erhoffe ich mir auch, Sachen erklärt zu bekommen und für meine Meinung nicht unbegründet als scheinheilig bezeichnet zu werden.

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