"Mia san Wienerland!"

19. Februar 2016

von Jelena Pantić

„Geiler Scheiß, made in Austria.“ – Das ist die Fantasy-Serie Wienerland. Regisseur Jan Woletz und die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen Barbara Kaudelka und Jeannine Mik erzählen von Menschen, Elfen, Orcs und Rassisten.

biber: Ihr werdet mit Game of Thrones und The Walking Dead verglichen. Was ist Wienerland?

Jan: Eine österreichisch produzierte Fantasy-Western-Serie auf Englisch. Die Vorgeschichte ist: Menschen haben um die Jahrhundertwende hier zu wenig Platz gehabt und sind auf Schiffen auf einen anderen Kontinent übersiedelt. Dort lebten magische Lebewesen, die von den Menschen unterworfen wurden. Es gibt Menschen, die das unrecht finden und jene, die sich alles aneignen wollen und dann gibt es noch Magie. Und das eben in einen Fantasy-Western verpackt. Wir drehen im Prinzip eine internationale Produktion ohne Kohle.

Barbara: Es ist eine große Ehre mit so großen Produktionen verglichen zu werden. Ich bin relativ spät dazu gestoßen. Mein erster Eindruck war aber: „Wow, geiler Scheiß! Made in Austria.“ Es ist einerseits Unterhaltung mit vielen interessanten Charakteren, andererseits auch Gesellschaftskritik, die gegenwärtiger nicht sein könnte. Zudem für uns Schauspieler richtig schön zu spielen, denn man kann wirklich Gas geben.

biber: Welche gesellschaftlichen Aspekte werden kritisiert?

Jan: Auf jeden Fall Rassismus, denn die magischen „Andersartigen“ werden unterdrückt. Es gibt eine Citywatch, die das ausführt und Nazi-Uniformen trägt. Jedenfalls gibt es in Wienerland keine Schwarz-Weiß-Malerei, auch die vermeintlich Bösen lassen mal ihre Masken fallen.

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Die City-Watch-Uniformen haben sie spottbillig in einem Kostüm-Verleih spottbillig bekommen und umgenäht. (Foto: Wienerland Productions)

biber: Erster Mood-Teaser 2014 im U4, dann Premiere der ersten Folge bei der Comic Con 2015. Wie hat sich Wienerland entwickelt?

Jan: Die Idee wird seit 2007 bearbeitet. Es hat als „Orcs am Würstelstand“-Geschichte begonnen. Kommen ein Orc und ein Zwerg zum Würstelstand, treffen einen Magier und es kommt zu einer namenlosen Schießerei. Davon ist es jetzt ziemlich weit entfernt, wir gehen nun mehr in die Tiefe der Charaktere.

Jeaninne: Ich bin von Anfang an dabei. Und ich hab zwar gewusst, dass es gut wird, ich wusste nur nicht, dass es so gut wird. Wenn man sich ansieht, welches Budget wir haben, ist das beachtlich. Es wurde so viel Zeit, Liebe und Kraft von allen Beteiligten investiert. Für mich ist ein Level erreicht, an dem ich irrsinnig stolz bin, Teil von Wienerland zu sein.

biber: Was macht die Produktion österreichisch?

Jan: Es gibt die Struktur einer Monarchie, die ihre Wurzeln aus der österreichischen Geschichte zieht. Wir haben Crew und Darsteller aus Österreich und österreichische Drehorte. Wenn man unsere Gebäude ein bisschen am Computer bearbeitet, hat man wunderschöne Kulissen, die sie in Hollywood um Millionen erst hinbauen müssen. Und wir haben’s einfach hier stehen.

biber: Schöne Erfrischung: In Wienerland gibt es viele starke Frauenrollen, die eventuell noch stärker werden. #frauenpower

Babs: Ich find’s großartig, weil es auch wirklich an der Zeit war. Ich bin eine ganz starke Verfechterin davon, dass Frauen einander den Rücken stärken - Schwesternpower. Das spiegelt sich auch in den Rollen wider: Mina würde ihr Leben für ihre beste Freundin Atalja geben. Die Stärke einer Frau erkennt man daran, wie sie mit anderen Frauen umgeht.

Jan: Nach der Premiere sind drei kleine Mädels zu mir gekommen und meinten: „Die Mina ist so cool, bitte mach, dass sie nicht stirbt!“

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Barbara Kaudelka hat sich sofort in die Rolle der Powerfrau Mina verliebt. (Foto: Wienerland Productions)
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Atalja, gespielt von Jeannine Mik und Mina spielen beste Freundinnen und sind auch in echt ein Herz und eine Seele. (Foto: Wienerland Productions)

biber: Wie ist die Stimmung am Set?

Alle drei: Unglaublich.

Jeannine: Das ist bisschen Standard zu sagen, dass das Set wie eine Familie war. Aber ich schließe mich dem hier gerne an. Die Leute sind der Hammer. Ganz tolle, talentierte Menschen, die an dasselbe glauben und daran arbeiten – es war ua lustig und ua leiwand. Trotz bis zu 20 Stunden langer Drehtage hat nicht einmal jemand gemotzt. Bei Drehschluss wurde dann auch die eine oder andere Träne vergossen.

biber: Wie geht es mit Wienerland weiter? Was braucht ihr, um euer Ziel zu realisieren?

Jan: Nur Geld. Wir haben das Serienformat und genug Stoff für fünf Staffeln. Derzeit verhandeln wir mit Produktionsfirmen und mit mehr Budget für World Creation könnten wir eine noch viel stimmigere Geschichte erzählen. Zudem haben 85% der Beteiligten gratis mitgearbeitet. Zumindest die Darsteller möchten wir bezahlen können. Ich möchte aber mit meinem Cast weiterdrehen. Natürlich möchten wir Geld verdienen, aber ich möchte einfach meine Geschichte weitererzählen, das ist mir das Wichtigste. Und wenn die letzte Möglichkeit Crowdfunding ist, dann machen wir eben das.

 

biber Senf: Die erste Folge gab es auf der Comic Con 2015 zu sehen. Diverser und ausgezeichneter Cast, düstere Stimmung, starke Frauenrollen mit der perfekten Mischung aus badass und girly – alles in allem: coole Story, tolle Charaktere und tiefsinnige Dialoge. Außerdem spielt unsere ehemalige biber-Stipendiatin Marie-Noel Mtwa als Rebellin mit, was doppelt cool ist. Also bitte irgendwer: Finanziert’s den Shit, wir wollen wissen wie es weitergeht!

 

 

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