„Mathe war mein absolutes Hassfach in der Schule.“

28. Mai 2020

ClassNinjas ist eine App, die das Mathelernen für SchülerInnen in der Unterstufe spielerisch einfacher gestalten soll. Wir sprachen mit Gründer Karim Saad über die Vorteile der App. 

Von Nada El-Azar, Foto: Zoe Opratko

ClassNinjas
Foto: Zoe Opratko
BIBER: Warum heißt die App ClassNinjas? Und was unterscheidet sie von anderen Lern-Apps?
KARIM SAAD: Wir haben diese NinjaWelt für uns eröffnet, weil ein Ninja jemand ist, der hochfokussiert lernt, diszipliniert ist, und sich auf das Wichtige konzentriert. Jeder und jede kann sich mit einem Ninja identifizieren, er ist geschlechtslos und ohne Ethnie. Wichtig ist, dass die Videos kurz sein müssen, weil niemand Lust hat nach einem Schultag nochmal zwei Stunden ins Lernen zu investieren. Und die Aufgaben müssen möglichst relevant für den Alltag sein. Der Ninja nimmt zum Beispiel sein Smartphone in die Hand, sieht dass er nur noch 25 Prozent Akku hat und fragt sich – muss ich mein Handy aufladen oder schaffe ich es so durch den Tag? So haben Kinder eine bessere Verbindung zur Aufgabe, statt der alten Beispiele, in denen ein Mann 25 Wassermelonen kauft.
 
Welche Funktionen gibt es? Und warum ist es eine App, und nicht etwa eine Webseite?
Ursprünglich war ClassNinjas tatsächlich als Webseite gedacht, mit drei Kernfunktionen: Lernvideos, Übungen, und Prüfungssimulation. Letzteres ist mit 2,99 Euro pro Monat das einzige kostenpflichtige Element. Wir haben sehr schnell erkannt, dass die Kids keine Webseiten mehr benutzen, also sind wir in Richtung App gegangen. Von vornherein setzten wir auch stark auf Social Media Plattformen wie YouTube und Instagram – und auch TikTok, das bei Kindern bis 14 Jahren besonders beliebt ist. Als ich meinem Team vorschlug, TikTok-Videos zu machen, wurde ich anfangs sehr belächelt. Heute haben wir 142.000 Follower und sind der größte deutschsprachige Mathe-Influencer auf TikTok.
 

Warum tun sich immer noch so viele Kinder schwer mit dem Fach Mathe?

Viele tun sich schwer, Texte zu verstehen. Es nichts damit zu tun, woher die Kinder kommen oder welche Wurzeln sie haben. Das ist ein generelles Problem im österreichischen Bildungssektor. Kinder lesen etwas und haben keine Ahnung, was sie gelesen haben. Bei Mathematik wird das Problem sichtbar, wenn die Kinder die Angabe nicht verstehen. Und wer die Angabe nicht versteht, weiß nicht, wie gerechnet werden muss. Wir versuchen deshalb mit audiovisuellen Elementen Lerninhalte verständlicher zu machen, und verlassen uns nicht nur auf Texte. Unsere Animationen und Videos werden deshalb auch von Lehrern gerne verwendet.

War Mathe in der Schule dein Lieblingsfach?
Mathe war mein absolutes Hassfach in der Schule. Ich war selbst einer der schlechtesten Matheschüler, die es je gegeben hat. Dazu kam aber noch, dass ich im Gymnasium in Krems viel Rassismus erlebt habe – in den 90ern galt die FPÖ im Vergleich ja noch als Blümchenpartei. Ich bin zwar nie sitzengeblieben, weil ich Nachhilfe bekommen habe. Es ist unvorstellbar: In Österreich allein werden jährlich etwa 100 Millionen Euro für private Nachhilfe ausgegeben, davon etwa drei Viertel in Mathematik.
 
Ist das der Grund, weshalb ClassNinjas eine Mathe-App geworden ist?
Das Schöne an Mathematik ist, dass überall auf der Welt gelernt wird, dass 1+1 gleich 2 ergibt. Deshalb kann ClassNinjas deshalb ein globales Produkt sein.
 
Wie macht man eine Mathe-App attraktiv für Schüler, sodass sie am Ball bleiben?
Wenn Kinder Spaß an Mathematik haben sollen, muss man ihnen erklären, wozu sie Mathe in ihrem Leben brauchen. Die Skripte für unsere Drehbücher wurden alle von Lehrenden geschrieben, die aktiv im Dienst sind. Wir bedienen uns der Sprache der Jugend, wo etwa Wörter wie „Ehrenmann“ oder „Ehrenfrau“ oder „Gönn‘ dir“ Teil der App sind. Natürlich darf es auch nicht zu umgangssprachlich werden. Lehrende verwenden unser Material jetzt auch gern im DistanceLearning.
 
Hat die Corona-Krise den Weg für ein digitaleres Lernen in deinen Augen gewiesen?
Ob die Veränderungen durch Corona das Aufrütteln im Schulwesen gebracht haben, das ich mir wünsche, ist schwer zu sagen. Eine gute Sache hat die Krise gebracht: Ein Erkennen, dass das Digitale nicht nur da ist, sondern auch ordentlich genutzt werden kann. Distance-Learning bedeutet aber nicht, dass der Lehrer eine E-Mail mit Aufgaben schickt und dann die Antworten bis Freitag retour bekommt. In dieser Hinsicht bin ich doch etwas skeptisch.
 
 
Mehr Informationen unter: https://www.classninjas.com/de/
 
 
 

ClassNinjas
Foto: Zoe Opratko
WER IST ER?
Name: Karim Saad
Alter: 37
Geboren und aufgewachsen in Krems/ Donau, hat ägyptische Wurzeln
Sonstiges: Hat bereits Halaltrip.com, eine Reiseplattform für muslimische Reisende entwickelt.
 

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