„Ich kontrolliere, was auf meinem Kopf ist.“

Ich stehe in der U-Bahn, im Bus oder in einem Supermarkt und schon fallen die komischen Blicke auf mich. Und weshalb werde ich schräg angeschaut? Wegen meinem Kopftuch. Seit zwei Jahren trage ich schon mein Kopftuch und immer wieder kommen Menschen zu mir und sprechen mich darauf an. „Wieso trägst du ein Kopftuch?“, „Ist dir nicht warm unter dem Tuch?“, „Du bist doch so jung, wieso tust du dir so etwas an?“ Oder ich werde auf der Straße beleidigt. „Du Terroristin, geh weg aus unserem Land!“

Reaktion auf die Umwelt

In der U-Bahn meiden es die Menschen um mich herum, neben mir zu stehen. Oder sie schauen mich an, als wäre ich ein Alien. Das gleiche ist auch im Supermarkt, wenn ich für meine Mutter oder etwas für mich kaufen gehe. Jeden Tag, ununterbrochen, werde ich von den Menschen angestarrt. Langsam habe ich meine Geduld verloren. Nur weil ich ein Kopftuch trage, muss es ja nicht heißen, dass ich ein anderer Mensch bin. Ich bestehe auch aus Fleisch und Blut und habe auch Gefühle.

Politiker haben das Sagen?

Heutzutage darf man nicht mal mit einem Kopftuch zur Arbeit gehen. Oder die Politik will, dass ein Kopftuch erst ab dem 16. Lebensjahr erlaubt ist, weil das Mädchen in dem jungen Alter angeblich nicht weiß, was sie will. Es ist unser Körper und keiner hat uns zu sagen, wie wir uns anziehen sollen.

Diese Gefühle, die in mir hochkommen, sind unbeschreiblich. Einerseits will ich die Person anschreien, weil sie mir nichts zu sagen hat, andererseits will ich einfach nur losheulen und weglaufen. So viele Emotionen kommen auf einmal zusammen. Die Menschen haben keine Ahnung, wie sehr diese Wörter verletzen können. Aber man sollte stark bleiben und keine Schwäche zeigen. Denn genau das ist ihr Ziel. Sei stolz auf deine Religion und lass dich wegen so was nicht runterkriegen. Das machen die, um dich zu provozieren. Trag erst dein Kopftuch, wenn du dir zu 100 Prozent sicher bist, damit du es nicht irgendwann bereust. Ich selber spreche aus Erfahrung. Ich wollte früher auch mein Kopftuch ablegen, weil ich es nicht ertragen konnte, dass Menschen über mich lästern oder mir komische Blicke zuwerfen.  

Nesrin ist 14 Jahre alt und besucht die BORG Henriettenplatz.

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