Die Bad Moms von Instagram

11. April 2019

Genug von perfekten Insta-Muttis: Die deutschen It-Girls Bonnie Strange und Valentina Belleza gründen auf Instagram den „Bad Mom Club“ – und ermutigen Mütter, sich von ihrer unperfekten Seite zu zeigen. 

Von Aleksandra Tulej  

„Wieso hat dein Baby noch keine Haare?“, „Wieso stillst du nicht?“, „Sorry, aber musst du wirklich halbnackte Bilder von dir posten? Du bist doch jetzt schließlich Mutter!“.  Das ist nur ein Auszug der Kommentare, die die deutsche Influencerin, Moderatorin und Model Bonnie Strange auf ihrem Instagram-Account fast tagtäglich bekommt. Die 32-jährige Berlinerin mit russischen Wurzeln ist sehr präsent auf Social Media, vor allem auf Instagram. Mit ihren fast 830.000 Followern teilt sie viel aus ihrem Berufs- und Privatleben. Und gibt sich dabei einfach so, wie sie ist: Ob Fotos mit Zigarette, Oben-Ohne-Bilder oder Pics von ihren Tattoos. Für manch Follower Grund genug, sich Sorgen zu machen. Und die Bedenken mitzuteilen. Vergangenen Frühling wurde die Ex-„taff“-Moderatorin nämlich zum ersten mal Mutter.

Foto:Instagram/Valentinabelleza
Foto:Instagram/Valentinabelleza

„Du hältst dein Baby falsch!“

Kaum war Bonnies Tochter Goldie Venus auf der Welt, ging der Shitstorm auf Instagram los. Neo-Mama Bonnie wurde dafür kritisiert, auf welche Weise sie ihr Baby auf dem Arm hielt oder in welche Richtung sie ihren Kinderwagen drehte. Immer hieß es: Falsch, falsch, falsch. Follower schüttelten den Kopf darüber, wo sie denn ihr Kind gelassen hätte, wenn sie mal einen Abend ohne Baby unterwegs war. Große Empörung auf Bonnies Profil herrschte auch, wenn das Model mal ein freizügiges Foto veröffentlicht hat – etwa oben ohne. Natürlich mit zensierten Nippeln, alles andere würde Instagram ja nicht zulassen. Es hieß trotz aller Zensur seitens Follower dann, sie sei doch schließlich Mutter und solle nicht „solche“ Bilder posten. Die Kommentare wurden im Laufe des letzten Jahres nicht weniger – also drehte Bonnie den Spieß um.  „Mein Kind hat dieses Foto geschossen, natürlich”, konterte die Influencerin dann auf empörte Nachrichten über ihre Nacktheit. Und antwortet bis heute in diesem selbstironischen Ton auf ähnliche Kommentare. 

Denn die lassen sich nicht vermeiden: Der größte Teil von ihrer Arbeit findet online statt. Bonnie, die mit bürgerlichem Namen Jana Weilert heißt, ist, wie sie selbst sagt, „im Internet zuhause.“

 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Bonnie ihrer Tochter Goldie schon ein eigenes Instagram-Profil eingerichtet hat. In der Bio von Goldies Instagram stellt Mama Bonnie klar: „Helicopter not welcome“ – als Warnung an alle „Helikoptermütter“. Dieser Begriff bezeichnet überfürsorgliche Mamas, die ihre Kinder auf jedem Schritt kontrollieren und diese regelrecht „umkreisen“, wie das eben bei Hubschraubern der Fall ist. Die Influencerin hat bislang noch nicht das Gesicht ihres Babys auf Instagram gezeigt. Es reicht einigen besorgten Followern aber schon, wenn sie ein Bild von Goldie im Leoprint-Strampler postet. Sie fragen,  was dieses Muster denn an einem Baby verloren hätte und welche Rabenmutter ihrem Baby so etwas anziehe. Bonnies Reaktion? Sie veröffentlicht ein Foto mit dem Schriftzug „Bad Mom Club“ und fordert ihre Follower selbstironisch auf, sich für diesen Club zu bewerben. Unter dem Hashtag #badmomclub kommentieren Mütter aus aller Welt das Bild und teilen ihre „Geständnisse“ aus dem Alltag mit Kind und berichten über Situationen, die sie zu „Bad Moms“ machen - die Definiton dafür, dass niemand als Mutter perfekt sein muss. Auch nicht auf Instagram. Die Kommentare sehen dann etwa so aus: 

„Hab mein Baby im Hausflur vergessen“

„Hab mein neues Baby im Kindersitz im Hausflur vergessen“, gibt „headofalittleunicorn“ zu. 

„Kind hat Sand gegessen, musste also kein Abendbrot mehr machen. Bin ich drin?“, will „twoandahalfunicorn“ wissen. 

„Ich habe heute heimlich mit dem Kopf unter dem Tisch in mein Schokocroissant gebissen. Als ich gemerkt habe, dass mein Sohn mich beobachtet, hab ich so getan, als wäre nichts und habe versucht normal mit ihm zu sprechen, sodass er nichts abhaben will“ , kommentiert die Userin „krassmin“. 

