Wien ist anders

08. März 2015

Als Migrantenkind ist man immer stolz darauf eine zweite Kultur, Sprache und Heimat zu haben. Man hat die Option, das Beste aus dieser Vielfalt, die man erlebt, zu kombinieren und wird zu einem lebendigem Mosaik. Als Kind war meine Antwort immer “Ägypten”, wenn mich jemand fragte, woher ich komme. Ich war stolz darauf, eine Tochter des Südens zu sein. Als ich etwas älter wurde, merkte ich, dass ich gar nicht so südländisch ticke.

Die europäische Denkweise schlich sich in meine Einstellung ein und ist zu einem großen Teil heute noch da. Aber mein Europa ist klein, mein Europa ist Wien. Diese Stadt, die zum sechsten Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt wurde, ist mein zu Hause.

Aus den Augen Aus dem Sinn?
Quatsch! Erst wenn man außerhalb dieser Stadt ist, vermisst man sie abgöttisch. Ich würde in diesem Moment für Kaiserschmarrn in Erdbeersoße töten! Ich vermisse den Duft von Lebkuchen und die Stimmung der Innenstadt zur Weihnachtszeit. Apropos Weihnachtszeit: Schnee ist purer Luxus! Wenn man in der Wüste lebt, ist es zwar ganz lustig, Sand zwischen den Zehen zu haben, es wäre aber auch schön, normal atmen zu können, wenn man auf der Straße ist und: Sandstürme sind echt nicht lustig. Schon gar nicht, wenn die Fenster so “stabil” sind, dass die Hälfte vom Sturm bei dir daheim liegt und du den Dreck putzen darfst – jeden Tag.

Nix Transport
London, Barcelona, Rom, Amsterdam, Alexandria, Malaysia, Dubai und Kuwait. Sie alle haben eines gemeinsam: Keine g´scheit vernetzten Verkehrsmittel. Wien ist verkehrstechnisch so gut vernetzt, dass man theoretisch kein Auto braucht. In Kuwait wissen die Taxifahrer niemals, wo genau dein Ziel liegt, rufen einen Verwandten an (auch Taxifahrer) und sie versuchen dann zusammen herauszufinden, wo du eigentlich hin möchtest. Es gibt zwar eine (!) Buslinie, aber keine Haltestellen, keine geregelten Zeiten und oft auch keine bestimmte Stationen.

Die Moral von der Geschicht….
Auch wenn du Wien vergisst, Wien vergisst dich nicht. Wenn ich daran denke, was für Frühlingsgefühle ich jedes Mal habe, wenn ich die Mariahilferstraße entlanggehe, mein ganzes Erspartes in den Geschäften auf der Kärnterstraße ausgebe und mich in Wiener Kaffeehäusern mit Kuchen und heißer Schokolade vollstopfe, während ich Artikel schreibe, erkenne ich erst, wie wichtig mir diese Stadt doch ist. Und es spielt keine Rolle, wie weit oder wie lange ich weg bleibe, denn ein Teil von mir ist immer noch da. Dort, wo ich das letzte Mal in Wien aus ganzem Herzen lachte.

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