Väter und Töchter

07. Juni 2017

Der Vater ist oft der erste Mann den eine Tochter liebt. Er wird angehimmelt, viele möchten ihn als kleines Mädchen heiraten, und alles was er sagt und tut, hat einen gewissen, heiligen Wert. Er ist eben nicht die Mama, und hat dadurch seine spezielle Rolle im Leben eines Kindes. Wir sind seine Prinzessin – und er unser Prinz.

Oft behält der Vater einen hohen Stellenwert im Herzen seiner Tochter – einen Platz, den (ein anderer) man(n) ihm nur schwer streitig machen kann.

Man sagt: Väter prägen ihre Töchter insofern, als diese dann später bei der Partnerwahl jene Männer bevorzugen, die dem eigenen Vater ähnlich sind, charakterlich oder gar auch (unbewusst) äußerlich.

Mein Vater

Und dann gibt es meinen Papa. Ein etwas chaotischer Mann der auf die 60 zugeht, und bei dem manches Mal das innere Kind zum Vorschein kommt (selbst wenn er weder das Chaotische, noch das Kindliche jemals zugeben würde). Manchmal machen sich diese Eigenschaften in dem Sinne bemerkbar, dass ich mich über ihn ärgere, aber oft muss ich auch darüber schmunzeln. Denn genau das macht ihn so einzigartig für mich.

Mein Vater ist die Art von Mann, der mir manches Mal einfach so einen Blumenstrauß mitbringt, um mich daran zu erinnern, dass es noch Gentlemen gibt.

Wenn er für einige Tage bei mir ist, macht er sauber. Verwundert darüber, dass ich ihn frage, warum er das gemacht hat, antwortet er: „Damit du dich wie die Prinzessin fühlst, die du bist.“

Er schreibt mir während der Arbeit, um mich zu fragen, was er für mich kochen soll, wenn ich heimkomme. Holt mich, erwachsene Frau, von der U-Bahn ab, „… weil es schon so dunkel ist“, oder macht mir Palatschinken, wenn ich um zwei Uhr nachts Lust darauf habe.

Im Grunde erfüllt es meinen Vater mit Freude, dass ich ihn brauche, oder gerne seine Hilfe in Anspruch nehme, auch jetzt noch, in meinem Alter. Und das tue ich wirklich. Außerdem lasse ich ihn gerne und bewusst spüren, dass er nach wie vor eine wichtige und (unter)stützende Rolle in meinem Leben besitzt. Ich denke, das macht uns beide glücklich.

Nicht umsonst habe ich immer eine ‚To-Do-Liste‘ mit Erledigungen für ihn die nur ‚Männer‘ machen können. Die eigentlich nur mein Papa für mich machen kann – und darf, sonst eh kein anderer.

Humor mit Meinung

Mein Vater hat eine Art von Humor, die nur meine Schwester und ich verstehen. Besser gesagt: Ich habe den Humor von meinem Vater. Zugegeben, er ist vielleicht etwas schräg, aber ich bin sehr stolz auf diese Nuance und dieses Level des Spaß-Machen-Könnens.

Natürlich gibt es auch Situationen wo wir aneinanderkrachen. Aber im Endeffekt weiß ich ganz genau, dass ich das alles eines Tages sehr vermissen werde. Wo ich mir sogar wünschen werde, dass er noch da ist um sich über die viel zu hohen Preise meiner Einkäufe zu äußern.

Mein Vater ist nicht nur mein Papa, er ist mein Freund und mein Vorbild.

Er ist die Art von Vater, den ich fragen kann, was Männer genau meinen, wenn sie Dinge sagen, von denen ich annehme sie als Frau womöglich falsch zu verstehen.

Er ist die Art von Vater, der mir ehrlich und unverblümt ins Gesicht sagt, wenn ich etwas Falsches getan habe, überreagiert habe oder im Unrecht bin. Gerade WEIL ich seine Tochter bin.

Vater, Tochter

Starker Vater, starke Tochter

Mein Vater wollte, bereits seitdem ich ein kleines Mädchen war, dass ich stark und unabhängig bin. Er hat es nie toleriert, dass ich, besonders von Buben, wie Kinder nun mal so sind, geärgert oder gar geschlagen werde. Stets verlangte er von mir meine ‚Frau‘ zu stehen, Grenzen aufzuzeigen (auch mit Retourfäusten, wenn es sein musste) und stolz meine Meinung und meine Person zu vertreten. Als Kind war das teilweise noch recht schwer für mich, doch spätestens ab der Pubertät erkannte ich, dass es der bessere Weg war ich selbst zu sein ohne mich von anderen unterkriegen oder verändern zu lassen. Es war der Druck der Kraft, die er von mir verlangte zu aktivieren, und die ich damals nicht verstand - der Druck der mich aber gleichzeitig auch stärkte und mich zu der Frau machte, die ich heute bin.

Stärke und Liebe

Mein Vater ist mit mir aus dem kommunistischen Rumänien geflüchtet, um in den USA einen Arzt aufzusuchen, weil es um mein Augenlicht schlecht bestellt war. Er hat immer wieder lange Perioden in seinem Leben für Hungerlöhne gearbeitet und in Baracken gelebt, damit ich alles habe.

Wie bei Tausenden von anderen gebildeten Männern wurde auch ihm sein Studium, später in Österreich, nicht anerkannt, und so schuftete er – aufopfernd wie gute Eltern es nun mal tun.

Das was sich mein Vater von mir wünschte, war er selbst: stets stark. Jammern war immer ein Fremdwort, und die meisten Sachen versuchte er immer positiv zu sehen.

Ich habe ihn als Kind ein einziges Mal weinen sehen. An diesen Tag kann ich mich noch erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Ich war als circa Elfjährige so ergriffen von seinen Tränen, dass mich die Hilflosigkeit in meiner Brust, ihm nicht helfen zu können, fast zerriss während ich wie erstarrt neben ihm saß.

Ich würde meinen Vater nicht anders haben wollen, denn dann hätte er die wundervollen Seiten nicht, die ich so sehr an ihm bewundere, schätze und über alles liebe.

Mein Vater ist eben die Liebe, die immer bleibt.

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Liebe Andrea, ich habe Tränen in den Augen!

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