Schülermeinung von Yalda: Ist Herkunft gleich Heimat?

28. Mai 2020

Schülermeinung

 

Am 26. August 2019 nahm mein Leben eine Wende, als ich die Bundeshymne hörte und einen Eid ablegte, diesem Land gegenüber treu zu bleiben. Ein unvergesslicher Tag, an dem ich nach Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft die Beamtin Frau Biljonić neugierig fragte: „Bin ich jetzt Österreicherin?“. Und sie sagte: „Ja, jetzt bist du Österreicherin.“
 
ICH BIN EIN TEIL VON ÖSTERREICH
Es heißt, dass der Höhepunkt der Integration der Erwerb der Staatsbürgerschaft ist, doch ich habe mich nie fremd gefühlt, um mich zu integrieren. Ich bin zwar nicht hier geboren, doch die einzige Stadt, die ich von Herzen als Heimat bezeichne, ist Wien. Immerhin darf ich Österreich offiziell meine Heimat nennen, doch im Stiegenhaus erlebe ich noch hasserfüllte Blicke. Eine Pensionistin erzählte mir von ihren Problemen mit den Türken am Flohmarkt und beschwerte sich über die ägyptische Familie im Haus. Mich irritierte besonders der Satz: „Seit die Türken gekommen sind, ist alles zerstört.“ In diesem Moment hätte ich sie darauf aufmerksam machen können, dass sie aufhören soll, mich ständig aufzuhalten, doch ich schwieg geduldig und hörte ihr zu. Älteren Menschen gegenüber Respekt zu zeigen und sie nicht zu unterbrechen, ist Teil meiner afghanischen Erziehung. „Deutsch ist nicht ihre Muttersprache“, hat meine ehemalige Deutschlehrerin am Elternsprechtag gesagt. Wieso denke und fühle ich dann auf Deutsch? Nur bei Köstlichkeiten ziehe ich die afghanische Küche vor. Um sich als Teil von Österreich zu fühlen, muss man nicht Deutsch als Muttersprache oder Eltern aus Österreich haben. Ich verbinde das Beste aus Afghanistan mit meiner Heimat.
 
Yalda Ghodrat ist 20 Jahre alt und geht in die 8C der AHS Geringergasse in Wien.

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