Vom Brainfuck auf die Leinwand

26. Februar 2021

In Arman T. Riahis Film „Fuchs im Bau“ fängt der Protagonist Hannes Fuchs nach einem schweren Schicksalsschlag einen Job als Gefängnislehrer an. Gemeinsam mit Hauptdarsteller Aleksandar Petrović sprach der Regisseur mit biber über den neuen Film, geschlossene Kinos und das Krisenmanagement der türkis-grünen Regierung.

Interview: Nada El-Azar

Der Regisseur Arman Riahi;  © Riahicivoryrosephotography
© Riahicivoryrosephotography

BIBER: Wie genau entstand die Idee für „Fuchs im Bau“?

ARMAN T. RIAHI: Vor zwölf Jahren habe ich für meine erste Doku „Schwarzkopf“ recherchiert, die von Jugendlichen mit Migrationshintergrund handelte, die sich nicht als Teil der österreichischen Gesellschaft wahrgenommen haben und kriminell wurden. Dabei wurde ich letztlich an die Justizanstalt Josefstadt verwiesen und traf junge Häftlinge sowie den Gefängnislehrer Wolfgang Riebniger. Das war sehr faszinierend, zumal ich gar nicht gewusst hatte, dass so etwas wie eine Gefängnisschule überhaupt existiert. Ich sah ihm damals bei der Arbeit über die Schulter und wusste sofort, dass ich darüber einen Film drehen wollte. Die Figur des „Neulings“ Hannes Fuchs in der Gefängnisschule und das Geschehene dort ist inspiriert von wahren Begebenheiten.

 

Wie bereitet man sich auf die Hauptrolle des Hannes Fuchs vor?

ALEKSANDAR PETROVIĆ: Anders als bei Fernsehproduktionen, kann man sich beim Film wirklich Zeit zum Recherchieren nehmen. In der Handlung des Films gibt es Anknüpfungspunkte für mich als Darsteller, mit denen ich mich intensiv beschäftige. Ich war oft im Gefängnis und habe Bücher gelesen. Ich habe sogar über Füchse gelernt, weil die Figur Fuchs heißt – manchmal findet man da eine spannende Schnittstelle. Und ich habe ja das Glück, mit Arman einen Regisseur zu haben, mit dem ich gemeinsam das Drehbuch geschrieben habe und ewig über die Figuren im Film „brainfucken“ kann.

Der Hauptdarsteller Aleksandar Petrović; © Carmant Riahi
Der Hauptdarsteller Aleksandar Petrović; © Carmant Riahi

Neben dir sind noch andere bekannte Gesichter wie Maria Hofstätter und Sibel Kekili zu sehen.

ALEKSANDAR: Ich wusste zuerst nicht, dass ich die Hauptrolle bekommen würde. „Fuchs im Bau“ ist Armans zweiter Spielfilm, und das ist nicht zuletzt eine große Vertrauenssache, auch wenn wir seit 20 Jahren befreundet sind und lange unsere Leidenschaft für Film teilen. Die Besetzung muss immer auch vor der Produktionsfirma gerechtfertigt werden. In „Die Migrantigen“ spielte ich auch schon eine der Hauptrollen.

ARMAN: Bei „Die Migrantigen“ war es schön, dass zwei relativ unbekannte Schauspieler rund 100.000 Zuschauer ins Kino locken können. Sonst setzen Regisseure ja oft auf Zugpferde, also große Namen. Damals war es irgendwo auch Kalkül gewesen, dass in den Nebenrollen sehr bekannte Schauspieler mitgespielt haben. Bei „Fuchs im Bau“ geschah das weniger durch Kalkül, als dadurch, dass unsere Schauspieler*innen vom Drehbuch überzeugt waren. Es ist ja nicht so, dass man uns Ausländern einen Gefallen getan hätte. (lacht)

 

Welche Konsequenzen hat die Corona-Pandemie auf das Filmemachen? 

ARMAN: Ich hatte Glück im Unglück, da unser Film fertig geworden ist. Die Dreharbeiten waren nur minimal von der Pandemie betroffen – aber dafür die Auswertung. Der Film sollte auf Festivals kommen, und im Kino gespielt werden. In der ganzen Szene herrscht eine große Vorsicht vor Kinofilmen, durch die unsichere Lage. Viele verkaufen daher ihre Filme an Streaming-Plattformen, aber ich mache einfach Filme fürs Kino und möchte Projekte nicht online verbraten, wo man im Überangebot untergehen kann. 

 

Herrscht in der Szene eine Skepsis gegenüber Netflix und Co.?

ARMAN: Bei mir persönlich sind Streaming-Plattformen nicht verpönt, aber es gibt dort schon viel Mittelmäßiges zu finden. Selbst wenn wir einen Film online verkaufen, würden wir auf einen Kinostart in Deutschland, Österreich und der Schweiz bestehen. Aber es wäre auf jeden Fall eine Option, wenn die Spielzeit im Kino zu Ende ist.

 

Seid ihr zufrieden mit dem aktuellen Kulturmanagement der Regierung?

ARMAN: Von Freunden aus der Szene habe ich mitbekommen, dass es sehr schlecht läuft mit den Antragsstellungen und der finanziellen Hilfe. Ich kenne mindestens drei Filmemacher, die durch die Pandemie vor dem Konkurs stehen. Man muss der Tatsache ins Auge sehen, dass Kultur und Film in Österreich keinen besonders großen Stellenwert bei den Regierenden haben. Egal ob ÖVP, Grüne oder SPÖ. Die Kulturszene ist, neben der Gastronomie, die am schwersten getroffene Branche.

ALEKSANDAR: Ich habe keine Unterstützungen beantragt und kam irgendwie so durch. Wir schreiben parallel schon an den nächsten Drehbüchern, für die wir schon vor der Pandemie Förderungen bekommen haben. Vergangenes Jahr gab es für mich ab August auch einige Drehs, also komme ich gerade zurecht. Aber Theater und die freie Szene? Denen geht es wirklich schlecht. Ohne Publikum kann man nicht spielen. Und was ich von den Proben mitbekommen habe: Manche Ensembles sind kein fixes Team, sondern kommen für einen Zeitraum zum Arbeiten zustande. Durch ständige Verschiebungen fallen Produktionen aber einfach auseinander und aus.

 

Wie geht es euch mit den derzeit geschlossenen Kinos?

ARMAN: Durch die Pandemie mussten einige Kinostarts aufgeschoben werden. Im Oktober waren die Kinos ja nur einen Monat lang geöffnet, und unser Filmverleih musste andere Filme, die schon länger in der Warteschleife waren, vorziehen. Das ist natürlich blöd für uns, aber so geht es momentan allen in der Szene. Nun ist „Fuchs im Bau“ aber Eröffnungsfilm bei der Diagonale, die von 8. – 13. Juni in Graz stattfindet.

 

INSIDER LOCKDOWN-FILMTIPPS:
ARMAN T. RIAHI: „Glücklich wie Lazzaro“ (Alice Rohrwacher, 2018)
ALEKSANDAR PETROVIĆ: „Pieces of a Woman” (Kornél Mundruczó, 2020)

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