„Ich zieh mir manchmal die Decke über den Kopf damit meine Kleine mich in Ruhe lässt und alleine spielt“, so der Kommentar von „roth.tanja.“

Ich habe Zwillinge gemacht, damit ich nicht mitspielen muss...“, schreibt „caroline.von.talstein“.

Andere Followerinnen bedanken sich bei Bonnie dafür, dass sie sich und vor allen anderen eingestehen dürfen, dass nicht immer alles heile Welt sein muss. Bonnie ging da nämlich schon vor Goldies Geburt mit einem Beispiel voran: So teilte sie öffentlich ihre Wut über den Vater ihres Babys, Leebo Freeman, mit. Der Musiker hat sie betrogen, als sie im neunten Monat schwanger war. Sie erzählte dann auf Instagram alles über das Ende der Beziehung, teilte mit, dass sie die Schlösser ausgetauscht hat. Aber auch, dass sie ihrem Kind den Vater nicht wegnehmen oder vorenthalten will. Für diese Transparenz wird sie von ihren Fans gefeiert – und von den - wie sie sie selbst nennt - oben erwähnten Helikoptermüttern, verurteilt. Eine, die Helikoptereltern genauso wenig ausstehen kann, ist Bonnies gute Freundin, das deutsche Tattoo-Model, DJane und Influencerin Valentina Belleza. Sie ist ebenfalls Mitglied in dem „Bad Mom Club.“ Die 26-jährige Valentina hat im Februar ihren Sohn Noe zur Welt gebracht und kann vom Thema Mom Shaming auf Instagram ein Lied singen: Bei 100.000 Followern auf Instagram und einem Tattoo am Hals polarisiert man eben.  Bei Valentina gingen die Kommentare los, schon bevor ihr Sohn überhaupt auf der Welt war. Ich habe mit Valentina gesprochen und sie gefragt, wie sie mit dieser ungebetenen Aufmerksamkeit umgeht. 

Foto: Instagram/valentinabelleza
Foto: Instagram/valentinabelleza

„Ich ghoste alle Dinkel-Muttis“

„Manchmal reicht es einfach, einen entkoffeinierten Kaffee in die Kamera zu halten. Zack, hat man schon die ersten zehn Nachrichten von besorgten Mamas, die dir erklären, wie schädlich Koffein für das Ungeborene ist“ , erzählt mir das Model. Sie versucht, die Kommentare mit Humor zu nehmen. "Wenn es mir aber zu doof wird, ignoriere ich es und ghoste alle Dinkel-Muttis“, so die 26-Jährige, die derzeit mit ihrem Verlobten und ihrem kleinen Sohn in Paris lebt. Die Frage, die Valentinas Follower am meisten zu interessieren scheint, ist, ob das Model ihr Baby stillt oder nicht.  „Falls nicht, dann soll ich mich doch bitte informieren, weil Stillen ja das Allerwichtigste auf der Welt ist“, so Valentina. Dabei geht es ja beim Muttersein um etwas anderes, so die Influencerin. „Es ist eine riesige Verantwortung und sehr viel Liebe. Man hat einen menschlichen Tamagotchi und neuen Mitbewohner in einem, das ändert viel“, sagt Valentina, die trotz Baby ihren Beruf als Model ausübt. 

„Entfolgen und sich das Leben nicht schwer machen“

Stichwort Model: Ich möchte wissen, was sie von After-Baby-Bodys auf Instagram hält. So nennt man im Instagram-Jargon Fotos von Körpern nach der Schwangerschaft. Viele Mütter zeigen sich mit Narben und Dehnungsstreifen oder posten Vorher-Nachher-Vergleiche, um ihren Fitness-Progress zu zeigen. „After-Baby-Bodys sind kein großes Thema für mich, ich habe auch nach  ein paar Wochen meinen "alten" Körper wiedergehabt – Gene sei Dank“, erzählt Valentina. „Bei manchen dauert es länger, bei manchen geht es ruckzuck - aber wer seinen Körper gerne zeigen möchte, der sollte dies auch tun!“. Sie selbst hat sich gegen Ende ihrer Schwangerschaft nicht mehr sexy gefühlt und versteht deshalb total, wenn man sich nach der Schwangerschaft wieder wohler fühlt – und dies auch mit anderen teilen möchte.  Das tun auch Bonnie und Valentina, die nach der Geburt ihrer Babys recht bald wieder Fotos von sich auf Instagram geteilt haben. Auch hier blieben Bonnie Kommentare wie „dünner hast du mir besser gefallen“ seitens Follower nicht erspart. Aber das lässt die Influencerin kalt – „Celebrating my new mombod“ schrieb sie als Caption unter ein Foto, das einen Monat nach der Geburt ihres Babys entstanden ist. „Jeder sollte begreifen, dass jeder Körper verschieden ist, wie jede Schwangerschaft, jedes Kind oder auch Erziehungsmethoden. Wer das nicht sehen mag - einfach entfolgen und sich nicht das Leben zu schwer machen“ , resümiert Valentina. Unter dem Hashtag #badmomclub wird man vielleicht keine bewiesenen Erziehungstipps finden, aber Storys über das Muttersein, wie es leibt und lebt. Und sind nicht alle Mütter manchmal ein wenig #badmoms?  

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