Advent, Advent – die Party rennt - A vino per day keeps your feelings away.

07. Dezember 2022

Ivana Cucujkić über ihr daily life.

 

 Meine Gastarbeitereltern kannten keinen Weihnachtskalender. Zumindest nicht die aufwendige Version davon. Dieses übermotivierte Befüllen einzelner, individuell gestalteter Jutesäckchen mit Zeugs, bei dem ich mir ur viel Gedanken gemacht und noch viel mehr ausgegeben habe, wird mit gelangweilter Unzufriedenheit quittiert. Hätt‘ ich einfach vierundzwanzig Mal etwas mit Spiel, Spaß und Schokolade hineingepackt. Oder gleich den konventionellen Fertigkalender vom Discounter besorgt. So wie meine Gastarbeitereltern damals. Ich habes so geliebt. Vierundzwanzig Stück Kakakomasse minderer Qualität, garantiert nicht fair-trade und bio, aus raschelndem Plastik herausdrücken und allesamt am ersten Dezember verputzen.

 

Sonic schlägt Kasperl

Meine Ferien waren mit unkontrolliertem Süßkramkonsum und Prinzessin Fantaghiro (90er Kids, wisst ihr noch?) ausgefüllt. Und aus mir ist doch auch was geworden. Vielleicht streiche ich heuer Kasperl, Haus des Meeres und Kindermuseum (ich glaub, ich mein das sogar ernst) und wir machen Youtube-Kids in Dauerschleife?

(Sub)Kulturellen Austausch hatten wir aber. Wenn wir die Cousins besuchten. Ganz nach dem pädagogischen Prinzip des freien Spielensverzogen sich die Mütter zum Coffee-Gossip ins Wohnzimmer, wir spielten Sonic auf der Sega Konsole und schauten Ketschen. The Undertaker und Hulk Hogan übernahmen den Bildungsauftrag. War es dem Wohnzimmer zu laut, flog schnell mal eine Detschn.

Oldschool-Moms haben das bisschen Me-Time noch richtig ernst genommen. Die Brut darf dabei sein, aber bitte unter dem Radar bleiben. Denn das Highlight des Jahres näherte sich und spätestens vor dem dritten Advent wusste jedes Jugokind, wohin es von seinen Eltern zu Silvester mitgeschleppt werden würde.

 

Kevin Kelly/Unsplash
Kevin Kelly/Unsplash

Glitzer, Tschik & Lepa Brena

r dieses Redcarpet-Event, im Society-Ranking gleich nach Hochzeit und 18. Geburtstag, kleideten wir uns alle neu ein. Puffärmelkleid aus Lederlook, Krawatte, Glitzerspray. Ganz, ganz viel Glitzerspray. Silvesterabend mein Freibrief zum Schminken. Mit Britney und Lepa Brena sozialisiert griff die 10-jährige Ivana stilsicher zum hässlichsten Kajalstift aus Mamas Schminktasche: Metallicblau zu Neujahr. Die Cousins wurden in Polyesterhosen mit Bundfalten gesteckt. Im Kollektiv sind wir irgendwann high vom Tschikkonsum der Väter – in diesem einen großen Bett eingeschlafen. Unsere Partyeltern ließen es derweil unbeeindruckt weiterkrachen.

 

Wir haben nichts von unseren Eltern gelernt

Wir hingegen sind zu langweiligen Boboeltern verkümmert. Verschenken Montessori in Naturpapier, backen Kekse aus echtem Teig, verzichten auf den echten Tannenbaum. Etwas Lametta könnte unser Leben echt vertragen. Stattdessen werden wir das fünfte Jahr in Folge zu Mitternacht in Jogginghose ohne Glitter am Gitterbett stehen und der (hoffentlich) schlafenden Brut die Ohren zuhalten, damit der Partykrach draußen bleibt. Klappt das, belohnen wir uns mit den Überraschungseiern aus dem Adventskalender und schauen Netflix zu Ende. Party hard! ●

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