"Des brauch ma wirklich ned!"

02. August 2016

Liebe Wiener Fußgänger, Passanten und Spaziergänger,

ist ein höfliches „Nein danke, ich würde jetzt lieber kein Interview mit Biber-Praktikanten führen“ denn wirklich so schwer? Dieser kleine, nette Satz, der kaum 5 Sekunden eurer wertvollen Zeit in Anspruch nimmt, würde mir wirklich viel bedeuten und ist doch auch nicht zu viel verlangt, oder?

Klar, jeder kennt das Problem, wenn man in der Stadt unterwegs ist und plötzlich lauft einem eine Schar von jungen Leuten entgegen, alle in derselben T-Shirt-Farbe. Das können doch nur wieder diese nervigen Promoter sein, ist doch so? Oder manchmal kommen auch zwei junge Journalisten mit Notizblock und Aufnahmegerät und wollen ernsthaft mit einem reden, einfach nur lästig! Solang es nichts umsonst gibt sollen die uns doch bitte in Ruhe lassen! Gratis Kugelschreiber, immer her damit, aber ein Gespräch, nein danke!
Dass sowohl Promoter als auch Journalisten, die ein Interview führen wollen, lediglich ihren Job machen, um so wie jeder andere auch etwas Geld zu verdienen, versteht dabei wohl keiner. 
Natürlich will man an manchen Tagen einfach nur spazieren oder auf der Mariahilfer-Straße einkaufen gehen und nicht alle zehn Meter stehenbleiben und mit einem Fremden quatschen. Keiner nimmt es euch übel, wenn ihr euch nicht für ein Spenden-Abonnement oder ein Interview interessiert, aber könntet ihr nicht bitte wenigstens höflich zu uns sein, wenn wir es doch auch zu euch sind?
Ein banales „ Ich habe gerade keine Zeit, tut mir leid“, oder auch ein „ Nein danke“ mit einem Lächeln reicht vollkommen! Aber dieses finstere Vorbeihuschen und arrogante Ignorieren, ohne uns eines Blickes zu würdigen,  ist doch wirklich nicht notwendig. Als wenn das nicht schon unangenehm genug wäre, rennt ihr mich dann auch noch provokant nieder, nur damit ich auch ja verstanden habe, dass ihr mich ignorieren werdet. Wenn dann auch noch verbitterte alte Knacker plötzlich „Des brauch ma ned, hauts ab!“ rufen, dann könnte ich manchmal echt die Fassung verlieren.

Um das Ganze abzuschließen: Ich bitte euch, liebe Fußgänger und Passanten, seid doch wenigstens so höflich und würdigt uns einer Antwort, selbst wenn es nur ein knappes „Nein danke“ mit einem schnellen Lächeln ist. Ich wäre euch sehr verbunden und mein Tag wäre dadurch auch gleich um vieles schöner!

Mit freundlichen Grüßen,

die immer noch höfliche Interviewerin von der Mariahilfer-Straße,

Bella

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