Rücktritt Anschober: Reaktionen aus der biber-Community

13. April 2021

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biber-Community, Ekin
Foto: Rea Djurovic

 

Handlungsunfähig und inkompetent oder doch menschlich und volksnah? Die Reaktionen gegenüber Rudi Anschober fielen in den Mainstreammedien extrem unterschiedlich aus. Wir haben in der biber-Community nachgefragt: “Was hält ihr vom ehemaligen Gesundheitsminister und wie steht ihr zu seinem Rücktritt?”

 

Von Hanna Begić, Sven Beck und Sandra Schmidhofer

 

Nach 15 Monaten im Amt zieht Rudi Anschober die Notbremse: “Ich bin überarbeitet und ausgepowert”. Seine Rücktrittserklärung ist außergewöhnlich: Selten zeigte sich ein Politiker so verwundbar. Aus den Reihen der eigenen Koalition kommt Verständnis, FPÖ und Neos üben Kritik. Die biber-Akademie fragte in ihrem Bekanntenkreis nach. Die Reaktionen reichen von “großem Respekt” bis hin zu “find ich feige”. 

 

Ekin, 26:

Großer Respekt vor der Entscheidung, allemal. Es zeigt wie wichtig es ist, sich selbst und als Entscheidungsträger andere zu schützen. Aber auch grundsätzlich sehr mutig von Anschober, diese Entscheidung so offen zu kommunizieren, wenn man sieht wie andere auf ihrem Sessel picken bleiben, obwohl sie als Minister oder Ministerin zurücktreten sollten. Abgesehen davon, dass Anschober ein Lehrer war und ihm eventuell das Feingefühl für Public Health Policies fehlte, hat er durchaus eine solide Arbeit geleistet und ich bin überzeugt davon, dass Österreich in der Pandemie ohne ihm schlechter dastünde. Natürlich gab es etliche fragliche Entscheidungen und Verkündungen, die mindere legislative Vorbereitung der Verordnungen, die nicht klare Kommunikation der Maßnahmen, etc. Dennoch muss man sich hier auch die Frage stellen, wie sehr da der Koalitionspartner eingriff und ihn eventuell sogar in diesen Burnout getrieben hat. 

Dragan, 36:

Dass Anschober zurücktritt, war zu erwarten. Alle bombardieren ihn, wie schlecht er nicht alles macht, aber selber weiß es keiner besser. Das haben wir nun davon. Gut, dass er seiner Gesundheit zuliebe aufhört. 

Robert, 53:

Ich hab's schon immer gesagt: Auf diesen Posten gehört, vor allem während einer Pandemie, ein Mediziner und kein Volksschullehrer.
 

Joshua, 20

Einerseits finde ich es aufrichtig, wenn er sagt, dass es ihm gesundheitlich nicht gut geht und er zurücktritt. Andererseits: Man kann nicht einfach in so einer politischen Lage gehen und alle Probleme, die während der Ministeriums-Führung geschaffen wurden, dem Nächsten überlassen. Ich finde es feige, sich am Höhepunkt einer Pandemie der Verantwortung zu entziehen, auch unter dem verständlichen Vorsatz der Überarbeitung. 

 

Emil, 25: 

 

Ich hab Herrn Anschober in den letzten Monaten immer wieder für seine Entscheidungen - oder Nicht-Entscheidungen, die ihm vom Koalitionspartner und den Landeshauptleuten ausgeredet wurden - kritisiert. Trotzdem hatte er was Menschliches an sich, das man von Politikern erwartet, gerade aber in der Regierung oft schmerzlich vermisst. Diese Eigenschaften waren es wahrscheinlich auch, die ihm jetzt seine Grenzen aufgezeigt haben. Vor seinem Rücktritt und der Art und Weise, wie er diesen verkündet hat – den eigenen, schlechten Gesundheitszustand zu thematisieren und seine eigenen Grenzen zu kennen - habe ich jedenfalls großen Respekt. Es wird ein kleiner, aber spürbarer Gegenpol zu purem Populismus und der durch und durch gekünstelter Rhetorik in der Bundesregierung fehlen.

 

Alexandra, 22:

 

Ich werde ihn und seine Grafiken vermissen. Aber seine Gesundheit geht vor.

Stevie, 26:

Ich finde es sehr, sehr schade. Ich fand ihn immer sehr menschlich, wie er mit uns, also dem Volk, umgegangen ist. Auch in der Form, wie er zurückgetreten ist, hat er sich sehr menschlich gezeigt. Was jetzt kommen wird, weiß ich nicht. Ich hoffe, dass man weiterhin so ehrlich mit uns ist. Ich glaube die wenigsten Menschen sind glücklich über den Lockdown, aber es geht hier mittlerweile um Menschenleben. Ich wünsche dem neuen Gesundheitsminister viel Erfolg und dem Anschober alles Beste, damit er zu seiner alten Verfassung zurückkehrt. Wenn man Videos von ihm heute mit Videos von vor der Pandemie vergleicht, merkt man wirklich, dass er einfach nicht mehr kann.

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