Soll der Weltfrauentag gesetzlicher Feiertag werden?

05. März 2021
 

Berlin macht's vor: Vor einem Jahr wurde dort der 8. März zum Feiertag erklärt. Soll Österreich dem Vorbild folgen?

100 Jahre Weltfrauentag liegen hinter uns. „Der Frauentag ist kein Feiertag, sondern ein Kampftag für Frauenrechte“, sagte einst Berîvan Aslan, die ehemalige Frauensprecherin der Grünen. Wie viele andere Frauen wollte sie zum Ausdruck bringen, dass es am internationalen Tag der Frauen wenig zu feiern gibt. Aus dem Weltfrauentag einen gesetzlichen Feiertag machen, das klingt doch eigentlich gut. Oder?

In fast 30 Ländern der Welt ist der internationale Frauentag ein gesetzlicher Feiertag. Dazu gehören etwa Armenien, Burkina-Faso, Nepal und Russland. Im Nachbarland Deutschland gibt es keinen bundesweiten, arbeitsfreien Frauentag. Berlin geht jedoch einen eigenen Weg. 2019 beschließen Berliner Grüne, Linke und SPD die Errungenschaften der Frauenrechtsbewegungen mit einem gesetzlichen Feiertag zu würdigen. Damals stimmten 87 Abgeordnete dafür, 60 dagegen. 

Sozialistische Erinnerungen

Nicht alle zeigen sich begeistert. Erinnerungen an die Frauentage der DDR, wo Frauen an einem Tag Blumen und große mediale Aufmerksamkeit geschenkt wurde, um sie am nächsten Morgen zurück in den undankbaren, harten Alltag zu schicken, sorgen für Skepsis. Was soll die Ernennung zum gesetzlichen Feiertag überhaupt bringen?

Die symbolische Macht eines Feiertages

August Modersohn, Redakteur der ZEIT, befürwortet die Berliner Aktion: „Politische Feiertage definieren, wofür wir als Gesellschaft stehen. Sie dienen als Identitätsanker. Sie führen uns Jahr für Jahr vor Augen, wer wir sind, wer wir sein wollen. Sie erinnern daran, dass gewisse Werte nicht schon immer da gewesen sind. Dass sie erkämpft worden sind.“ Auch in Österreich fordern Politiker*innen einen arbeitsfreien Frauentag, unter anderem SPÖ-Politikerin Evelyn Regner: „Der 8.März ist ein Kampftag.“, sagt auch sie.

Den Weltfrauentag zum gesetzlichen Feiertag zu erklären, würde ihm die symbolische Macht verleihen, die er verdient. Es geht mehr als um nette Gesten. Es geht nicht um Blumen und Schokolade, der Weltfrauentag ist schließlich nicht der Valentinstag. Wird sich die Welt schlagartig ändern, wenn wir am 8. März frei haben? Wohl kaum. Setzt man damit ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung? Auf jeden Fall!

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