Klimaaktivismus trifft Oper: Scharmien Zandi über die Opernperformance „Superzero, Baby!“

12. April 2023

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Scharmien Zandi ist eine österreichisch-kurdische Künstlerin. ©Tania Raschied

Experimentelles Musiktheater hat Scharmien Zandi schon immer fasziniert. „Einerseits, weil es eine sehr traditionsträchtige Kunstform in Österreich ist, andererseits aber auch viele andere Bereiche miteinschließt, wie Musik, Licht, bildende Kunst im Bühnenbild, Installationen mit Licht, Ton oder Video. Es ist eine sehr mannigfaltige Ausdrucksform“, erzählt die österreichisch-kurdische Künstlerin im Interview. Sie arbeitet freischaffend im Bereich Musik, darstellende Kunst, Performancekunst, und Multimedia hat gemeinsam mit Jugendlichen hat die Opernperformance „Superzero, Baby!“ entwickelt, die in einer dystopischen Welt spielt und sich mit der Klimakrise beschäftigt. 

BIBER: „Superzero, Baby!“ ist eine Opernperformance zu Wert und Wertigkeit. Wie kann man das verstehen?

SCHARMIEN ZANDI: Ich arbeite zum ersten Mal mit dem Theater an der Wien unter der Leitung vom neuen Intendanten Stefan Herheim und ich finde es sehr mutig vom Haus, sich dieser Form zu öffnen, welche die Kunstvermittlung mehr in den Fokus setzt. Was bedeutet Stückentwicklung? Was bedeutet Komponieren? Für mich stand ebenfalls folgende Frage im Fokus: Was sind die Emotionen, die Gefühle von den Jugendlichen zu dieser Thematik, die sie einerseits sehr antreibt, aber andererseits auch viel Ohnmacht in sich trägt? Wir wollten mit Jugendlichen zusammenarbeiten und ihre Emotionen einfließen lassen. Dass man sich an der Gegenwart anlehnt, statt beispielsweise an einem Buch, ist für mich auch das „Wertige“ bei dem Projekt.

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Innerhalb von sechs Monaten erarbeiteten 20 Jugendliche mit Scharmien Zandi die Operperformance "Superzero, Baby!", die in der Kammeroper gespielt wird. ©Herwig Prammer

Wer wirkt bei dem Projekt mit?

Insgesamt sind es elf Darsteller:innen, die aus unterschiedlichen Bezirken kommen und ganz unterschiedliche Bezüge zum Theater haben, sowie sechs Ensemblemusiker:innen. Wir haben einen Castingaufruf an Schulen in Wien und Umgebung gestartet, aber uns aus organisatorischen Gründen beim Musikensemble für das Musikgymnasium Wien entschieden, damit man die Probenräume nutzen kann. Die Ausschreibung haben wir über Tiktok gestartet, was sehr gut funktioniert hat. Manche Teilnehmer:innen haben schon beim Jugendprojekt am Theater an der Wien mitgemacht und andere haben noch nie eine Oper von innen gesehen – ich fand es cool, dass dieser Haufen Jugendlicher richtig voneinander lernen konnte. Und, dass viele Berufsbilder am Theater vom Bühnenbild bis zum Gesang vermittelt werden konnte.

Traditionell denkt man bei Opernpublikum eher an die ältere Generation. Was ist für das Projekt mit den Jugendlichen so attraktiv an dem Format gewesen?

Ich verstehe Oper auch als Subkultur, weil sie ja vor allem die oberen 10.000 in der österreichischen Gesellschaft abholt. Ich glaube, dass sehr vielen Leuten gar nicht bewusst ist, was Musiktheater alles kann, oder auch sein kann. Es herrscht leider immer noch ein verzerrtes, starres Bild von Oper. Musik ist eine der ältesten Traditionen in Österreich, im Gegensatz zum Film, der jünger ist und wo neue Strukturen leichter umsetzbar sind.

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Scharmien Zandi war für Konzept und Regie zuständig. ©Herwig Prammer

Was ist bei eurer Opernperformance anders, als bei einer normalen Oper?

Wir nehmen uns Thematiken an, die die Gegenwart ansprechen, statt zu interpretieren. Wir haben zum Beispiel auch keinen Orchestergraben, unsere Musiker:innen sitzen auf der Bühne. Dazu mussten wir uns auch eine passende akustische Strategie überlegen, damit die Stimmen nicht von der Musik übertönt werden. Wo wir sehr dem Format Oper treu geblieben sind, ist der dramaturgische Bogen, den die Barockopern auch haben.

 

Weitere Informationen und die nächsten Spieltermine findet man hier.

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