Sollen Imame auch in 100 Jahren noch vom türkischen Staat finanziert werden?

16. Oktober 2014

 

Österreich bekommt ein neues Islamgesetz. Das ist gut. Weniger gut war, dass der Entwurf dafür rund um das Opferfest, einem hohen islamischen Feiertag, präsentiert wurde. Das ist symbolisch in etwa so, wie wenn eine Regierung in einem muslimischen Land ein umstrittenes „Christengesetz“ zu Weihnachten unter den Christbaum legt. Zudem war der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Fuat Sanac, exakt zu dieser Zeit auf dem Hadsch in Mekka. War das eigentlich Absicht? 

 

Die Empörung vieler Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft über das Gesetz ist legitim, wirkt aber ziemlich übertrieben. Ja, viele Passagen müssen diskutiert werden. So sollen Imame und Moscheen künftig nicht mehr von ausländischen Geldgebern finanziert werden. Das wird schwer halten. Auch die katholische Kirche und ihre Organisationen schicken Geld ins Ausland - etwa nach Afrika. Und dies nicht nur, um armen Kindern zu helfen, sondern um Katholiken vor Ort und sogar Missionare zu unterstützen. 

 

Andererseits wäre es schön, wenn auch Muslime anstreben, dass der Islam in Österreich nicht ewig zu einem so hohen Anteil aus dem Ausland finanziert wird. Oder ist es ein Ziel, dass noch in 100 Jahre das türkische Religionsministerium für viele Imame in Österreich die Gehälter zahlt? Oder Saudi-Arabien noch im Jahr 2050 den Bau von Moscheen finanziert? Das sollten schon die Muslime in Österreich finanzieren. Auch Katholiken zahlen Kirchensteuer, damit nicht der Vatikan Geld überweisen muss. Oder befürchten Vertreter der Glaubensgemeinschaft, dass die Opferbereitschaft vieler Muslime schnell schwindet, wenn es ums Zahlen geht?

 

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