Fantasiefabrik: Große Retrospektive der Künstlerin Elisabeth Wild

22. Dezember 2023

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Elisabeth Wild an ihrem Arbeitstisch in Panajachel / Elisabeth Wild at her work desk in Panajachel © Estate of Elisabeth Wild, 2023 Ana Werren / Courtesy the Artist‘s Estate and Proyectos Ultravioleta, Guatemala City

Das Mumok zeigt eine große Einzelausstellung der österreichischen Künstlerin Elisabeth Wild, deren bewegte Biographie und umfassendes Werk geehrt wird. 

Geboren im Jahr 1922 in Wien, führte Elisabeth Wild ein bewegtes Leben, das die Umwälzungen des 20. Jahrhunderts widerspiegelte. Sie erlebte Flucht und Vertreibung, was zu ständigen Neuanfängen in ihrem Leben führte. Diese Vielfalt spiegelte sich in ihrem breit gefächerten künstlerischen Schaffen wider, das Malerei, Skulptur, Textilentwürfe sowie ihre Collagen und Installationen umfasste. Das Mumok zeigt ihr gesamtes, breit gefächertes Werk in einer großen Retrospektive, die sich über zwei Ebenen erstreckt. 

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Ausstellungsansicht / exhibition view: Elisabeth Wild. Fantasiefabrik / Elisabeth Wild. Imagination Factory, Photo: Klaus Pichler / mumok

Als Kind einer katholischen Mutter und eines jüdischen Vaters wurde sie nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland im Jahr 1938 zur Flucht nach Argentinien gezwungen. Dort arbeitete sie als Textildesignerin und lernte ihren späteren Ehemann, August Wild, kennen. Aufgrund des aufkommenden rechtsradikalen Klimas in Buenos Aires musste sie 1962 nach Basel weiterziehen, wo sie über drei Jahrzehnte lang einen Antiquitätenladen führte. Im Jahr 1996 zog sie schließlich mit ihrer Tochter, der Künstlerin Vivian Suter, nach Guatemala, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2020 lebte und arbeitete. 

365 Collagen

Elisabeth Wild studierte Malerei an der Academia Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires. Zunächst malte sie in traditionellen Genres wie Landschaften, Stillleben, Akten und Porträts. Doch im Laufe der Zeit wandte sie sich surrealen Elementen zu, und ihre Arbeiten wurden kleiner, intimer und fragmentierter. Ab dem Beginn des 21. Jahrhunderts konzentrierte sie sich ausschließlich auf die Collage als Medium und schuf zahlreiche fantastische, kosmische Traumwelten in minutiöser Arbeit. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf den Begriff „Fantasías“, den die Künstlerin geprägt hat. Ganze 365 Collagen, die in Panajachel geschaffen wurden, werden ein ganzes Jahr lang ausgestellt.

Elisabeth Wilds Lebenswerk aus jahrzehntelanger Praxis umfasst eine große Bandbreite an ästhetischen Elementen: Architektur- und Naturfragmente, Zeichnungen, Gemälde und Aquarelle sowie maskenhafte Züge und geometrische Muster sind in ihren späteren collagierten Werken zu erkennen. Diese Collagen vereinen somit Wilds frühere Landschaftsmalereien, Porträts und Textilmuster in abstrakter Form. Das Ausstellungsdesign mit großen, bunten Kulissen und paradiesischen Palmenwäldern sind eine Hommage an ihr Leben in Guatemala, wie es in einer dokumentarischen Videoarbeit in der Schau gezeigt wird.

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Elisabeth Wild Ohne Titel / Untitled, 2017 Collage auf Papier / Collage on paper 20 x 19 cm © Estate of Elisabeth Wild, 2023 Courtesy of the Artist‘s Estate; Karma International, Zurich, Photo: Nicolas Duc

Die Ausstellung umfasst zusätzlich einen Mitmachbereich, in dem die Besucher*innen eigenständig Collagen zusammenstellen können. „Elisabeth Wild. Fantasiefabrik“ ist noch bis zum 7. Jänner 2024 zu sehen, bevor das Mumok bis Juni 2024 saniert wird.

Hier gibt es weitere Informationen zur Ausstellung.  

 

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