„Ich bin Gastgeber. Und Gas-Geber!"

02. Juli 2020

Die Liebe zu Kaffee, ein Micro-Roaster und „leiwande“ Kunden: Das ist Ali Vogels Erfolgsgeheimnis. Wir sprachen mit dem Barista, der sich zuerst als Latte-Artist in Europa einen Namen machte, bevor er sein eigenes Lokal eröffnet hat: Das COWOME Vienna. 

Text: Aleksandra Tulej, Fotos: Susanne Einzenberger

 
Selbermacher Ali Vogel
Fotos: Susanne Einzenberger
 
In der Mitte des Cafés steht ein Baum. Ein echter. Rundherum ist die Deko eher schlicht: Die Barhocker und Tische sind aus Beton und Metall. Willkommen im COWOME Vienna. Das Café im Nordbahnviertel wurde nach den drei Materialien, mit denen es eingerichtet ist, benannt: Concrete, Wood und Metal – CoWoMe also. Besitzer Ali Vogel hatte schon lange vor der Eröffnung eine klare Vorstellung davon, wie sein Lokal aussehen soll. „Eine eigene Location, in der ich meine Ideen durchsetzen, mit dem Design, den Produkten und dem Menü experimentieren kann.“ Im Dezember 2019 war es dann soweit: Der 36-Jährige Ali erfüllte sich seinen langersehnten Traum und eröffnete das COWOME Vienna.  Ali, der eigentlich Vasily heißt, wurde im Norden Transsilvaniens geboren. Seit zwölf Jahren ist der gebürtige Rumäne Gastronom, oder wie er selbst lachend behauptet: „Gastgeber. Und Gas-Geber!“. Und Ali gibt tatsächlich Gas: Er arbeitete zuerst als Barkeeper, dann als Freelance-Barista und gewann etliche Latte-Art-Wettbewerbe in ganz Europa, bis er sich schließlich in Wien mit seinem eigenen Lokal niederließ. „Der Hauptgrund ist mein dreijähriger Sohn. Ich hatte zu wenig Zeit für meine Familie, ich wollte einfach mal länger an einem Ort sein.“
 
„DO IT“- ABER BLEIBE REALISTISCH.

Alis Tipp für junge Gründer? „Du musst ehrlich zu dir selbst sein. Mein Motto ist „Do It“- aber bleibe realistisch. Du musst dir darüber im Klaren sein, dass du wirklich Bock darauf haben musst. Du wirst härter arbeiten und anfangs sicherlich auch weniger verdienen. Feiertage, fixes Gehalt – all das ist in einem eigenen Unternehmen nicht selbstverständlich.“ Man muss sich einfach entscheiden, ob einem der Komfort einer Fixanstellung oder die Freiheit wichtiger ist. „Du musst dir selbst ausrechnen, ob dir diese Freiheit das wert ist.“, so der Barista. Bei Ali ist das der Fall: Der Wunsch nach umsetzbarer Kreativität, Ideen und Selbstorganisation war größer, als in einem sicheren Angestelltenverhältnis zu leben. „Hier handhabe ich alles so, wie ich das will.“

Selbermacher Ali Vogel
Foto: Susanne Einzenberger

 

LOKALE PRODUKTE

„Wir haben fast nur lokale Produkte von kleinen Produzenten. Der Kaffee stammt von Mikro-Roastern in Wien und Niederösterreich. Die Eier und die Milch bekommen wir von einem kleinen Bauernhof. Und genau dieses Konzept, also die hohe Qualität, hat mir, denke ich, auch in der Corona-Krise die Kundschaft gerettet“, zuckt Ali mit den Schultern. Die Kundschaft, das sind vor allem „coole, junge Familien“, wie Ali selbst sagt. „Und neben meinem Café ist ja gleich der Bank-AustriaCampus. In guten Zeiten kamen von dort auch viele Kunden.“ In guten Zeiten – das heißt: Pre-Corona. Die Krise hat sein Café aber überlebt, obwohl es anfangs nicht danach aussah. Die ersten zwei Wochen, nachdem das Lokal schließen musste, waren besonders hart für den Besitzer. „Ich hatte viele Sorgen. Es war ein psychischer Kampf. Niemand wusste, wie lange es dauern und was noch kommen wird. Wenn ich das Lokal hätte schließen müssen, hätte ich auch im Supermarkt gearbeitet. Ich muss ja meine Familie ernähren“, so Ali. Soweit kam es aber nicht. Der Besitzer blickt positiv in die Zukunft: „ Jetzt geht es wieder bergauf. Ich habe immer noch Schulden. Aber die Produzenten, mit denen ich zusammenarbeite, haben Verständnis. Und ich kann zumindest die Rechnungen zahlen, das ist wichtig.“ 

COWOME Vienna
Bruno-Marek-Allee 19, 1200 Wien
 

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