Weniger Religion würde uns gut tun

26. Juli 2014

Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Jetzt höre auf, dir Sorgen zu machen, und genieße dein Leben!“ (Atheist Bus Campaign 2008)

 

Bei all den Bemühungen den Dialog zwischen den Religionen zu fördern und die Gefühle von Gläubigen bloß nicht zu verletzen, vergisst man ganz schnell, dass es Menschen gibt, die auf Grund ihres Nicht-Glaubens stärker diskriminiert werden, als Andersgläubige in einer Mehrheitsgesellschaft. Atheisten werden gerne als Gottlose ohne jegliche Moral bezeichnet. Doch mittlerweile existieren so viele Normen und Werte sowie unzählige Moralvorschriften, dass man leicht den Überblick verlieren kann und es nicht mehr möglich ist alle einzuhalten. Daher denke ich, dass uns Religionslosigkeit mit "so viel Moral wie nötig" erheblich gut tun würde. Ein Plädoyer für weniger Religion und Glaube im öffentlichen Raum.

 

Ich selbst bin ein überzeugter Atheist. Diesen "sündigen" Weg bin ich eingeschlagen, weil es für mich nicht mehr reichte, den Zustand der Welt allein mit der Exisitenz eines höheren Wesens zu erklären. Dafür war mein Wissensdurst zu groß. Der Begriff „Gott“ kommt höchstens dann in meinem Wortschatz vor, wenn ich mich selbst als Gott bezeichne und damit meine gläubige Schwester ein wenig ärgern will, weil sie es als Blasphemie empfindet. Ich gebe zu, es ist provokant, wenn ich behaupte, dass ich Gott sei und bin mir auch relativ sicher, dass ich den einen oder anderen Zorn von Gläubigen auf mich lenke. Aber ist in diesem Satz „Ich bin Gott“ nicht ein Fünkchen Wahrheit vorhanden? Ich bestimme selbst über mein Leben, über meine Freizeit, über meine Karriere und über meine Privatsphäre. Ich bin selbst für meine Gesundheit und meine Krankheit verantwortlich, für mein Glück und für meine Depression. Für mein Erfolg und mein Scheitern. 

 

Unserer Gesellschaft würde es erheblich besser gehen, wenn die Religion und der Glaube aus dem öffentlichen Leben verbannt werden. Die Verantwortung des Einzelnen würde gestärkt, die Manipulationskraft von Moralpredigern geschwächt werden. Unzählige Debatten und unnötige Diskussionen, die keinen Hauch von Sachlichkeit beinhalten, stattdessen rücksichtslos von Emotionen dominiert werden, würden verschwinden. Zahlreiche Konflikte wie der gegenwärtige Nahostkonflikt würden überhaupt gar nicht existieren. Die Wissenschaft, die in Österreich ohnehin vernachlässigt wird, würde ein größeres Gehör finden. Humanistische Bildung gestärkt werden. Ohnehin frage ich mich seit Jahren, warum der Religionsunterricht immer noch nicht abgeschafft und stattdessen ein einheitlicher Ethik- und Philosophieunterricht eingeführt wurde, der aktuelle gesellschaftliche Probleme kritisch analysieren und damit mehr zu einer friedlicheren Gesellschaft beitragen würde, als der Religionsunterricht, in dem Gewalt allgegenwärtig ist.

 

Ich finde, dass wir uns wie in einem Rauschzustand damit beschäftigen was nach dem Tod kommt, unser Leben dementsprechend in diese Richtung bewegen und die Welt vor unseren Augen vergessen. Die Worte von Karl Marx sind wahrhaft ehrlich und richtig, wenn er sagt, dass Religion Opium für das Volk sei.

 

Also sollten wir nicht unser Leben mit der Frage verschwenden, ob es einen Gott gibt, dem wir unser ganzes Leben widmen und die Gegenwart vergessen. Genießen wir das Leben, das wir wahrscheinlich einmal auf diese Art und Weise erleben werden. 

Kommentare

 

guter titel! aber für krankheit, gesundheit, glück und depression bist du wohl eher nicht selbst verantwortlich.

 

Für Krankheiten ist man nicht immer selber verantwortlich. Das stimmt schon. Sehr Wohl ist man aber verantwortlich dafür, in welche Richtung sich eine Krankheit entwickelt, jedenfalls bei  heilbaren und minderschweren Krankheiten. Bei Depressionen kann man sich auch streiten.

Aber wenn es um Glück und Gesundheit geht, darf man nicht erwarten, dass es von alleine auf jemanden zukommt, sondern muss man selbst die Dinge in die Hand nehmen. Wenn sich jemand ein gesundes Leben wünscht, sollte man sich halt ausgewogen und gesund ernähren und Sport treiben. Dafür ist man halt selber verantwortlich.

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