Was Männer wirklich wollen? Interessiert mich nicht.

Der Mann soll sich gewollt fühlen. Schenk ihm Aufmerksamkeit. Sei für ihn da, höre ihm zu, aber sei nicht zu aufdringlich. Das mögen Männer nicht. Sei keine Besserwisserin. Mach dich interessant. Gib nicht sofort alles von dir preis. Sei unnahbar. Verschlossen sein ist langweilig. Mach dich schick, doch übertreib es nicht. Zu viel Make-Up ist unattraktiv, Jogginghosen ebenso. Gib ihm das Gefühl dein Held zu sein. Dann wird er dich behandeln wie eine Prinzessin.Dating

 

Woher ich das alles weiß? 

Ganz einfach: Ich habe das alles selbst schon erlebt. Habe ich mich vor einem Freund zu häufig über die Themen, welche mir wichtig sind geäußert, war ich zu selbstbewusst. Datet eine Feministin einen Mann, kommt es des Öfteren vor, dass dieser von seinen Freunden vor „den Gefahren der Frauenrechtlerin“ gewarnt wird. Ich würde ihm seine „Männlichkeit“ rauben.

 

Dating ist kompliziert, vor allem als Feministin

In den Köpfen vieler Männer steckt nach wie vor ein sehr altmodisches Bild einer heterosexuellen Beziehung fest. Der Mann ist der Hausherr, der Beschützer, der Hauptverdiener. Die Frau soll sich ihm unterordnen, ist für Haushalt und Kinder zuständig. 

 

Heterosexuelle Feministin in einer immer noch antifeministischen Gesellschaft zu sein, ist definitiv kein Zuckerschlecken. Nicht selten bekomme ich Sätze wie „Kannst du nicht mit diesem Emanzenwahnsinn endlich aufhören? So wirst du nie jemanden bekommen“, „Sei nicht so energisch, Männer mögen das nicht“ an den Kopf geworfen. Ein Freund meinte letztens zu mir, ich soll doch froh sein, wenn ich jemanden habe, der auf mich aufpasst. Eigentlich wollen Männer, dass ich alle meine Ansichten über Bord werfe, wenn ich einen Partner möchte. Mich wie ein Kleinkind verhalten soll, das jemanden braucht der auf es aufpasst.

 

Alleine bei dem Gedanken, dass ich mich so benehmen soll, dreht sich mein Magen um. Denn so möchte ich nicht sein, so bin ich nicht. Ich bin kein Spielzeug, kein Schoßhündchen, das hüpft wenn es das Herrchen will. Ich brauche niemanden der auf mich aufpasst und schon gar keinen Mann! Denn bis jetzt habe ich mich noch nie in einer Situation befunden, in der mir ausschließlich jemand mit einem Penis weiterhelfen hätte können. Dass sich das irgendwann ändert kann ich mir eher weniger vorstellen. Wieso kann ich nicht einfach ich selbst sein? Wieso muss ich mich verstellen? Warum glauben so viele Männer immer noch wichtiger zu sein als Frauen?

 

„Das ist aber schon sehr freizügig.“

Wer glaubt, dass ich mir das gerade alles nur ausdenke, liegt leider falsch. Einige, wenn nicht sogar die meisten Männer, ticken genauso. Man muss sich nur in seinem eigenen Bekanntenkreis umsehen und schon merkt man, dass von Gleichberechtigung keine Spur vorhanden ist.  Auch die meisten meiner männlichen Freunde verhalten sich genau so. Wenn ich mitbekomme wie mit meinen Freund*innen umgegangen wird, könnte ich platzen vor Wut. Es beginnt schon damit, dass ihnen vorgeschrieben wird was sie auf Instagram posten dürfen. Wenn laut dem Freund ein bisschen zu viel Haut gezeigt wird, kann sich die Freundin auf eine Schimpftirade gefasst machen. Ist sie zu oft mit ihren Freund*innen unterwegs, nimmt sie sich nicht genug Zeit für ihn. Er hingegen kann natürlich keinen Männerabend ausfallen lassen. Das ist natürlich nicht alles, die Liste an Vorschreibungen ist endlos.

 

Geben und Nehmen statt Nehmen und Gehen

Wir Frauen sind keine Puppen, die man weglegt sobald man keine Lust mehr hat mit ihnen zu spielen. Wir funktionieren nicht auf Knopfdruck wie ein Gerät. Und wenn wir von Männern genervt sind, dann sicher nicht, weil wir gerade unsere Periode haben.

 

Auch ich habe noch nie einen Partner gehabt, oder einen Mann getroffen, der bei diesem Thema die genau gleichen Ansichten wie ich hat. Noch nie bin ich auf jemanden gestoßen der nicht davon ausgegangen ist, dass er nicht derjenige wäre der „die Hosen anhat“. Damit will ich nicht sagen, dass Frauen die Oberhäupter einer Beziehung sein sollten. Nein, genau das Gegenteil ist das was wir uns wünschen. Eine echte Beziehung besteht aus Geben und Nehmen und nicht aus Nehmen und Gehen. Es gibt keine Chefin und keinen Chef, sondern zwei gleichberechtigte, sich liebende Menschen, die für einander nur das Beste wollen.

 

Wir Frauen sind vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft und als solche wollen wir auch in einer Beziehung angesehen werden. Leider wird es bis dahin noch lange dauern, denn der Sexismus ist überall und ein Ende ist bei weitem noch nicht in Sicht. Ich werde also bestimmt weitermachen mit dem Emanzenwahnsinn. Denn bei mir liegt der Fehler nicht. 

Magdalena Kämpfer ist 18 Jahre alt und studiert Publizistik und Kommunikationwissenschaft im 2. Semester.

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