Willkommen in Österreich

29. Januar 2013

Willkommen in Österreich


Der mehrsprachige Redewettbewerb „Sag’s Multi“ ist wieder am Laufen. Ich war bei einigen Terminen als Gastmoderatorin dabei. Während ich den Schülern zuhörte, verfiel ich ins Grübeln.

Trauer und Wut vermischten sich mit Stolz, als ich mir eine Rede nach der anderen über  die Zukunftsvorstellungen und Träume dieser Kinder anhörte. Wut und Trauer überkamen mich wegen der Engstirnigkeit mancher Österreicher, die Mehrsprachigkeit noch immer nicht als Schatz dieses Landes zu würdigen wissen. (Stichwort: “Do wird Deitsch g’sprochen!”) Und Stolz, weil diese Kinder Jahr für Jahr beweisen, dass Österreich mit ihnen, als Kinder dieses Landes, längst nicht mehr ein-, sondern mehrsprachig ist.


„Ihr kränkt uns, ohne es zu wissen.“
Sofie, 12 Jahre alt, ließ uns auf Dänisch und Deutsch an ihren Gefühlen teilhaben. Ausländerfeindliche Plakate kränken sie. Und wie auch Sofie, kränkt “ihr” damit wahrscheinlich auch zahlreiche andere Kinder eures Landes, die hier geboren und aufgewachsen sind. Wenn Ausländer kriminelle Taten verüben, kommt ihr in den Foren österreichischer Medien so richtig in Fahrt. „Dreckspack“ nennt ihr uns, „abgeschoben“ gehören wir. Um die Steuergelder tue es euch Leid, welche für Gefängnisaufenthalte von Ausländern in die Staatskasse fließen. Als ob sich unser einer nicht ärgert, wenn sich Vergewaltiger, Kinderschänder, Räuber - österreichisch oder auch nicht - in den Gefängnissen von den Steuerzahlern erhalten lassen. Und die finanziert der Kepabstandbesitzer genauso, wie jeder andere steuerpflichtige Urösterreicher. Nur schreit dann keiner, dass österreichische Kriminelle abgeschoben gehören, weil sie ja Bürger dieses Landes sind. Unlängst berichtete die Krone über eine Kriminaltat, verübt durch einen Ausländer, und betonte dabei: “..so wie hunderte andere kriminelle Ausländer, die unser Land unsicher machen.”
Danke liebe Kronen Zeitung für die Angstmache und Warnung vorm bösen Ausländer!

 

„Die hassen uns!“

In den Köpfen der Leser wird so eine ganze Invasion an Räubern und Vergewaltigern “not made in Austria” gezeichnet, von denen sich der anständige Durchschnittsbürger sicher anscheißen muss. Welche Gefühle in Durchschnittstschuschen Ivana & Co durch solche Meldungen ausgelöst werden?
Noch bevor meine Wut über die kriminellen Arschlöcher verfliegt, überkommt mich eine neue beim Lesen der Kommentare meiner österreichischen Landsleute. Mir wird der allgemeine Ausländerhass dieses Landes ins Gesicht geklatscht. „Die hassen uns!“ manifestiert sich als Gefühlszustand. So wie bei Sofie, die sich durch die FPÖ-Plakate nicht in diesem Land willkommen fühlt. Dabei ist Österreich für diese Kinder die Heimat, weil sie keine andere kennen. Doch ständig wird ihnen vermittelt, nur Gäste zu sein, die hier geduldet werden. Und wem ständig das Gefühl vermittelt wird, ein Gast zu sein, der wird sich auch als Gast fühlen und nie zuhause ankommen.

 

Von Ivana Martinovic

 

 

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