In fünf Monaten kommt mein Vater raus.

Ich finde dass ich ganz anders als die anderen Kinder bin. Ich meine damit dass nicht alle Kinder Erfahrungen haben wie es in einem Gefängnis aussieht. Früher müsste ich noch in der früh um sechs Uhr aufstehen, damit wir pünktlich zur Besuchszeit kommen. Wenn wir dann vorm Gefängnis standen, war mir immer ganz komisch. Als wir dann rein gingen, mussten wir unsere Wertsachen einsperren, danach durch so eine Maschine gehen, damit die sehen, ob wir nicht was reinschmuggeln.

Die meisten Polizisten waren sehr freundlich zu uns. Wir mussten dann vor zur Rezeption und unsere Pässe herzeigen damit die uns dann eintragen können. Mein Bruder nahm dann immer die Nummer die wir bekamen. Das schlimmste war das Warten es kam mir so vor als würde ich 100 Jahre warten, ohne Handy ohne gar nix. Als sie uns dann aufgerufen haben lief dann meine kleine Schwester immer als erstes zur Eisentür. Ich habe drei Brüder und eine Schwester - ich bin die älteste. Wir hatten gottseidank fast immer einen Tischbesuch, ich hab es immer gehasst durch dieses Glas mit meinem Vater zu reden.

Es fühlte sich nicht echt an. Als wir dann gefunden haben zu welchen tisch sich mein Vater hingestellt hat liefen wir zu ihm und umarmten ihn. Ich habe auch öfters mal geweint aber dran kann man nix ändern. Mir kam diese eine Stunde, die wir bekamen so vor als wäre sie nur zehn Minuten. Er hat mir immer sehr leidgetan wenn er rein musste. Aber gottseidank wurde er versetzt das heißt einfach nur das er in einem anderen Bereich gekommen ist. Jetzt  muss ich nicht mehr jeden Sonntag so früh aufstehen, weil er jetzt Ausgang hat. Das heißt dass er fast jedes Wochenende zuhause ist und er bei uns übernachten darf und wenn er grad nicht bei uns zuhause ist dann ist er drinnen also im Gefängnis. Er hat jetzt auch ein Job bekommen und ich find das echt gut. Er darf sogar zur Arbeit alleine fahren und er darf ein Handy bei sich tragen, aber nur wenn er zur Arbeit fährt. Ich glaube, dazu muss man erst das Vertrauen aufbauen.

Ich vermisse schon mein Vater, aber wenn man etwas Schlimmes macht, muss man einfach ins Gefängnis, da ist man ganz allein schuld. Ich freu mich einfach, wenn jeder Monat weniger wird. Ich hoffe einfach, dass es nicht so lange dauert. Ich weiß jetzt schon, dass ich nie ins Gefängnis kommen möchte. Es ist einfach ganz schlimm in vier Wände eingesperrt zu werden. Ich frage mich manchmal so, wie das diese Person schafft, noch geistig oder psychisch in Ordnung zu sein. Das schlimmste wäre für mich ohne Internet zu sein, auch wenn man einen Fernseher hat. Mein Vater kann sich sehr gut an Situationen anpassen. Also das soll nicht heißen, dass es ihm jetzt bezaubernd geht. Ich meine damit, dass nicht jeder es schafft, sich an die Situation anzupassen. Hoffentlich, wenn dann mein Vater raus aus dem Gefängnis kommt, dass er sich beruhigt. Wenn er dann draußen ist, würde ich nicht wissen, wo ich mit als erstes mit ihm hingehen möchte. So viele Sache möchte ich mit ihm machen. Ich glaube, dass ich mit ihm, meiner Mutter und meinen Geschwistern  einfach zuhause bleiben würde und wir einfach zusammen als Familie den schönen Moment genießen können.

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