Leserbeitrag: Eine echte Männerfreundschaft

12. Juni 2015

Ich kann mich noch erinnern, als wäre es erst gestern gewesen. Es war der 8.10.2010 und die Türkei spielt in einem Qualifikationsspiel gegen Deutschland. Als Fußballfan habe ich mir das Match natürlich angeschaut und durfte  mit ansehen wie meine Türken verlieren. Als hätte das nicht gereicht, schießt auch noch Mesut Özil, der einzige Türke in der deutschen Nationalelf, das letzte Tor. Was macht man natürlich nach so einem Match, man geht auf Facebook und liest sich die Hasskommentare durch.

Ahmet regt sich auf, Mehmet schimpft herum, Ali schwört nie wieder Fußball zu schauen, Roman Wais schreibt: „Scheiß Özil, du bist ein Verräter....“. Warte mal: Roman Wais?? Der ist doch kein Türke?! Aber egal, er ist für uns und das zählt. Ich kommentiere also seinen Status, wir kommen ins Gespräch(man muss wissen, ich kenne Roman zwar schon damals aus der Schule, aber wir hatten nie ein Wort miteinander geredet) und wie es der Zufall will, treffen wir beide am nächsten Tag in der Shisha-Bar "Manhattan" aufeinander. Wir freuen uns, setzten uns beide auf einen Tisch, noch nicht ahnend, dass wir bald unzertrennlich werden. Was machen wir also, wir planen die Woche durch, wann und wo wir uns zum Shisha rauchen treffen.

Damals gab es für uns nur 2 Optionen, das damalige Manhatten, gegenüber vom Tichy und das Utopia in Simmering. Beide Lokale waren wie unser zweites Zuhause, wir aßen dort, schliefen teilweise sogar dort und rauchten unsere Shisha. Natürlich jeder seine eigene, weil eine ja nicht reichte. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, Roman und ich sitzen gegenüber von einander, reden eine Stunde darüber wann wir endlich mit dem Big-Business starten und die restliche Zeit überlegen wir nur, wieso wir eigentlich immer nur zu zweit sitzen und keine Mädels dabei haben. Auf jeden Fall lernten wir damals auch einen Typen namens Gürsel kennen, der auch als Shisha-Freak bekannt war. Obwohl er uns sympathisch war, verkauften wir ihm trotzdem alten und trockenen Tabak. Damals wussten wir ja noch nicht, dass Gürsel mal ein Teil von uns wird. Aber wie heißt es doch so schön, alles kommt im Leben zurück und Gürsel zahlt es uns diese Aktion immer noch heim.

Die Zeit verging, das Manhattan gab es dann irgendwann auch nicht mehr und unsere Freizeit verbrachten wir entweder im Utopia oder bei Roman zuhause. Wir waren sogar die ersten mit einer Nargilem NPS und als würde das nicht reichen, hatten wir 2 Süchtler noch unsere eigenen Schläuche, mit unseren Namen, die nur wir zwei im Utopia rauchten.

 

Viele Freunde sind in dieser Zeit gekommen und gegangen, aber Roman und ich haben über die Jahre immer auf uns aufgepasst. Unser Leben war in Ordnung, uns fehlte es an nichts, außer dass ich als Schüler nie Geld hatte und Roman meine Bank gespielt hat.  Trotzdem war unser großer Traum noch weit entfernt, bis ich schließlich in meine neue Schule gekommen bin und meinen Mitschüler Markus kennen lernte. Markus hatte damals auch große Träume, er wollte seine eigenen Veranstaltungen planen und damit sein Taschengeld verdienen. Also tat er das auch. Sein erstes Event hatte 900 zusagen, der Club war voll und die Stimmung war perfekt. Eins fehlte aber: Natürlich, die Shisha! Und da kam Roman und mir die große Idee, das erste Shisha Catering in Wien zu starten. Also setzten wir uns mit Markus zusammen und planten alles durch. Dann war es endlich so weit, Markus hatte sein 2. Event im Level 7 und es war gleichzeitig  der erste offizielle Auftritt für Roman und mich. Damals  hießen wir noch Colonial Wien, doch das ist eine andere Geschichte. Wir waren aber nicht alleine, Schmidti, Romans Kindheitsfreund war damals immer an unserer Seite und zusammen rauchten wir die Clubs in Wien voll. Doch irgendwann waren uns die Clubs jedoch nicht mehr genug und wir wollten mehr. Mit ein wenig Glück bekamen wir dann die Chance am City Beach am Schwedenplatz, unsere Shishas zu verkaufen. Obwohl ich noch Schüler war, Roman im Hotel gearbeitet hat und Schmied bei der ÖBB, waren wir alle Abends am Beach und betreuten unsere Kunden und Freunde. Dann stieß auch noch Gürsel dazu und half  uns aus, wann er konnte.

Wie man es sonst auch kennt, läuft nie alles  so , wie man eigentlich will und so kam es auch zu Problemen am City Beach. Wir stehen also da mit genügend Shishas, aber ohne Standort. Verzweifelt sind wir gesessen und suchten nach dem idealen Standort für unser Lokal.  Monika, Romans Mutter verbrachte Tag und Nacht im Internet und suchte, aber ohne jeglichen Erfolg. War die ganze Mühe umsonst? Das ganze Putzen in Romans Garten, das ganze Auf-und Abbauen Tag und Nacht, die ganze Mühe, die wir in unserem Traum steckten? Nein, war es nicht! Denn das Glück war wieder auf unserer Seite und so fanden wir auch den perfekten Platz, die Braunhirschengasse 50, in Wien Fünfhaus. Da waren wir nun, Roman, Daniel, Gürsel und ich.

Man sagt ja auch so schön, jeder Anfang ist schwer, war es auch, keine Frage, doch die harte Arbeit lohnt sich im Endeffekt immer. Was wir aber feststellen konnten war, dass dir diese harte Arbeit nicht jeder gönnt und das war auch der Grund, wieso das Colonial Wien, dann schlussendlich zu Efendis wurde. Auch wenn sich der Name geändert hatte, unser Konzept und unsere Leidenschaft war immer noch die selbe. In dieser Zeit sind auch Freundschaften in die Brüche gegangen,  wir haben gleichzeitig viele Freunde dazu gewonnen und das wichtigste, wir haben gelernt auf die Personen Wert zu legen, die auch in deiner schwersten Zeit hinter dir stehen. Mit der Zeit hat sich auch das perfekte Team gebildet: Roman, GürseI und ich, die seit Anfang an für einander da waren, Romans Eltern, die immer auf uns aufpassen und hinter uns stehen, unsere Oma, die so gut es versucht, uns im Zorn zu halten, unser Nachbar Michi, der unser immer bei Laune hält und ein offenes Ohr für jeden hat und zu guter Letzt, unsere Aylin, die euch die besten Cocktails der Stadt zaubert.

Ihr müsst wissen, wir sind hier eine Familie und das wichtigste ist immer, dass unsere Kunden zufrieden sind und dass sie zufrieden sind merken wir daran , dass viele Teil dieser Familie geworden sind . Efendis ist nicht nur ein gewöhnliches Shisha Lokal, es ist ein Ort wo sich Freunde treffen und die Zeit miteinander genießen, wo sie ihren Kopf ausschalten können und für eine Zeit ihre Sorgen vergessen.  Denn Shisha ist nicht gleich Shisha,  man muss die Leidenschaft und die Liebe zu dem haben, was man tut und das haben wir, die Efendis-Familie bei all dem was wir hier machen. 

 

Der Liebesbrief wurde vom treuen Biber-Leser Aykut Erdem geschrieben.

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