Zoran Barisic: "Ich war enttäuscht vom Nationalteam"

02. November 2009

Rapid-Jugendtrainer und Freistoßgott Zoran Barišic über die gute alte Zeit, Tschuschen im Park und das Verhältnis zu Peter Pacult.

 

Zoran Barišić Freistosgott!“ – warum der 39-Jährige einer der ganz großen Publikumslieblinge in Sankt Hanappi war, wird uns schnell klar. Mit seinen leuchtend blauen Augen und seinem Dauerschmäh klingen Geschichten uber seine Vergangenheit und seine Zukunft wie die spannendste Rapidviertelstunde.

 

biber: Kannst du Jugo sprechen? Im TV hörst du dich wie ein richtiger Weana an.

Zoran Barišić: Ja, klar spreche ich Jugo. Mein Vater kommt aus Konjic (Bosnien) und meine Mutter aus Gornji Milanovac, südlich von Belgrad. Mit ihnen habe ich mich immer auf Jugo unterhalten.

 

Und hast du dich als Kind, obwohl du in Wien geboren wurdest, als Ausländer gefühlt?

Ja, definitiv habe ich das zu spüren bekommen. Wobei ich noch den Vorteil hatte, dass ich durch meine blauen Augen und das blonde Haar nicht sofort als Ausländer abgestempelt wurde.

 

Gerade die Österreicher mit fremden Wurzeln wie Ümit Korkmaz und Yasin Pehlivan haben das Kicken im Park gelernt. Siehst du das auch so, dass die Käfigkicker technisch versierter sind?

Definitiv. Im Käfig spielst du oftmals gegen Ältere, noch dazu gegen einen Haufen Spieler. Da ist Ballbehandlung auf engstem Raum gefragt. Taktik lernst du dann im Verein.

 

Also musst du auch im Park angefangen haben?

Na klar! Alles begann im Reithoferpark im 15. Bezirk.

 

Für das österreichische A-Team hast du einmal gespielt, 1999 gegen Israel unter dem damaligen Teamchef Barić. Warum hat es nicht für mehr Einsätze gereicht?

Ich hätte locker mehr Länderspiele machen können. Ich war, was die Professionalität und die Organisation in der Nationalmannschaft betrifft, sehr enttäuscht. Bei Tirol (damaliger Klub von Barišić) hatten wir ein gutes Team. Da war das Training um einiges anspruchsvoller.

 

Mit Rapid hast du es 1996 bis ins Europacup- Finale geschafft. Wie hast du dich danach gefühlt? (Rapid hat 0:1 gegen Paris SG verloren)

Wir haben verloren und ich bin kein Mensch, der sich mit Niederlagen brüstet.

 

Da ihr so erfolgreich wart damals, hattet ihr viel Grund zum Feiern. Die Frage sei erlaubt: Wer war der Trinkfesteste von euch?

[Barišić lacht] Ehrlich gesagt gab es da einige Spieler, die auf einem hohen Niveau trinken konnten. Aufgrund der großen Erfolge hatten wir auch genügend Gelegenheiten. Namen kann ich keine nennen.

 

Von 2006 bis vor Kurzem warst du Co-Trainer beim SK Rapid. Es wird gemunkelt, Peter Pacult habe deinen kameradschaftlichen Umgang mit den Spielern nicht gutgeheißen.

Das sind alles Geschichten. Nur weil ich einen guten Draht zur Mannschaft hatte, heißt das noch lange nix. Ich hab’ auch einen sehr guten Draht zu unserer Putzfrau.

 

Was ist nun deine neue Aufgabe beim SK Rapid?

Ich bin Projektleiter von „Pro Rapid“. In diesem Projekt werden die besten Spieler von der U15, U17, U19 und den Rapid Amateuren zusammengefasst und auf ein noch höheres Level im Fußball gehoben. Individuelle Betreuung in den Bereichen Technik, Taktik und Persönlichkeitsbildung steht im Vordergrund.

 

Apropos Technik: Wer ist für dich der beste Freistoßschütze aller Zeiten und wer ist der beste momentan?

Bester Freistoßschutze aller Zeiten ist ganz klar Juninho (brasilianischer Fusballspieler, ehemals Lyon). Er hat aus allen Lagen getroffen. Zurzeit sehe ich die beiden Bosnier Misimović und Salihović ganz vorne mit dabei.

 

Wie wird man zu einem guten Freistoßschützen?

Indem man jeden Tag so lange übt, bis einen der Platzwart rausschmeißt. (Lacht)

 

Danke für das Interview Zoki!

Ka Problem, bis bald!

 

INFO:

"Zoki“, wie er liebevoll von Fans und Kollegen genannt wird, ist eines der ersten Gastarbeiterkinder, die in Österreich geboren wurden. Bekannt durch seine ausgefeilte Technik und überragende Freistöße, schaffte Barišić mit dem SK-Rapid 1996 den Einzug ins Europa-Cup-Finale. Dass die Mannschaft um Carsten Jancker, Trifon Iwanow und Dietmar Kühbauer im Endspiel mit 0:1 verlor, nagt noch immer am mittlerweile 39-jährigen Nachwuchstrainer. Barišić war das erste Gastarbeiterkind, das sein Debüt in der Nationalmannschaft gab und ebnete somit den Weg für viele weitere Nachwuchsstars wie Korkmaz oder Pehlivan.

Derzeit ist er Projektleiter von „Pro Rapid“, wo neben den fußballerischen Fähigkeiten, vor allem die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Spieler im Vordergrund steht.

 

 

von Amar Rajković, Dino Čehajić (Text) und

Lucia Bartl (Fotos)

 

 

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