3 Minuten mit Boris Nemsic: "Wien geht mir ab"

07. Juli 2010




Seit einem Monat wissen wir es: Top-Manager Boris Nemšić hat seinen Job in Russland an den Nagel gehängt. Bevor es in den Urlaub ging, gab der frühere Telekom-Boss biber noch schnell ein Interview.

Von Iga Niżnik und Lucia Bartl (Foto)

 

biber: Herr Nemšić, wohin fahren Sie auf Urlaub?

Boris Nemšić: Wie immer auf der Insel Vis in Kroatien und diesmall auch ein Teil in Russland und mir die wunderbaren Flüsse anschauen. Sehr schön soll auch der Bajkal-See sein, das ist der tiefste See der Welt. Das einzige Problem: Es gibt dort eine Million Gelsen pro Quadratmeter!

 

Sie haben Ihren Job bei der russischen VimpelCom an den Nagel gehängt. Was machen Sie nach dem Urlaub?

Ich habe „nur“ meine CEO Funktion abgegeben, werde aber noch bis Ende Oktober in Moskau arbeiten. Was ich danach mache, weiß ich noch nicht. Ich werde versuchen, möglichst viel in Wien zu sein. Wien geht mir schon ab.

 

Ist Wien Ihre Heimat?

Was ist Heimat? Ich bin in Wien zuhause. Man sagt immer: Man ist dort zuhause, wo man die meisten Schulden hat. (lacht)

 

Nach einem Jahr Russland können Sie uns jetzt sagen: Wie ist man im Osten erfolgreich? Kommt es darauf an was man kann, oder mit wem man kann?

Es kommt immer darauf an, was man kann. Egal ob Osten, Westen, Süden oder Norden: ich bin überzeugt, dass das überall gleich ist.

 

Was braucht man, um in Russland erfolgreich zu sein?

Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen. Die Dinge sind viel intensiver, schneller und „brutaler“.

 

Es gibt viele Klischees über Russland, etwa dass man mit Mafiosos zu tun hat oder Geschäfte im Puff besiegelt. Haben Sie schon einmal im Puff etwas unterschrieben oder ausgemacht?

Ich kann nicht ausschließen, dass das passiert, aber ich war noch nie im Puff, um ein Geschäft zu besiegeln. Russland und Osteuropa haben sich in den letzten fünfzehn Jahren sehr verändert. Ich habe auch nicht erlebt, dass bei Geschäftsessen zu Mittag Alkohol getrunken wird.

 

Sie sagen: In Russland passieren die Dinge schneller. Haben Manager dort mehr Macht?

Könnte man so sagen. Ich meine das nicht wertend, aber die Menschen sind gewohnt, klare Befehle zu empfangen.

 

Fahren Sie eigentlich noch nach Bosnien?

Meine Eltern wohnen dort, natürlich bin ich manchmal unten. Mein 30-jähriges Maturatreffen hatte ich in Toronto. Die Freunde leben in der Diaspora, manche sind auch im Krieg verschwunden. Deswegen: Ich bin in Bosnien zwar zuhause, aber die Menschen, die das ausmachen, sind nicht mehr da. Die Gebäude wurden vom Krieg zerstört.

 

Haben Sie vielleicht noch eine Frage?

Ja: Können Sie mich auf Ihre Abo-Liste setzen?

 

Das macht biber gerne!

 

wer ist er

name: boris nemšić

alter: 52

wurzeln: bosnien

beruf: früher telekom-boss, jetzt noch-chef von vimpelcom

 

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