Sie nannten mich "Atom"

Mit 10 Jahren wechselte ich an eine sogenannte „Problemschule“. In den ersten zwei Klassen der Unterstufe war ich noch eher brav und habe mich an die Regeln der Schule gehalten. Doch dann in der 3 Klasse Unterstufe habe ich angefangen, denn Unterricht zu stören weil ich so die Aufmerksamkeit der Schüler hatte und alle mit mir befreundet sein wollten. Mit 14 fing dann alles an noch schlimmer zu werden. Ich wurde in eine WhatsApp-Gruppe eingeladen, in der sich über 50 radikale Serben befanden, von Hooligans, die sich zu Schlägereien verabredeten, bis hin zu rechtsradikalen Äußerungen, man solle nur untereinander bleiben, damit nur „reinrassige“ Serben gezeugt werden,  war alles dabei. Ich wollte unbedingt Kontakt mit ihnen haben, weil ich dachte das wäre cool. Durch die Gruppe fing ich mit kriminellen Machenschaften an. Am Anfang waren es nur kleine Sachen wie z.b ein Messer in der Hosentasche oder einen Schlagring zu besitzen. Das ging so das erste Halbjahr sehr gut, doch dann im Sommersemester fing ich mich an vor der Schule zu schlagen.

Nachdem ich die Schule doch noch irgendwie abgeschlossen hatte, wechselte ich an eine HTL, dort hatte ich denn Vorteil, dass viele der Schüler aus dem ehemaligen Jugoslawien kamen – so wie ich. Dort habe ich mir in den ersten zwei Monaten einen Namen aufgebaut, alle nannten mich Atom weil ich bei vielen Schlägereien vor der Schule mit nur einem Faustschlag den anderen zu Boden geschlagen habe. Natürlich kassierte ich oft Schläge und musste mit einem blauen Auge oder blutiger Nase nachhause gehen. Meine Eltern haben das irgendwie meistens nicht mal bemerkt weil sie lange arbeiten.

Wetten, Waffen und Weed

Im zweiten Semester fing ich an dort an der Schule Gras zu verkaufen von Schlagringen bis zu härteren Waffen, die ich von einem polnischen Bekannten bekam. Ich hatte meistens immer so einen richtigen Geldbatzen in meiner Hosentasche und das war ein geiles Gefühl. Ich habe mir immer alles gegönnt worauf ich Bock hatte und musste nicht wie früher schauen, ob ich genug Geld habe um mir das und jenes zu kaufen.

Doch im zweiten Semester fing ich mit dem Wetten an. Statt in der Schule zu sein, war ich im Admiral und habe meistens einen 50er Schein in den Automaten reingehaut, doch meistens verlor ich nur mein Geld, ich war richtig süchtig nach dem, ich musste manchmal mehrmals am Tag hingehen. Es wurde schon so schlimm, dass ich mein ganzes Geld verspielte. Am letzten Schultag musste ich ein Abmeldeformular unterschreiben, weil sie mich rausschmeißen wollten wegen meinen Fehlstunden. Ich hatte ungefähr in dem einen Semester 250 nicht entschuldigte Fehlstunden, dadurch musste ich mir eine neue Schule suchen aber niemand wollte mich aufnehmen mit meinem Zeugnis außer eine Hak. Hier kannte ich aber viele durch die Htl oder einfach durch die Straßenkämpfe und es fing an sich rumzusprechen, dass ich Gras verkaufe. Da mich die Polizei mit einem Schlagstock und ungefähr 3 gramm Gras erwischte,  fuhren sie mich nachhause und ja dort habe ich halt wirklich einmal so ärger bekommen auf serbischer Art und durfte auch lange nicht mehr raus.  Ein sehr guter Freund von mir war mir in dieser Zeit eine große Stütze. Er war früher selbst einmal kriminell und sagte mir, ich solle nicht dieselben Fehler wie er machen. Es war nicht wirklich leicht, doch ich kam da irgendwie raus auf mithilfe des Kampfsports, der mich irgendwie auf andere Gedanken gebracht hat und ich durch den Sport gar keine Zeit hatte, Blödsinn zu machen.

N. ist 16 Jahre alt und möchte anonym bleiben.

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