Wien vs. Berlin

18. Februar 2016

Wenn das Berliner renk.magazin auf biber in Wien trifft. Renk-Redakteurin Nur Şeyda Kapsız schreibt in ihrem Gastbeitrag über ihren Eindruck von der österreichischen Bundeshauptstadt.

renk
renk-Redakteurin Nur Şeyda Kapsız

Wien ist die einzige deutschsprachige Stadt, die mit Berlin mithalten kann

von Nur Şeyda Kapsız

Ich bin Berlinerin und schreibe für renk. (renk-magazin.de), ein deutsch-türkisches Onlinemagazin mit Sitz in Berlin. Vor sechs Monaten habe ich aus beruflichen Gründen meine geliebte Heimatstadt verlassen und bin in die Nähe von Wien gezogen, genauer gesagt ins ungarische Györ an der Grenze zu Österreich. Da an Wochenenden in Györ nichts los war, begab ich mich so oft ich konnte nach Wien. Bereits zwei Wochen nach meinem Umzug überkam mich die Sehnsucht nach türkischen Gerichten. Ich hätte alles für Sucuk (Knoblauchwurst), Kaymak (Sahne), türkischem Mokka und Pastırma (Schinken) gegeben, doch leider fand ich nichts davon in Györ. Ein türkischer Supermarkt musste her. Google erledigte alles weitere, und nur wenige Tage später fand ich mich im Aycan Market in Wien am Mexikoplatz wieder. Endlich konnte ich mich mit „Überlebenslebensmitteln“ eindecken.

Der September war heiß und ich spazierte durch die Wiener Straßen, um die Stadt kennenzulernen und konnte meinen Augen nicht glauben. Alles war vollgekleistert mit FPÖ-Plakaten: „Wien darf nicht Istanbul werden“, „Mehr Mut für unser Wiener Blut. Zu viel Fremdes tut niemandem gut“, „Liebe deinen Nächsten, für mich sind das unsere Österreicher“, „Abendland in Christenland“, „Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe“. Als Deutsch-Türkin gaben mir diese hirnlosen Sprüche ein mulmiges Gefühl.

Zum Glück hat Wien so viele verschiedene Facetten und Farben zu bieten, dass ich die FPÖ-Parolen schnell verdrängen konnte. Bevor ich nach Wien kam, dachte ich, dass keine Stadt in Europa mit Berlin mithalten kann. Doch nun gibt es Konkurrenz: WIEN. Mit dem riesigen Kulturangebot, der wunderbaren Architektur, den schnellen „Öffis“ (wie man die öffentlichen Verkehrsmittel hier so süß bezeichnet) ist Wien mehr als eine Reise wert. Es ist nicht so überlaufen wie Berlin, es ist viel sauberer und sogar die Weihnachtsmärkte sind prächtiger als in meiner Heimat. Und wenn man mal als Berlinerin Sehnsucht nach Kreuzberg bekommt, kann man einfach über den Brunnenmarkt oder den Naschmarkt schlendern.

Man will halt immer das, was man nicht haben kann. Bei mir ist das momentan Döner – natürlich nur das Berliner Original. Eine gut informierte Quelle gab mir einen heißen Tipp für die beste Dönerbude Wiens und wenig später stand ich in der Zieglergasse im 7. Bezirk vor einem Laden mit der vielversprechenden Aufschrift "Berliner Döner". Kritisch probierte ich ihn und kann hiermit offiziell bestätigen: schmeckt wie in der Heimat.

Ja, Wien ist toll. Wien ist schön. Wien hat Charme. Wien kann definitiv mit Berlin mithalten. Aber ob die Gastfreundschaft der Österreicher an die der Berliner herankommt, das bezweifle ich.

Auch biber-Redakteur Onur hat ein Gastbeitrag für das Berliner renk.magazin verfasst:

Mehr Texte von Şeyda gibt es auf www.renk-magazin.de

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