Zehn Jahre mit Biber.

21. Oktober 2016

Jede Geschichte hat einen Anfang. Meine mit biber fing am schwarzen Brett an der Uni Wien an. Neues Stadtmagazin sucht Redakteure mit Migrationshintergrund. Ausländer gesucht? Ehrlich? Das war neu und ich überrascht.

Noch im Publizistikstudium fest steckend, keinen blassen Schimmer, ob ich jemals für ein österreichisches Medium arbeiten würde und welches das sein könnte, stand ich da. Nicht unbedingt selbstbewusst, Kontakte in die Chefetagen Null, eher damit beschäftigt durch Gelegenheitsjobs das Leben zu finanzieren. Praktika? Sah nicht gut aus. Und dann bamm! biber sucht. Es gab zwar keine Kohle, aber da war plötzlich einer, der genau das braucht, was du mitbringst. Geschichten aus deinem Umfeld, in einer gemeinsamen Sprache, egal ob In- oder Ausländer. Damit wir Einblick gewähren in Lebenswelten, in denen wir uns auskennen, weil wir selbst Teil davon sind. Plötzlich gab’s da die Plattform, wo du publizieren konntest und die Möglichkeit bekommst zu beweisen, ob du journalistisch was kannst oder nicht. Hast du ein Gefühl für die Geschichte oder nicht? Kannst überhaupt g’scheit schreiben? Und so fing es an. Beworben und eingeladen, nein nicht eingestellt. Weil man bei biber nicht eingestellt wurde. Man konnte mitmachen, Ideen einbringen, mit dabei sein, wenn etwas ganz Neues entsteht, was es bis dahin in der Form in der österreichischen Medienlandschaft nicht gab. Ohne Redaktionsräume saßen wir zusammen. Anfangs beim Verein Echo, der uns Unterschlupf gab, dann in Cafés, in denen Geschichten besprochen wurden. Und was für Geschichten. Übers “Hatzn am Gürtel” und den heimlichen Treffen der Typen mit ihren aufgemotzten Karren, die sich auf der Triester Straße an der Tanke treffen. Der alte Südbahnhof stand noch und in seiner Parkgarage gab’s den “Flohmarkt” mit Fakesachen von Gucci, Armani, Versace & Co, wo Ausländer gern shoppen gingen. Plötzlich war keine Geschichte schräg genug, abgedruckt zu werden. Vieles war neu für die “Schwabos” in der Runde, wo klar wurde, dass Aufklärungsbedarf besteht. Politisch korrekt musste nicht immer sein. Vor allem, wenn Selbstironie und Selbstkritik irgendwie zur Blattlinie dazu gehören. Viele Leute kamen und gingen. Es zeigte vor allem, wie viele es von uns gab, die mitmachen wollten und den Gedanken hinter biber gut fanden und verstanden. Auch wenn viele nicht mehr biber auf der Visitenkarte stehen haben und beruflich andere Wege eingeschlagen haben, ohne biber wäre vieles anders gewesen und wurde erst durch biber möglich. 

Nach außen ist es ein Stadtmagazin, wie viele andere. Wenn ich auf die zehn Jahre zurückblicke, bleibt es für mich immer die Idee, jungen Journalisten eine Chance zu bieten, Geschichten zu erzählen, jemanden zu haben, der diese Geschichte hören will und dir hilft sie einem breiten Publikum zu zeigen. Und wer weiß? Vielleicht hätt ich sonst nie den Bundespräsidenten getroffen. Und nicht nur ihn, sondern eine Menge toller Menschen mehr, die uns ihre Geschichten erzählt haben.

Danke!
Happy birthday biber!

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